Die Kampfhund-Tragödie von Hamburg und ihre Folgen/ Innenministerkonferenz

merlin

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Die Kampfhund-Tragödie von Hamburg und ihre Folgen/ Innenministerkonferenz

Berlin (ddp). Innerhalb von Minuten zerfleischten zwei Kampfhunde den sechsjährigen Volkan. Jede Hilfe kam zu spät. Der Tod des Hamburger Jungen versetzte Politik und Gesellschaft Ende Juni in Wut
und Schrecken. Viele andere Kampfhund-Attacken waren schon vermeldet worden, doch dieses Mal sprachen die Bilder mehr als tausend Worte:
Das kleine Kind leblos und blutüberströmt auf einer Grünflache vor seiner Schule, unmittelbar daneben eine der «beißwütigen Bestien», erschossen von der Polizei.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Fast im Minutentakt forderten Politiker aller Parteien und Ressorts eine härtere Gangart gegen die «Killermaschinen». Nur drei Tage später traten in den ersten Bundesländern verschärfte Hundeverordnungen in Kraft. Maulkorbzwang,
Leinenpflicht, Wesenstests für die Hunde und Sachkundetests für die Halter, Zuchtverbote, Einschläferungen: Die Liste der Maßnahmen war
lang und die Botschaft klar: Jetzt wird hart durchgegriffen! Bei der am Donnerstag beginnenden zweitägigen Innenministerkonferenz in Bonn geht es wieder um Kampfhunde. Gefunden werden soll ein für alle Länder verbindlicher Mindeststandard für die Kampfhundvorschriften.

«Völlig überstürzt, ohne jede fachliche Absicherung» nennt der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) die ersten Regelungen. Die
Menschen seien heute «kein bisschen sicherer» vor Kampfhunden, glaubt VDH-Geschäftsführer Bernhard Meyer. Zumeist praxisferne Vorschriften hätten zu einem «absoluten Chaos im Vollzug» geführt. Statt die «wenigen schwarzen Schafe» bei der ersten Auffälligkeit mit der vollen Härte zu verfolgen, habe man nun Millionen unbescholtener Hundebesitzer in unzumutbare Formalien gedrängt.

«Insgesamt zufrieden» ist dagegen der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) mit der Entwicklung. Dem Schutzbedürfnis der Kinder werde endlich besser Rechnung getragen, sagt DKSB-Geschäftsführer Walter
Wilken. Moniert wird allerdings die bisherige Unterschiedlichkeit der Gesetze, Verordnungen und Erlasse in Ländern und Städten: «Die Sachlage schreit förmlich nach einer bundeseinheitlichen Regelung».
Zudem nütze die beste Verordnung nichts, wenn sie nicht konsequent umgesetzt und kontrolliert werde.

Der Sprecher des Vereins für Deutsche Schäferhunde, Rainer Voltz, findet es grundlegend falsch, bestimmte Hunde einzig aufgrund ihrer
Größe oder der Zugehörigkeit zu einer Rasse zu diskriminieren. Er fordert: «Jeder Einzelfall muss unterschieden werden.» In der Tat büßt heute ein Heer friedliebender Vierbeiner für die Taten ihrer
blutrünstigen Artgenossen. Kinderschützer Wilken ficht das nicht an:
Wolle man einen umfassenden Schutz von Kindern sicherstellen, so seien «feinsinnige Differenzierungen nicht möglich».

Gerade dieser Mangel an Differenzierung aber ist zugleich Ursache und Ausdruck einer «neuen Hundefeindlichkeit», die der Hundewesen-Beauftragte Meyer beobachtet. Ein Argument, das sich eigentlich gegen die Vorverurteilung ganzer Rassen richtete - Jeder Hund kann gefährlich sein, wenn er darauf abgerichtet wird - wurde offenbar zum Bumerang. Denn viele verinnerlichten: Jeder Hund kann gefährlich sein! Öfter denn je würden Herrchen oder Frauchen seitdem grundlos beschimpft, Hunde mit Steinen beworfen, vergiftet, sogar mit Benzin übergossen und angezündet, weiß Meyer zu berichten.

An Franz Kussel, Geschäftsführer des Deutschen Dackelklubs, sind die Unruhen der letzten Monate jedoch beinahe spurlos vorbeigegangen:
«Einen Dackel können Sie nicht zur Kampfmaschine erziehen - und das wissen die Leute.» Höchst selten beiße ein Dackel einmal einen
Briefträger ins Bein, aber mit dieser Berufsgruppe hätten wohl alle Vierbeiner so ihr Problem.
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  • 15. April 2024
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Innenministerkonferenz
Minister specken Hundelisten ab

Von THOMAS BREUSTEDT

exp Düsseldorf – Hundebesitzer in NRW können wieder hoffen: Die umstrittenen Rasselisten für gefährliche Hunde kommen auf den Prüfstand. Das erfuhr EXPRESS aus Kreisen der Innenministerkonferenz, die zur Zeit in Bonn tagt. Die unterschiedlichen Hundeverordnungen in den Bundesländern sollten in „zentralen Punkten“ angeglichen werden, forderten die Minister.

Dazu zählen auch die Listen gefährlicher Hunderassen. Die Innenminister sprachen sich ausdrücklich für „bundesweit einheitliche Rasselisten“ aus. Erwartet wird, dass damit die Listen in NRW kräftig zusammengestrichen werden. Denn NRW-Umweltministerin Höhn hatte 41 Hunderassen als gefährlich eingestuft. Andere Länder kommen mit 11 bis 13 Rassen aus.

In den Bundesländern müssten grundsätzlich einheitliche Schutzmaßnahmen gelten, betonen die Innenminister. Um insbe- sondere bei Reisen oder Umzügen von einem Bundesland ins andere Probleme zu vermeiden.

Dabei gehe es im Wesentlichen um einheitliche Zuchtverbote, allgemeine Anleinpflicht in Fußgängerzonen, Bussen und Bahnen, sowie zusätzlich Maulkorbpflicht für gefährliche Hunde auch in Treppenhäusern und Gemeinschaftsräumen von Mehrfamilienhäusern. Auch nötig: die gegenseitige Anerkennung von Haltungs-Genehmigungen.
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[Dieser Beitrag wurde von merlin am 24. November 2000 editiert.]
 
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