Genetik

  • angel
hallo zusammen

da alexis gestern den vorschlag machte, für genetische sachen und vererbungslehre einen eigenen thread zu eröffnen, mache ich jetzt mal den anfang.

ich kann zwar in punkto hundezucht nicht viel dazu beitragen, aber vielleicht ist das thema an sich ja interessant, auch wenn es nur schafe und ziegen betrifft.

schafe und ziegen sind zwar miteinander verwandt, aber aufgrund verschiedener chromosenanzahl nicht miteinander kreuzungsfähig, ähnlich wie bei hase und kaninchen. schafe haben 54, ziegen 60 chromosomen. gelegentlich wird von paarungen zwischen schafen und ziegen berichtet, allerdings dann nur, wenn die mutter eine ziege und der vater ein schafbock war. im umgekehrten fall sterben die embryonen, die sich zwar zuerst bilden, nach ca. 2 monaten im mutterleib ab. in forschungsstationen ist es zwar auch gelungen, lämmer aus diesen verbindungen gesund zur welt zu bringen, aber diese tiere sind unfruchtbar, ob sie der gruppe der ovis, der schafe oder der gruppe der caprinen, der ziegenartigen zugerechnet werden, kommt dann letztendlich auf das äussere erscheinungsbild an.

die zucht der schafe und ziegen ist natürlich ein sehr komplexes thema, was hier nicht mit ein paar sätzen abgehandelt werden kann, daher beschränke ich mich mal auf das wichtigste.
ziegen werden z.b. nach farben oder nach morphologischen merkmalen gezüchtet. die vererbung der haarfarben bei der ziege ist nicht genau geklärt, sie ist aber durch verschiedene gene bestimmt. für die grundfarben weiss, schwarz und braun gibt es getrennte genorte. da bei den meisten rassen linien- und keine kreuzungszucht betrieben wird, ist die vererbung der farbe meist kein problem, da die tiere reinerbig bzw. homozygot sind. d.h. wenn ich eine thüringerwald ziege mit einer thüringerwald ziege verpaare, kommt zu 100 % auch wieder eine thüringerwald ziege raus.
wenn ziegenrassen aufgrund von verdrängungskreuzungen entstanden sind, wie hierzulande die burenziegen, sind die tiere nicht homozygot, sondern heterozygot, weil sie mit einer anderen rasse gekreuzt worden sind, im fall der burenziege sind das die bunten deutschen edelziegen gewesen. dann kann es vorkommen, das auch aus einer verpaarung von zwei burenziegen, die aber nicht homozygot sind, eine einfarbige ziege fällt, die äußerlich zwar der burenziege ähnelt, aber von der farbe her eher einer deutschen bunten edelziege.

dann gibt es rassen, bei denen auf morphologische merkmale wert gelegt wird, z.b. die sog. glöckchen, kleine hautanhängsel am hals der ziegen oder der charakteristische ziegenbart. der bart beim bock muss immer ein dominantes, geschlechtsgebundenes merkmal sein, bei der ziege sollte es ein rezessives merkmal sein. die glöckchen sind durch eine einfache dominante anlage bedingt, so das sie sich meistens weitervererben, allerdings gibt es auch da homozygote, wie heterozygote anlagen. wenn zwei tiere erbrein ohne glöckchen sind, kommen auch die lämmer ohne auf die welt.

ein weiteres problem in der ziegenzucht ist die zucht auf hornlosigkeit, weil hornlosigkeit sehr oft mit unfruchtbarkeit und zwitterbildung einhergeht. warum das so ist, weiss man nicht genau, man nimmt an, das es eine nebenwirkung des P-Allels, der genetischen anlage für hornlosigkeit, ist bzw. eines anderen, eng an das P-Allel gekoppelte gen. mit homozygot hornlosen ziegen kann nicht gezüchtet werden, das ist das gleiche phänomen wie bei hunden, das merle nicht mit merle gekreuzt werden darf. die nachkommen wären in diesem fall allesamt wertlos für die weitere zucht, weil komplett zwitterbildung. daher werden zur zucht meistens heterozygote böcke eingesetzt, man nimmt dadurch in kauf, das zwar ein teil der lämmer gehörnt zur welt kommt, aber die zwitterbildung kann man dadurch auf etwas 12,5 % herabsetzen. man sieht, das von der natur aus scheinbar keine hornlosen ziegen vorgesehen sind, da die zuchtversuche meistens an o.g. problemen scheitern.

