Das wilde Dorfleben - von der Stadt aufs Land :-)

Meine Angst ist, dass ich mit Ann telefonieren kann, aber nicht mit der Ann, die ich eigentlich kenne. Chris und ich wissen, dass Gehirntumore die Persönlichkeit verändern. Das fiel uns schon bei einem Telefonat auf, bevor sie bestrahlt wurde.

Wie reagiere ich richtig, wenn sie auf mich "fremd" reagiert? Woran merke ich, ob ihr mein Anruf gut tut? Soll ich einfach los plaudern, von schönen gemeinsamen Erlebnissen oder soll ich Fragen stellen?

Immerhin habe ich mit Chris gerade eben einen guten Gesprächseinstieg gesucht und uns für "Hallo Ann, wir wollten uns mal wieder melden" entschieden.
 
Meine Angst ist, dass ich mit Ann telefonieren kann, aber nicht mit der Ann, die ich eigentlich kenne. Chris und ich wissen, dass Gehirntumore die Persönlichkeit verändern. Das fiel uns schon bei einem Telefonat auf, bevor sie bestrahlt wurde.

Wie reagiere ich richtig, wenn sie auf mich "fremd" reagiert? Woran merke ich, ob ihr mein Anruf gut tut? Soll ich einfach los plaudern, von schönen gemeinsamen Erlebnissen oder soll ich Fragen stellen?

Immerhin habe ich mit Chris gerade eben einen guten Gesprächseinstieg gesucht und uns für "Hallo Ann, wir wollten uns mal wieder melden" entschieden.
Liebe Britt,

ich glaube, dass du ein wahnsinnig gutes Bauchgefühl, eine gute Intuition hast. Verlass dich darauf.

War Ann nicht diejenige, die auch Christin (?) begleitet hat?

Du kennst sie und du kennst dich. Du wirst die richtigen Worte finden. Da bin ich mir sicher. Viel Kraft für das anstehende Telefonat, wünsche ich dir. Vertrau auf eure Freundschaft. Mehr gibt es nicht mehr. Aber es ist so viel mehr, als alles andere.

Wie du weißt, weiß ich leider, wovon ich spreche. Und deshalb weiß ich: ihr werdet intuitiv einen guten Weg finden.
 
Ja, Ann und ich haben Christine beim Sterben begleitet. Wir waren gemeinsam bei ihr, als sie starb und ich glaube, wir haben das ganz gut hinbekommen. Skurril wurde es immerhin erst, nachdem Christine friedlich gestorben war und Ann und ich ihre Hausbar plünderten, um die "Beute" bei minus 15 Grad vor der offenen Haustür auf dem Mäuerchen sitzend und in Decken gefüllt zu trinken. Ich hatte einen sauteuren Dessertwein, Ann einen ebenso teuren Grappa. Kurz darauf kam die Seelsorgerin, die sich zunächst nicht als solche zu erkennen gab, dann aber glücklicherweise übernahm und die Aussegnung vorschlug, die Christine sich gewünscht hatte.
 
… so gemein , dass sie jetzt den Weg auch zu gehen scheint.
Egal was ist und wie der Krebs da wütet, irgendwo ist der Mensch den ihr kennt. Du wirst Ann fühlen und es wird sich im Gespräch finden. ❤️
Es hat mich gefreut von eurem schönen WE zu lesen. Bei mir lief es es gerade anders herum, die Woche war ein Albtraum…
 
Oh man, tut mir Leid, dass es Ann so schlecht geht und auch die Prognose so schlecht aussieht.

Ihr werdet das schaffen mit dem Gespräch. Für Ann ist es toll, dass ihr anruft, egal, wie das Gespräch verläuft oder wie lange ihr dann telefoniert. Ihr denkt an sie und meldet euch. Das zählt.
 
Ich wünsche dir viel Kraft für das Telefonat und alles was noch kommt Britt...und ich stimme @La Traviata zu, du wirst wissen was du wann und wie sagen musst wenn es soweit ist. Es tut mir schrecklich leid das zu lesen, auch wenn ich Ann nicht kenne, trifft mich das immer sehr wenn Menschen diese shice Krankheit bekommen und ihnen alles genommen wird. Freunde und Familie sind so unendlich wichtig in diesen Situationen und ich glaube man kann fast nichts falsch machen wenn man für seine Freunde da ist.
 
Bis heute am späten Nachmittag hatten wir ein super schönes Wochenende. Gestern feierte mein Vater seinen 83. Geburtstag im kleinen Kreis mit meiner Mam, Chris, mir, meinem Exmann Christian und Maria. Wir hatten uns alle lange nicht gesehen. Es gab ein tolles italienisches Buffet. Als Nachtisch hatten Chris und ich eine handgemachte schwedische Prinzessinnentorte mitgebracht, die von einer schwedischen Hobbybäckerin aus Luxemburg gefertigt wurde. Sie hat sogar das Marzipan selbst hergestellt. Es war ein toller Abend: Witzig, lebhaft, unbeschwert.

