Ein Leben voller Sonnenschein - dank Hund

Wolfgang

KSG-Haarspalter™
"Dank Julie scheint mir wieder die Sonne"

Jörg Wende aus Troisdorf leidet an Muskelschwund - Seine Hündin hilft ihm im Alltag

Von Nadine Otto

Troisdorf. "Wenn du sie ganz dringend brauchst, dann fragt sie nicht, dann ist sie einfach da", heißt es in einem Lied der Gruppe Pur. Worte, die Pur-Fan Jörg Wende sehr berühren. Umschreiben sie doch das, was er für seine neue Freundin empfindet. Die hat weiches, helles Fell, warme braune Augen und liest dem 29-Jährigen gleichsam jeden Wunsch von den Lippen ab.

Ob Schränke öffnen oder Hilfe beim Ankleiden - Julie steht ihrem Herrchen Jörg Wende von morgens bis abends zur Seite. Foto: Vogel

Julie ist ausgebildeter Behindertenbegleithund. Seit zwei Wochen hilft der Retriever-Labrador-Mischling Wende bei der Bewältigung seines Alltags. Der Troisdorfer leidet an Muskelschwund und ist auf Julies Hilfe angewiesen.

"Mit Julie scheint für mich endlich wieder die Sonne", sagt Jörg Wende. Die 18 Monate alte Hündin weicht nicht von seiner Seite, wird aktiv, sobald sie gebraucht wird. Sie hebt Gegenstände auf, die Jörgs Fingern entgleiten, bringt ihm Dinge, die er nicht erreichen kann. Sie öffnet Türen, schaltet das Licht an und aus, hilft beim An- und Auskleiden und räumt sogar die Waschmaschine aus.

Aber ihre vielleicht wichtigste Aufgabe ist die der Freundin. "Jörg war viel allein, hat sein Zimmer kaum verlassen und war oft depressiv", sagt Mutter Roswitha. Seit er Julie als ständige Begleiterin hat, sei er regelrecht aufgeblüht und blicke wieder optimistisch auf sein Leben.

Jörg Wende war gerade 13 Jahre alt, als die ersten Anzeichen seiner Krankheit sich bemerkbar machten. Inzwischen haben Hände und Füße sich infolge der vom zentralen Nervensystem ausgehenden Krankheit zusammengezogen. Jörg fällt es immer schwerer, alltägliche Handgriffe zu tun.

Bisher half Mutter Roswitha, wenn es nicht mehr weiter ging. "Ich wollte sie entlasten und forschte daher im Internet nach alternativen Hilfsmöglichkeiten", sagt Jörg Wende. Bei seinen Recherchen stieß er auf die Kynos-Stiftung in Rostock-Markgrafenheide, die Behindertenbegleithunde ausbildet.

Die Waschmaschine vermag die Begleithündin aus eigener Kraft zu leeren. Foto: Vogel
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Sechs Monate hat Tiertrainerin Aniko Ebersberger von der Kynos-Stiftung mit Julie trainiert.

Zunächst standen Gehorsamsübungen auf dem Stundenplan, später Apportierkommandos. Mit Plüschtier, Creme-Dose, Schlüsselbund, Fernbedienung, Handy und weiteren Gegenständen aus dem Alltag übten Ebersberger und Julie jeden Tag die Kommandos. 16 an der Zahl hat die Hündin jetzt verinnerlicht. "Wir arbeiten mit positiver Bestärkung", sagt Ebersberger. Das heißt, Julie wird für jedes Erfolgserlebnis mit Futter belohnt.

Eine Woche lang war Jörg Wende in Rostock-Markengrafheide und hat mit Aniko Ebersberger und Julie trainiert. Anschließend hat Ebersberger die Hündin nach Troisdorf gebracht, um sie an ihr neues Umfeld zu gewöhnen. "Auch die Besitzer brauchen eine Schulung im Umgang mit ihrem neuen Tier", sagt Ebersberger. Ein halbes Jahr dauere es, bis Jörg und Julie ein eingespieltes Team sind.

Julies Ausbildung hat 15 000 Euro gekostet. Die Krankenkassen zahlen das nicht, und die Kynos-Stiftung fordert von ihren Kunden normalerweise 2 555 Euro. Das Geld hätte Jörg Wende nicht aufbringen können. "Da Jörg den Hund aber so dringend braucht, hat die Kynos-Stiftung die Kosten komplett übernommen", sagt Ebersberger. Einmal im Jahr könne die Stiftung dank Sponsoren und Spendern sich das leisten.

"Mein Alltag hat sich dank Julie ins Positive gewandelt", sagt Jörg Wende. Drei Mal am Tag gehe er mit seiner Hündin spazieren. Wenn er seiner Julie dann die Kenndecke anlegt, ist die Hundedame im Dienst. Dann darf sie sich weder von anderen Hunden noch von spielenden Kindern ablenken lassen, sie darf nichts trinken und nichts fressen. Sie weicht ihrem Herrchen nicht von der Seite und ist einzig bemüht, ihm bei jeder Gelegenheit zu helfen.

Doch hin und wieder hält Jörg Wende inne, setzt sich in ein Café. Ein Eis isst er allerdings erst, wenn er Julies Napf gefüllt hat. Julies Dienstzeit endet, wenn die beiden wieder zu Hause sind. Dann ist erst einmal kuscheln und streicheln angesagt. "Ich will versuchen, Julie zurückgeben, was sie mir geschenkt hat: Ein Leben voller Sonnenschein."

Quelle:
 
  • 19. April 2024
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Hi Wolfgang ... hast du hier schon mal geguckt?
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Es ist ein Unding, dass soetwas noch immer nicht von den Krankenkassen bezahlt wird. Mittlerweile ist doch klar erwiesen, welch große Verbesserung des Gesundheitszustandes durch Tiere erreicht werden kann, oder nicht?
Gruß
bones
 
Bei dieser schönen Geschichte fällt mir das zitat von, glaub Christían Morgenstern ein: "Ein ganzes Weltalter woll Liebe wird nötig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns Menschen zu vergelten."

Traurig an dieser Geschichte ist natürlich, daß in unserer Wohlstandsgesellschaft Leute, die sehr schwer erkranken vom Staat eigentlich finanziell im Stich gelassen werden. Bösartig wäre es wohl zu sagen, daß diese kranken Leuten eh nicht zu Wahl gehen könnten...
 
Original erstellt von Mich:
Traurig an dieser Geschichte ist natürlich, daß in unserer Wohlstandsgesellschaft Leute, die sehr schwer erkranken vom Staat eigentlich finanziell im Stich gelassen werden.
Würden nur alle Bundestagsfuzzis statt "First Class" in der "Economy-Class" fliegen könnten viele viele Behindertenbegleit- und Blindenhunde von den Ersparnissen trainiert werden. Aber eher lernt die Kuh das Fliegen .....
frown.gif
 
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