erbfehler werden bis auf wenige ausnahmen meistens im rezessiven erbgang weitergegeben, hier einige beispiele: brachygnatie, herzfehler, ohrmuscheldeformationen, kryptorchismus. es gibt auch missbildungen bzw. krankheiten bei denen man den erbgang nicht kennt, z.b. afterlosigkeit, dackelbeine, zitzenzahl. einige wenige werden dominant, bzw. unvollständig dominant vererbt z.b. zwergwuchs, stummelohr, afribinogenämie (störung der blutgerinnung).

ich könnte jetzt noch auf heritabilität eingehen, oder auf die vererbung von milch- und fleisch- und wollleistung, aber ich denke das sind themen, die nicht interessant sind.

einen punkt möchte ich aber noch erwähnen, die sog. einkreuzungszucht. diese wird verwendet um ein höheres schlachtgewicht der lämmer zu bekommen und zwar bei ziegen und schafen gleichermaßen. das macht man um den heterosiseffekt effizient ausnutzen zu können, das will heissen, das die kreuzungslämmer eine wesentlich bessere fleischleistung besitzen als das elternmaterial. der heterosiseffekt liegt bei ca. 5 % in der kreuzungszucht.

ich hoffe mal das das jetzt nicht zu langweilig war, weil es eben nicht direkt mit hunden zu hat.

liebe grüße
truman :hallo:
 
  • SaSa22
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Hi angel :hallo:... hast du hier schon mal geguckt?
  • Gothic
Nein, ich fand es nicht langweilig sondern total interessant, da mich Genetik wahnsinnig interessiert und ich da alles lese was ich bekommen kann.
 
  • MeikeMitBenny
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LG Meike mit Benny
  • angel
vielen dank :love: ich dachte schon, das es niemanden wirklich interessiert, weil es nicht auf hunde bezogen ist.

ich kann bei bedarf noch mehr zum thema beisteuern, falls gewünscht.

liebe grüße
truman :hallo:
 
  • Gothic
Klar, wenigsten für mich.
Neben Hunden besonders gerne über Schafe, Pferde, Rinder, Nager.
Bei Nutztieren liegt mein besonderes Spezialgebiet auf Kleinpopulationen von gefährdetet alten Haustierrassen (Dülmener Wildpferd, Jakobsschafe, british Longhorn etc.), aber nicht nur.
 
  • Amy
Ich werde zwar nicht viel beitragen können, aber ich lese gebannt mit!
 
  • SaSa22
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Danke für den Tipp, Meike! Den Futtercheck (und vor allem die kostenlosen Futterproben :D) werde ich mir mal gönnen.
  • Alexis
...leider habe ich von dem Thema wenig Ahnung, freue mich aber darauf etwas dazulernen zu können.
Ich denke quini kann bestimmt auch allerhand wissenswertes beitragen.

Eine Frage habe ich gleich. Was dies angeht:

'gelegentlich wird von paarungen zwischen schafen und ziegen berichtet, allerdings dann nur, wenn die mutter eine ziege und der vater ein schafbock war. im umgekehrten fall sterben die embryonen, die sich zwar zuerst bilden, nach ca. 2 monaten im mutterleib ab. in forschungsstationen ist es zwar auch gelungen, lämmer aus diesen verbindungen gesund zur welt zu bringen, aber diese tiere sind unfruchtbar,'

ist das vergleichbar mit Maultieren? Die kommen ja auch steril zur Welt, hat das den gleichen Grund?