Heute Nachmittag haben wir wie fast täglich sorgenvoll über unsere Freundin Ann gesprochen. Seit zwei Wochen war sie nicht mehr online und antwortet nicht auf unsere Nachrichten. Sie hat vor ein paar Monaten eine Gruppe gegründet, um alle gleichzeitig auf dem Laufenden zu halten, aber auch da fand sich nichts.

Wir hatten uns schon mehrfach überlegt, nachzufragen, aber es widerstrebte uns, aufdringlich zu sein. Zudem fiel es uns schwer, zu entscheiden, wie und bei wem.wir nachfragen? Wie wählen wir die richtigen Worte dafür?

Heute habe ich spontan eine Nachricht in die Gruppe geschrieben, dass wir keinen Kontakt zu Ann mehr haben und uns Sorgen machen. Die Antwort ihrer Schwester war niederschmetternd: Nach den Bestrahlungen kann Ann sich kaum noch selbständig bewegen und das wird nicht besser. Sie ist sehr müde und liest nicht mehr im Handy

Anns Freundin aus den USA schrieb dazu, dass sie gestern kurz mit Ann telefoniert hat. Sie sei sehr müde gewesen, aber rational und Anns Humor sei sogar einen Moment durchgeblitzt.

Ich fragte nach, ob es okay wäre, sie anzurufen und ihre Schwester meinte, dass wir es versuchen könnten. Sie meinte, die beste Zeit dafür wäre nachmittags

Chris und ich haben es ja geahnt, aber es haut uns trotzdem um. Sie hatte vor der Bestrahlung mehrere Metastasen im Gehirn und bekam 20 Bestrahlungen in vier Wochen. Danach sollte eigentlich eine "vorbeugende" Chemo stattfinden. Ich habe Anns Schwester gefragt, ob die Chemo noch gemacht wird, sie ist darauf aber nicht eingegangen..

Ich werde Ann morgen Nachmittag anrufen und habe keine Ahnung, was mich erwartet. Geplant war eigentlich, dass wir Ann Ende Juni besuchen.

Für mich klingt es so, als sei Anns Zeit nun sehr begrenzt. Ich hätte gerne mehr erfahren, aber ich spürte, dass Anns Schwester lieber nicht mehr sagen wollte und fragte nicht nach. Sie und ihr Bruder wohnen bei ihr und kümmern sich. Ich hoffe, sie haben gute Unterstützung und ein gutes medizinisches Team, was ihnen zur Seite steht.

MIr wird ein bisschen übel, wenn ich an den Anruf morgen denke :(
Fahrt hin. Sehr bald.
 
Fahrt hin. Sehr bald.

Ich glaube, dafür ist es schon zu spät. Ich habe sie heute angerufen. Das Gespräch dauerte zwei Minuten und war sehr schlimm. Ich glaube aber, dass sie mich erkannte. Sie konnte nur ein paar verworrene Sätze sagen. Der letzte war, dass sie gleich zurück ruft. Sie müsse vorher aber aufstehen und noch etwas machen. Dann brach die Verbindung ab. Ich bin morgen Nachmittag auf der Arbeit, aber Chris wird es dann noch mal versuchen. Vielleicht ist sie dann klarer.

Sie wird von ihrem Bruder und ihrer Schwester zuhause gepflegt. Wir kennen nur ihren Bruder und das auch nur von einem Abend. Für mich hört sich das so an, als wäre sie palliativ, aber ich fände es übergriffig, bei den Beiden nachzufragen, ob dem so ist und ob sie ein Palliativteam an der Seite haben.

Es gibt auch noch Suse, eine Freundin von Ann. Wir lernten sie kennen, als Ann, Chris und ich nach Christines Tod den Weihnachtsabend zusammen verbrachten und sie kurz vorbei kam. Sie lebt drei Häuser weiter und sie fand Chris, mich und unsere Hunde sofort shice. Aber so was von gg

Sie ist sehr engagiert im sozialen Bereich und fand es absolut nicht okay, dass wir vier Hunde durchfüttern, während Menschen Not leiden. Dass unsere Hunde TS-Tiere sind, riss es bei ihr nicht raus. Schon gar nicht, dass wir noch sechs behinderte Katzen durchfüttern. Chris und ich blieben höflich, weil wir Gäste bei Ann waren, Ann wies Suse deutlich in die Schranken und danach gab es keine gemeinsamen Zusammenkünfte mehr. gg

So schräg ich Suse finde, so froh bin ich, dass sie in der Nähe von Ann ist. Sie wird die Geschwister von Ann beraten können, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt und einen Blick "von außen" auf die Lage haben

Chris und ich werden nicht mehr hinfahren. Wir müssten an Suse vorbei ( was kein Problem wäre, wobei ich den diplomatischeren Chris vorschicken würde gg), aber unser Besuch wäre ein Risiko für Ann. Zumindest, wenn das, was ich über Hirntumore/ Hirnmetastasen gelesen habe. Unser Besuch könnte Freude auslösen, allerdings auch Panik oder Aggression. Letzteres wäre natürlich auch belastend für die Geschwister.
 
