Verwirrung um Kampfhundesteuer in NRW

Wolfgang

KSG-Haarspalter™
Verwirrung um Quenda: Heute lieb, morgen Bestie?

Harbeck. Wann gilt ein Hund als Kampfhund? Zwar schlüsselt das Landeshundegesetz haarklein auf, welche Vierbeiner «gefährliche Hunde» sind, welche Regeln für sie gelten und wann Ausnahmen möglich sind.

Klarheit gibt es damit aber noch nicht, denn die Hundesteuersatzungen der Städte und Gemeinden folgen ihrer eigenen Logik. Das sorgt auch bei Hundebesitzern im Erkelenzer Land für Verwirrung.

Es gibt Tage, da versteht Willi Kohlen die Welt nicht mehr. Der 3. April war ein solcher Tag: Im Briefkasten der Familie Kohlen am Harbecker Plönesweg lag ein Brief der Stadt Wegberg. Der Inhalt: ein Hundesteuerbescheid, adressiert an Willi Kohlens Sohn Peter, dem die zwei Jahre alten Rottweiler-Hündin Quenda von der Moosheide gehört.

Dieser Bescheid hatte es in sich. Statt bisher 42 Euro muss Herrchen für Quenda nun 552 Euro im Jahr an die Stadt Wegberg zahlen. Ende März hatte die Stadt ihre Hundesteuersatzung geändert. Der Rottweiler gehört nach dieser Satzung zu den «gefährlichen Hunden», besser bekannt als Kampfhunde - und deren Besitzer sollen verstärkt zur Kasse gebeten werden.

Aber ist Quenda wirklich ein Kampfhund? Willi und Peter Kohlen bestreiten das.

«Sie gehorcht aufs Wort und hat noch nie jemanden etwas getan», berichten Vater und Sohn. Das wurde Quenda sogar offiziell bescheinigt. Im vergangenen Jahr legte sie sie eine Verhaltensprüfung ab, außerdem wurde ihr ein Chip eingepflanzt, der eine zweifelsfreie Identifizierung des Tieres erlaubt.

Für die Stadt Wegberg waren damit die Voraussetzungen erfüllt, um Anfang November 2002 für Quenda eine Ausnahmegenehmigung von der Anlein- und Maulkorbpflicht auszustellen, wie sie für Kampfhunde im nordrhein-westfälischen Landeshundegesetz festgeschrieben ist.

Trotzdem: Für die Hundesteuer gilt sie weiter als Kampfhund. «Wie geht das zusammen?», fragen Willi und Peter Kohlen. «Heute ist unser Hund lieb, morgen eine Bestie?»

Der Teufel steck auch in diesem Fall im Detail, denn das Landeshundegesetz hat nichts mit der Steuersatzung zu tun. «Die beiden Dinge gehören nicht zusammen», erklärt Ulrich Schwarz vom Fachbereich Bürgerservice und Sicherheit der Stadt Wegberg und räumt ein: «Für das Empfinden des Hundehalters mutet das schon konträr an.»

Eine weitere, speziell den Rottweiler betreffende Ungereimtheit kommt hinzu: Diese Rasse gilt laut Landeshundegesetz nicht als «gefährlicher Hund», sondern als Hund «bestimmter Rassen», die zwischen «gefährlichen Hunden» und «großen Hunden» eingeordnet sind. Die Wegberger Hundesteuersatzung zählt den Rottweiler dennoch zu den «gefährlichen Hunden».

Warum? «Wir haben unsere Satzung an einen Entwurf des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen angelehnt», erklärt Heinz Jansen, stellvertretender Fachbereichsleiter Finanzwirtschaft bei der Stadt Wegberg.

Der Städte- und Gemeindebund vertritt die Auffassung, dass die Hunde bestimmter Rassen den gefährlichen Hunden gleichgestellt werden müssen, weil diese «insbesondere wegen ihrer Beißkraft oder ihres genetisch bedingten Schutztriebs» als potenzielle Gefahr für Mensch und Tier eingestuft werden sollten, heißt es in einem Schreiben des Bundes vom Januar an die Städte und Gemeinden in NRW.

Diese Einstufung werde im Landeshundegesetz auch vorgenommen, schließlich gelten dort für die Hunde bestimmter Rassen die gleichen strengen Verhaltensanforderungen wie für gefährliche Hunde. Landeshundegesetz wie auch der Steuersatzung haben ein gemeinsames Ziel: das Halten von gefährlichen Vierbeinern so unattraktiv wie möglich zu machen.

Das wiederum stößt bei Willi Kohlen auf Unverständnis: «Hunde sind doch Lebewesen, die kann man nicht so einfach weggeben wie Autos.»