Alexis
 
  • angel
nagut, da ja doch interesse zu bestehen scheint, werd ich mal sehen, was ich noch zum thema beisteuern kann.

ich versuche es auch rassespezifisch zu gestalten, obwohl ich eigentlich nur das wissen über die skudden im fall der schafe habe, da ich selbst skudden halte. aber ich werde meine bücher befragen, die wissen noch mehr wie ich :D

jedenfalls ist es interessant sich mit dem thema auseinanderzusetzen, auch wenn man nicht züchten will, was ich eigentlich nicht vorhabe, aber ich finde, so die grundsätze zu beherrschen ist nicht verkehrt, schon alleine im interesse der tiere.

bei den skudden ist das eigentliche problem, das es eine erhaltungszucht ist, die skudde ist eine alte landschafrasse, ursprünglich aus pommern und ostpreussen kommend, in den herkunftsgebieten aber leider mittlerweile ausgestorben. die population von skudden, die es in deutschland gibt, wo sie auch immer noch in der liste der vom aussterben bedrohten alten haustierrassen geführt wird (das könnt ihr bei interesse in dem buch *gefährdete nutztierrassen* von hans-hinrich sambraus nachlesen) geht auf einen kleinen bestand zurück, der in den 40er jahren vom tierparkt hellabrunn gekauft wurde, bzw. vereinzelten tieren, die nach dem krieg versprengt wurden in den westen oder von flüchtlingen mitgebracht wurden.
daher ist das risiko der inzucht sehr groß, da im prinzip alle heutigen tiere auf diese wenigen zurückgehen, da es ausserhalb keine bestände mehr gibt, kann man keine wirkliche blutauffrischung bekommen.
man hat versucht andere rassen einzukreuzen, eben um das inzestrisiko und das damit verbundene risiko der erbschädigung so gering wie möglich zu halten, hat aber festgestellt, das das nicht die gewünschten erfolge gebracht hat, dadurch sind die rassetypischen merkmale und wesenseigenschaften der skudde verlorengegangen.
wesenseigenschaften, die mitvererbt werden sind zum beispiel absolutes fehlen von agressivität der böcke, was sehr wichtig ist, da schaf- und auch ziegenböcke normalerweise ein gesundes potential an agressivität besitzen, vor allem in der brunstzeit. ich spreche aus erfahrung, da ich einen ziegenbock besessen habe.

also hat man diese versuche wieder seingelassen und sich irgendwie arrangiert, mit dem vorhanden bestand weiterzuzüchten. wichtig ist vor allem das man die direkte verwandschaft meidet, d..h. vater x tochter oder mutter x sohn. dadurch kann man das risiko der erbschädigung schon mal reduzieren. früher sagte man, eine generation verwandschaftszucht ist nicht schlimm, aber die spätfolgen davon kann man nicht vorraussehen, daher sollte man es besser sein lassen. nun gibt es zum glück wieder einige züchter von skudden in deutschland, so das man sich schon von weiter her einen bock kommen lassen kann, oder auch muttern, die partnerwahl im näheren umkreis ist dagegen nicht empfehlenswert.

bei der skudde sind die morphologischen merkmale festgelegt auf hörner wie hornlosigkeit, es gibt muttern die haben keine hörner, und welche mit hornstummeln wie auch mit voll ausgeprägten hörnern. böcke haben immer ein imposantes schneckengehörn. bei schafen ist hornlosigkeit interessanterweise nicht wie bei den ziegen an unfruchtbarkeit oder zwitterbildung gekoppelt, obwohl man davon aussgeht das die genetische anlage für hörner oder hornlosigkeit beim schaf ebenfalls an das P-Allel gekoppelt ist, wie bei der ziege auch. das würde für die theorie sprechen, das bei der ziege ein anderes, eng an das P-Allel angeschlossene gen dafür verantwortlich ist.

