Hessen/Rechtenbach: Molosserclub + SV-OG retteten Amstaff-Hündin

Moe

20 Jahre Mitglied
Molosserclub und SV-OG retteten AmStaff-Hündin

Rechtenbach/Hessen, 12.1.02

Angel ist eine American Staffordshire Terrier Hündin und führte viele Jahre ein wahres
Hundeleben. Sie lebt mit ihrer Menschenfamilie am Ortsrand von Rechtenbach, einer
kleinen Gemeinde in der Nähe der hessischen Stadt Wetzlar. Feld und Wald vor der
Haustüre – da läßt es sich gut austoben. Entsprechend aus geglichen war die Hündin
und freundlich zu allen Menschen. Das war auch wichtig für den Kundenverkehr, denn
die Familie Faughn hat einen Reifenbetrieb. Das freie Hundeleben änderte sich
schlagartig mit Inkrafttreten der Hunde-VO im August 2000. Per Federstrich und über
nacht waren Angel und ihre Artgenossen von 15 weiteren Rassen zu „Kampfhunden“
erklärt worden, Renate Faughn als offizielle Besitzerin und ihre Schwiegertochter Bettina
Faughn als Halterin sahen sich mit den sattsam bekannten Aufla gen konfrontiert und
fürchteten – wie so viele anderen – um das Leben des Hundes.

Wie ernst das noch werden sollte, wußten sie damals noch nicht. Faughns meldeten ihre
Hündin pflichtgemäß bei der zuständigen Ordnungsbehörde und ließen sie gemäß dem
Buchstaben der Verordnung sterilisieren. Als der VGH diese Vorschrift am 19.September
2000 per Eilverordnung außer Vollzug setzte, war schon alles gelaufen. Nun sollte es zum
Wesenstest gehen und damit begann der Leidensweg. Der zuerst angesprochene
Sachverständige bestellte die Damen Faughn und Angel zu sich nach Hause ein, was
schon recht ungewöhnlich ist. Es kam wie es kommen mußte. Einer der eigenen Hunde
des Wesensprüfers entdeckte die Rivalin auf „seinem“ Grundstück. Die Folge: Rottweiler
und Amstaff lieferten sich eine Beisserei.

Was danach kam, muß als schlichtweg ungeheuerlich betrachtet werden. Besagter Prüfer
wertete den Vorfall als abgebrochenen Wesenstest und stellte ein entsprechendes
„Gutachten“ aus. Die geschockte Besitzerin, die wegen des Vorfalls noch über einige
Stufen gefallen war und dabei ihre Brille zerbrach, unterschrieb sogar die nachträglich
ausgestellte Vollmacht für den nicht stattgefundenen Test und kam auch noch der
Forderung nach, dieses Pseudogutachten an Ort und Stelle zu bezahlen.

Da stand sie nun, die Familie Faughn. Mit einem geharnischten Negativgutachten in
Hand. Eine ausweglos scheinende Situation. Es wurde ein Anwalt eingeschaltet, der sich
aber nicht wirklich für diesen Vorgang interessierte. Gleichzeitig begann die Gemeinde
Druck zu machen. Man wolle jetzt umgehend die fehlenden Unterlagen haben, vor allem
eben einen positiven Wesenstest. Bei einer persönlichen Gespräch zwischen der
Hundehalterin und dem zuständigen Sachbearbeiter wurde gar mit der Einziehung der
Hündin gedroht. Die hatte inzwischen auch gemerkt, daß da irgend etwas nicht stimmte.
Frauchen traktierte sie mit einem nie gesehenen Apparat, den die Menschen Maulkorb
nannten und mit der Toberei draußen war es auch vorbei. Leinenzwang war angesagt.
Inzwischen telefonierte Bettina Faughn quer durchs Land, um einen Termin für einen
normalen Wesenstest zu bekommen. Abgesehen davon, daß die VDH-Sachverständigen
mit derartigen Anfragen natürlich überhäuft wurden und nur noch langfristig Termine
vergaben, hatte die Halterin schon wieder Pech. Sie geriet ausgerechnet an eine
Tierärztin, die erst kurz davor aus politischen Gründen in die Liste der Sachverständigen
aufgenommen worden war. Diese interessierte sich bei ersten Telefonat überhaupt nicht
für den Hund und die Problemlage seiner Besitzer, sondern beeilte sich zu verkünden, daß
sie die Honorarvorgaben des VDH überhaupt nichts angingen, forderte eine Gebühr, die
mehr als doppelt so hoch war als der in Hessen geltende Satz und fügte auch gleich noch
an, daß sogar das Überprüfen der Unterlagen bei einem persönlichen Besuch Geld kosten
würde.