Für die Familie Kohlen steht fest: Quenda wird nicht abgeschafft - auch wenn die Hundesteuer noch so hoch ist. Allerdings hat Peter Kohlen Widerspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt und einen Rechtsanwalt des Allgemeinen Deutschen Rottweiler Clubs eingeschaltet.

Von Jens Buchkremer (15.04.2003 | 18:00 Uhr)

 
  • 23. Mai 2024
  • #Anzeige
Hi Wolfgang ... hast du hier schon mal geguckt?
  • Gefällt
Reaktionen: Gefällt 18 Personen
#VerdientProvisionen | Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.
Hallo,

wie ich erfahren habe, wurde in Oer-Erkenschwick ( Kreis Recklinghausen ) NRW, eine sogenannte " Kampfhundsteuer eingeführt.
Die Besitzer von Pitbull, Amstaff, Staffordshire-Bullterriern und Bullterriern, müßen nicht wie sonst 72 Euro, sondern ab sofort 576 Euro im Jahr, für Ihren Hund berappen.
Und in der ganzen Stadt gibt es sage und schreibe 40 Hunde diesen oben genannten Rassen..... auf das das Stadtsäcklein voll wird


:finger: :finger:
 
Wir haben die selbe Situation, nach dem Wesentest kommt
zwar die Leinenbefreiung und für Listi 1 die Maulkorbbefreiung
aber die Kampfhundesteuer wird trotzdem voll mit 480,- Euro
erhoben.
 
Bei uns kosten diese "gefährlichen Bestien" (wie sie unser dämlicher Bürgermeister zu nennen pflegt) 600 €, mit oder ohne Wesenstest :sauer: .
 
kann mir einer sagen wie es in köln aussieht mit der kampfhundsteuer????

Ich hab sehr lange gesucht aber leider nichts über Kampfhundsteuer gefunden...
 
Was bin ich froh, dass die bei uns im Provinznest der Meinung sind, die Verordnung sei schwachsinnig und ne Kampfisteuer brauche kein Mensch! Hier sind alle Hundis gleich teuer!
 
Wenn dir die Beiträge zum Thema „Verwirrung um Kampfhundesteuer in NRW“ in der Kategorie „Presse / Medien“ gefallen haben, du noch Fragen hast oder Ergänzungen machen möchtest, mach doch einfach bei uns mit und melde dich kostenlos und unverbindlich an: Registrierte Mitglieder genießen u. a. die folgenden Vorteile:
  • kostenlose Mitgliedschaft in einer seit 1999 bestehenden Community
  • schnelle Hilfe bei Problemen und direkter Austausch mit tausenden Mitgliedern
  • neue Fragen stellen oder Diskussionen starten
  • Alben erstellen, Bilder und Videos hochladen und teilen
  • Anzeige von Profilen, Benutzerbildern, Signaturen und Dateianhängen (z.B. Bilder, PDFs, usw.)
  • Nutzung der foreneigenen „Schnackbox“ (Chat)
  • deutlich weniger Werbung
  • und vieles mehr ...

Diese Themen könnten dich auch interessieren:

Podifan
Du musst registriert sein, um diesen Inhalt sehen zu können.
Antworten
0
Aufrufe
494
Podifan
Podifan
T
Erster link funzt nicht mehr, ist verschoben nach: Du musst registriert sein, um diesen Inhalt sehen zu können.
Antworten
2
Aufrufe
603
Pommel
Pommel
LadyArwenSunny
:lol: Ja das meinte ich Ninchen.... der Boerboel wird übrigens auch nach seinem Phänotyp beurteilt da er keine FCI-Papiere hat und somit wohl auch je nach AmtsTA in den § 10 gepackt...hat ja nichts mit interner, geheimer Anweisung zu tun sondern mit der Bezirksregierung (bei uns Ddorf) die...
Antworten
8
Aufrufe
733
Gina2006
Gina2006
C
@Stacy: Ja, da stimme ich Dir zu, wobei ich auch denke, dass ein gutes Bauchgefühl bei einer Trainingsmethode damit zusammenhängt, dass man weiss, dass es für den Hund die richtige ist. :)
Antworten
14
Aufrufe
729
Kampfschlumpf
Kampfschlumpf
W
Nun, mal wieder eine Maßnahme, die den Durchblick erschweren soll. Für mich ist es egal, "0" bleibt "0" - nämlich Biohaltung. Dabei kaufe ich meine Ware direkt im Bioladen, wo ich die Eier lose erhalte, jedoch weiß, woher sie stammen. Die in Frage kommende "Bodenhaltung" bedeutet, dass die...
Antworten
1
Aufrufe
931
Andreas
Zurück
Oben Unten