ich denke mal, das trotz der wideren umstände der genpool für die skuddenzucht noch recht gesund ist, wenn man o.g. zuchtverfahren vermeidet. denn es wäre schade, die rasse aufgrund von zu hohem inzestgrad krank zu züchten oder aussterben zu lassen, weil die schädigungen im erbgut zu missbildungen oder totgeburten führen können. auf jeden fall werden, wie bei allen tieren, diejenigen von der zucht ausgeschlossen, bei denen solche fehler auftreten. am häufigsten anzutreffen sind in diesem fall zahnfehlstellungen wie über- oder unterbiss, manchmal auch fehlfarben, die dann ebenfalls von der zucht ausgeschlossen werden.

skudden sind in den farben weiss, am häufigstens vorkommend, und seltener braun oder schwarz zulässig. scheckige oder graue tiere werden nicht zur zucht verwendet, was nicht heissen soll, das sie vom genmaterial her schlecht sind, an diese farben sind keine genetisch bedingten schädigungen gekoppelt.

liebe grüße
truman :hallo:
 
  • Alexis
...was die Inzucht bei gefährdeten Haustierrassen angeht so kennen wir das von den rheinischen Kaltblütern. Die Suche nach dem passenden Hengst für Hera gestaltete sich äußerst schwierig da die besten von den Jungs zu nah mit ihr verwandt waren.

Alexis
 
  • Suu
Hallo!

Also ich find das alles sehr interessant :) Kann leider nicht wirklich viel dazu beitragen, habe mich mal mit der Genetik von Ratten auseinander gesetzt, aber das ist schon 'ne Weile her...

Finde Genetik eh ein fuchtbar spannendes Thema :D
 
  • sanna
Beitragen kann ich auch nichts, finde es aber total interessant, mitzulesen!
 
  • Bine 16
Ich selber weiß nicht viel über Genetik (außer ein Wenig über blaue Doggen, weiße Hunde/Katzen, Merl-Collies und Geparden), aber ich finde es hochgradigst interessant, hier mitzulesen.

Alexis schrieb:
...was die Inzucht bei gefährdeten Haustierrassen angeht so kennen wir das von den rheinischen Kaltblütern. Die Suche nach dem passenden Hengst für Hera gestaltete sich äußerst schwierig da die besten von den Jungs zu nah mit ihr verwandt waren.

Alexis

Und, habt ihr denn jetzt den passenden Hengst gefunden?
 
  • Alexis
Jau, hamwer. :)
Zumindest einen der in Frage kämen, jetzt müssen wir mal alle Voraussetzungen abchecken.

Alexis
 
  • angel
nun ist es ja so, das an bestimmte äusserliche merkmale schon genetisch bedingte erbschäden gekoppelt sind. man kann also davon ausgehen, das die tiere diese schäden in mehr oder weniger starkem ausmaß auf jeden fall bekommen oder haben werden.

da wären z.b. der rote cockerspaniel, es gibt ja, die nur bei roten farbschlägen des cockerspaniels auftretende, sog. cockerwut, was bedeuten würde, das an den locus der grundfarbe rot irgendwie der defekt der auftretenden cockerwut gekoppelt sein muss, wie genau das zusammenhängt, ist leider noch nicht bekannt. ob es in diesem fall den genort für die farbe rot oder, wie bei den ziegen vermutet, ein sehr eng an diesen genort angeschlossenes anderes gen ist, das wird die forschung noch ein bisschen beschäftigen.