Ja, palliativ war auch mein Gedanke. Wobei das bei einem Hirntumor natürlich nochmal eine eigene Dimension hat. Palliativ geht oft dann recht schnell, für einen Außenstehenden manchmal erschreckend, für den Patienten und die Angehörigen erlösend. Immer wieder eine sch... Krankheit.
 
Die Farbe ist für mich "klassisch französisch". Sieht schön aus.

Wir hatten ja sowieso nur die Wahl der "Urdorf-Farbpalette" gg
Wobei selbst die sehr unterschiedlich sein kann. Je nach Vorliebe der Bewohner im Dorfkern geht die Farbe ganz leicht ins rosa, gelb oder orange oder bleibt ocker-sandfarben. Dadurch sieht nicht ein Haus wie das andere aus. Und natürlich ist auch die alte Mairie farblich entsprechend gestrichen. Besonders schön sehen die alten Häuser im Dorfkern aus, wenn die Abendsonne darauf scheint.

Für das neue Viertel, in dem wir wohnen, gilt, dass sich die Häuser baulich und farblich an das Dorf anpassen müssen, damit es zum Dorf passt und das Viertel kein Fremdkörper wird. Jedes Haus hier ist individuell, aber es gibt einen "Grundstil". Das macht das Viertel sehr harmonisch und es wirkt wirklich wie eine natürliche Verlängerung vom Dorf.

Bevor wir uns für diese Farben entschieden hatten, sind wir mit der Farbpalette durchs Viertel und durchs Dorf gestiefelt und konnten uns dann tatsächlich doch irgendwann einigen :D
Wobei wir nur die Hauptfarbe der Fassade und die der Fensterbänke finden mussten. Die hier typischen Rahmen um die Fenster sind traditionell etwa zwei Farbstufen heller als der Grundton.

Am 7. Juli leben wir schon drei Jahre hier. Bis vor drei Jahren war das ein "schwarzes" Datum für mich, weil 2012 an dem Tag meine Freundin tödlich verunglückt ist. Nun hat das Datum ein gutes Gegengewicht bekommen. Neben der tiefen Traurigkeit um ihren Tod ist da seit dem Umzug nun auch die Freude, an dem Tag nach Frankreich gezogen zu sein.
 
Boah, ist das schön so ohne Gerüst und mit einer sauberen Terrasse. Der Rasen erholt sich auch schon wieder.

Die Firma war top, auch wenn ihnen ein für sie peinlicher Fehler unterlaufen ist. Sie sollten auch die Gittertür vor der Küchenterrassentür streichen. Die war ursprünglich weiß mit einem dunklen Metall-Türgriff. Nach dem ersten Anstrich war alles weiß und das sah so shice aus. Die Firma schlug vor, den Türgriff schwarz zu streichen. Nun haben wir schwarz lackierte Türklinken an der Metalltür gg
 
Ann ist nun in ihre letzte Lebensphase eingetreten. Aufgrund der Metastasen in der Lunge bekommt sie nur schwer Luft und bekommt Sauerstoff. Sie wird noch zu Hause versorgt und es ist ein Palliativteam dabei, das täglich kommt. Es ist aber fraglich, ob das noch lange machbar ist oder ob nicht ein Hospiz besser wäre.
 
Das ist sicher keine leichte Entscheidung. Ein gutes Palliativ Team mit engagierten Arzt kann das durchaus auch leisten, ein Hospiz wäre für die Angehörigen eine Entlastung.
Egal wie, sie wird nicht mehr lange leiden müssen.
Immer wieder einfach nur furchtbar.
 
Ich glaube, dass die beiden Geschwister, die Ann pflegen, an ihre Überforderung geraten. Ein Hirntumor bzw Hirnmetastasen können die Person wesensmässig sehr verändern, der Wach-Schlafrhythmus kann gestört sein, es kommt trotz Antiepileptika zu schweren Anfällen und einiges mehr. Die Geschwister lassen nur wenig nach außen dringen. Ob Ann das so möchte oder ob es die Entscheidung der Geschwister ist, weiß ich nicht.

Ich habe keine Ahnung, wie der Alltag für Ann und ihre Geschwister aussieht, aber ich kann mir vorstellen, dass es für die Geschwister sehr schwer ist.
 
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