Die Nerv en im Hause Faughn lagen blank. Kein Wunder: Im Hintergrund drohte die
Gemeinde, ein Wesenstest war nicht in Sicht und wie die inzwischen recht verunsicherte
Hündin darauf reagieren würde, wußte auch keiner. Inzwischen war der August 2001 ins
Land gezogen. Ein wütender Ordnungsamtsmensch hatte einen finalen Termin zum
Monatsende gesetzt - wollte danach Angel abholen lassen. In jenen Tagen stolperte
Bettina Faughn über eine Kleinanzeige des Tierschutzvereins Gießen. Da war eine
Rufnummer angegeben, die Beratung in Problemfällen verhieß. Am anderen Ende war
Gudrun Beckmann (kynologisch interessierten Literaten als Autorin des „Hunde-Knigge“
bekannt). Sie hörte sich die Story an und wußte Rat. „Wenn Ihnen überhaupt noch
jemand helfen“, so bekam Bettina zu hören „dann ist das der Club für Molosser. Rufen Sie
den Dalla-Bona an.“

So kam ich ins Spiel. Als mir Frau Faughn am Telefon ihre Leidensgeschichte erzählte,
wuchs in mir zunächst ein gesundes Mißtrauen. Auf jeden Fall wollte ich mir Angel
zuallererst mal ansehen. Zusammen mit meiner Frau Ulli fuhr ich also nach Rechtenbach
und wurde angenehm überrascht. Angel stellte sich als eindrucksvolle und typvolle
Vertreterin ihrer Rasse dar, hatte sogar VDH-Papiere und begrüßte meine Frau und mich
mit geradezu zärtlicher Freundlichkeit. Fortan war klar, daß wir alle Hebel in Bewegung
setzen würden, um dieses liebe Tier zu retten. Da mußte nun mehreres passieren und das
schnell. Das eine war die Intervention bei der Gemeinde und das Beschaffen eines
seriösen Sachverständigen für den Test. Zum anderen war Angel natürlich nie
ausgebildet worden und kannte kein Spazierengehen in der Stadt – mithin auch nicht den
Kontakt zu anderen Hunden.

Während ich mir die Gemeinde vorknöpfte, eine Terminerstreckung durchsetzte und erste
Absprachen mit dem Diensthundeführer und VDH-Sachverständigen Herbert Fischer traf,
kümmerte sich meine Frau um die Ausbildung. Ulli erreichte, daß Bettina Faughn auf dem
Platz der SV-Ortsgruppe Gießen üben konnte und darüber hinaus noch den Sohn der
OG-Vorsitzenden Michael Prüsse und seine Freundin Antje Wölfinger, die
Gebrauchshunde auf einem DHV-Platz trainiert, als Spezialausbilder bekam, die sich nur
um sie kümmerten. Mitte September begann dieses Intensivtraining, das alle Bereiche der
Begleithundeprüfung abdeckte. Angel entwickelte sich prächtig und Bettina Faughn
wurde als Hundeführerin immer sicherer. Man kann es kurz machen: Am 1.Dezember
führte Herbert Fischer den Wesenstest im Umfeld des Marburger Bahnhofs durch. Angel
bestand ihn Bravour.

Warum habe ich Ihnen das nun erzählt? Hier ist genau die tätige Solidarität erfolgreich
gewesen, die wir immer wieder einmahnen. Es geht ja! Im vorliegenden Fall haben nach
einer Initiative des Tierschutzvereines der Club für Molosser , eine Ortsgruppe des häufig
als elitär geschmähten Vereins für Deutschen Schäferhunde und eine DHV-Trainerin
gemeinsam einem American Staffordshire Terrier das Leben gerettet und so ganz
nebenbei dafür gesorgt, daß Angels Halterin jetzt über nachweisbare Sachkunde verfügt
und ihre Hündin voll im Griff hat.

Gerhard Dalla-Bona
(veröffentlicht im UR 01/2002)


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