das zweite beispiel wäre der merle-faktor, der ja auch sehr oft mit vorprogrammierten, erblichen schäden einhergeht, wie blindheit, taubheit und diverse missbildungen. der gleiche effekt erreicht man bei weissen katzen, mit blauen augen, die auch meistens taub sind. das würde mit anderen worten bedeuten, das an den genort, bzw. den locus für die grundfarbe weiss bei allen tieren das risiko ungleich höher ist, das erbliche schäden, egal ob in rezessiv oder dominat vererbter form, auftreten können. weiss ist in der natur eigentlich auch keine farbe, die große überlebenschancen besitzt, albinotische tiere werden von den herden nicht akzeptiert, weil sie eine gefahr für die ganze herde darstellen. das kann man sehr schön bei pferde beobachten, dort ist es ganz oft so, das schimmel in den herden gemobbt werden, so das man sie oft seperat stellen muss, weil sie von den anderen nicht akzeptiert werden.

leider gibt es auch menschen, die bewusst die folge von erbschäden oder missbildungen in kauf nehmen, und mit tieren züchten, die eigentlich gar nicht dazu gedacht sind, wie z.b. die verpaarung von merle x merle.
weil das die voraussetzung ist um die in den usa so beliebten, weissen collies zu züchten, nehmen die züchter in kauf, das ca. 50 % der welpen gar nicht lebensfähig sind oder schon tot geboren werden, der rest evtl. mit schweren missbildungen zur welt kommt und nur die wenigsten eigentlich wirklich halbwegs normal sind. dafür kann man dann horrende summen für so einen hund bekommen, weils eben raritäten sind.

ich möchte in diesem zusammenhang auch noch mal auf einen besonderen punkt in der genetik, dem clonen zu sprechen kommen. sicherlich ist es möglich tiere und auch bestimmt menschen zu clonen. leider ist es so, das man nur die rein äusserlichen merkmale duplizieren kann, d.h. ein tier gleicht dem anderen bis aufs haar. was wesenszüge, charaktereigenschaften und ähnliches angeht, das kann nicht geklont werden, weil das zwar schon im gewissen umfang genetisch veranlagt ist, aber eben größtenteils von der umwelt geprägt wird. wenn man diese tatsachen berücksichtigt, wird man einsehen, das es niemals ein geclontes lebewesen geben kann, was wirklich bis in detail so war wie das original, mit allen charaktereigenschaften, wesenszügen und vielen anderen dingen. und es soll niemand behaupten, das es doch so wäre, kann gar nicht, weil dieses geclonte lebewesen ganz andere erfahrungen im leben machen wird wie das original, und die gemachten erfahrungen des originals können nicht im genetischen code des clons verankert werden.

das auch das keine zukunft hat, hat dolly allen bewiesen, clone sind, mal grob ausgedrückt, nicht dazu bestimmt ein langes leben zu führen. auch in diesem fall sind an die entstehung dieser lebewesen genetisch bedingte fehler und defekte gekoppelt, die dazu führen, das clone sehr viel früher sterben, sehr viel öfter krank sind, oftmals auch mit krankheiten, die auf natürlichem wege gezeugte tiere nicht bekommen würden.


liebe grüße
truman :hallo:
 
  • bones
Superinteressant! Muss direkt nachfragen:

angel schrieb:
wesenseigenschaften, die mitvererbt werden sind zum beispiel absolutes fehlen von agressivität der böcke, was sehr wichtig ist, da schaf- und auch ziegenböcke normalerweise ein gesundes potential an agressivität besitzen, vor allem in der brunstzeit. ich spreche aus erfahrung, da ich einen ziegenbock besessen habe.
Ja, auch ich erinnere mich an gewisse schmerzhafte Erfahrungen mit Ziegenböcken :uhh: , auch unser Schafbock war nicht ohne. Man lernt im Laufe der Zeit, "drei Augen" zu haben - eins war immer für den Ram bestimmt :D .
Im Hinblick auf die Vererbung dieses Wesensmerkmales stellt sich mir allerdings die Frage, ob daran möglicherweise andere Dinge gekoppelt sind, die nun "aus Versehen" ausgemerzt werden. Natürlich eine Frage, die man bei jeder gezielten Zucht, egal welches Lebewesens, stellen kann/muss. Und die man leider erst mit der Erfahrung beantworten kann, und auch erst, wenn es zu spät ist :( .

angel schrieb:
wichtig ist vor allem das man die direkte verwandschaft meidet, d.h. vater x tochter oder mutter x sohn. dadurch kann man das risiko der erbschädigung schon mal reduzieren.
Das widerspricht aber doch den Ergebnissen der Populationsgenetik, oder? Erbschäden werden ja weder durch Inzucht noch Inzestzucht hervorgerufen, sondern nur durch die dadurch hervorgerufene Homozygotie aufgedeckt. Dass sie nicht so schnell sichtbar werden bei Inzucht im Gegensatz zur Inzestzucht ist schon klar, aber das Problem ist doch nicht gebannt sondern nur zeitlich verschoben.

Oder sprichst Du von der Inzuchtdepression? Meines Wissens sind das zwei verschiedene Dinge.

Hab' mal Enya's Stammbaum angehängt, zum Durchexerzieren ;) . Sie ist stark ingezogen, ich hab mal identische Ahnen farblich hervorgehoben, nicht markiert sind z.B. Geschwister wie Oscar und Onix von Löwenfels...
Ich stelle den Stammbaum einfach mal so zur Diskussion. Vielleicht hat der ein oder andere Spaß daran, den Inzuchtkoeffizienten zu errechnen?

Gruß
Mareike
 
  • angel
hi bones

das problem ist, das hierzulande die populationsgenetik zumindest bei der ziegenzucht kaum angewandt wird.
sicherlich ist das problem damit nur zeitlich verschoben, aber wenn es um erhaltungszucht geht, wo der genpool eben nur begrenzt ist, muss man sich irgendwie arangieren damit, d.h. man muss diese probleme in kauf nehmen. bei skudden wird das so gehandhabt, das man möglichst auf die direkte verwandschaftskreuzung verzichtet. das die tiere zu einem gewissen prozentsatz alle ingezüchtet sind, steht ausser frage, das begründet schon alleine die herkunft der rasse an sich.

die aggressionsfreiheit bei skuddenböcken wird nur weitervererbt, wenn es reinrassige skudden sind, sobald es kreuzungsprodukte sind, ist das nicht mehr so. dann sind die böcke durchaus aggressiv, was zum schutz der herde wiederum ja nicht verkehrt sein mag. die frage, ob man andere, daran gekoppelte dinge ausmerzt ist berechtigt, aber kann eben nicht schlüssig beantwortet werden, weil man es nicht weiss. das kann, wie du richtig bemerkt hast, nur die erfahrung bringen, das ist das gleiche, wie ich es mit der zucht der ziegen auf hornlosigkeit beschrieben habe.

inzuchtdepression ist wieder ein anderes thema, das habe ich auch nicht gemeint, darüber sollte man seperat sprechen, aber wie anfangs erwähnt, das thema an sich ist so komplex das man nicht mit ein paar sätzen alles abgehandelt hat.

liebe grüße
truman :hallo:
 
  • Marion
sehr eng an diesen genort angeschlossenes anderes gen ist,

Heißt daß, daß die beiden Gene physisch gesehen sehr nah beieinander liegen oder daß das eine Gen nur bei Vorhandensein des anderen Gens seine "Wirkung entfalten" kann?

Was ist Inzuchtdepression?
 
  • steppinsky
Wer sich für Genetik und für Hunde interessiert, sollte unbedingt das folgende Buch lesen:
"Hunde. Neue Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Kaniden."
Von Lorna und Ray Coppinger, erschienen bei Animal-learn.
Der Schinken ist leider sehr teuer (35 €), aber wirklich lesenswert, wenn man sich für die Biologie des Hundes interessiert.
Absolut sensationell fand ich das Kapitel über die Verhaltensgenetik. Die Zusammenhänge zwischen äußerer Gestalt und Verhalten waren mir bis dahin nicht wirklich klar geworden.
Ein Zitat, das vielleicht neugierig macht: "Ziel der Evolution ist das Laufen, nicht die Beine."
Gibt es ein Gen für die Wasserliebe des Neufundländers ?
Kann man einen Border Collie so erziehen, daß er NICHT fixiert und pirscht ?
Haben die Steinzeitmenschen Wölfe gezähmt und Hunde aus ihnen gezüchtet ?

Die Coppingers haben ein paar zum Teil sehr überraschende Antworten auf diese Fragen.
step

Marion schrieb:
Was ist Inzuchtdepression?
Damit meint man das gehäufte Auftreten von rezessiv vererbten Defekten in Inzuchtlinien.
Rezessive Erbfaktoren wirken sich nur aus, wenn sie in beiden Chromosomen des diploiden Satzes auftreten.
step
 
  • Alexis
Nu' wird's imteressant. :)
Zwei kühne Fragen:

angel schrieb:
da wären z.b. der rote cockerspaniel, es gibt ja, die nur bei roten farbschlägen des cockerspaniels auftretende, sog. cockerwut, was bedeuten würde, das an den locus der grundfarbe rot irgendwie der defekt der auftretenden cockerwut gekoppelt sein muss,
Also könnte man ganz grob vereinfachend behaupten daß zumindest Teile des Wesens mit der Haar- bzw. Fellfarbe zusammenhängen?
Ich erinnere mich nämlich diese Frage vor geraumer Zeit mal gestellt zu haben (und zwar in Bezug auf Pferde), da hat aber alles 'Humbug!' gebrüllt. ;) Obiges würde meine These aber doch untermauern?

Zweite Frage:
Bzgl. des ausmerzens der Aggressivität bei den skudden-Böcken. Aggression also doch praktisch als 'Zuchtziel' möglich? In Bezug auf Hunde meine ich jetzt. In mehreren Diskussionen waren die meisten ja der Ansicht daß das nicht möglich ist...

Alexis
 
  • bones
steppinsky schrieb:
Damit meint man das gehäufte Auftreten von rezessiv vererbten Defekten in Inzuchtlinien.

Nö, eben nicht ;) . Zumindest ist diese Definition sehr strittig. Die eigentliche Inzuchtdepression beschreibt ein recht unerforschtes Phänomen, dass nämlich ab einem gewissen Grad der Inzucht eine verminderte Fruchtbarkeit, kleinere Wurfgröße, kleinere Körpergröße der Nachkommen, erhöhte Sterblichkeit und insgesamt verminderte Fitness beobachtet werden. Warum das so ist, ist bislang meines Wissens nicht so eindeutig geklärt.
Das Zutagetreten rezessiv vererbter Defekte ist eine andere Sache, bei Inzuchtdepression ist das Erbgut an sich nicht geschädigt.

Soweit meine Kenntnis. Wie gesagt: Wahrscheinlioch hängt die Definition einfach vom jeweiligen Wissenschaftler ab :) .

Gruß
Mareike
 
  • steppinsky
bones schrieb:
Das widerspricht aber doch den Ergebnissen der Populationsgenetik, oder? Erbschäden werden ja weder durch Inzucht noch Inzestzucht hervorgerufen, sondern nur durch die dadurch hervorgerufene Homozygotie aufgedeckt. Dass sie nicht so schnell sichtbar werden bei Inzucht im Gegensatz zur Inzestzucht ist schon klar, aber das Problem ist doch nicht gebannt sondern nur zeitlich verschoben.
Man kann auf diese Weise resessive, unerwünschte Erbfaktoren aus einer Inzestlinie isolieren. Eine genaue Stammbaumanalyse in Bezug auf diese Faktoren ermöglicht die Weiterzucht mit nicht betroffenen Individuen. Das klappt sehr gut mit einfachen Erbgängen . Schwierig wird es wenn ein Merkmal von mehreren Genen beeinflusst wird.
step
 
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