Unruhiger Hund - Überfordert! Ich oder er?

Bully-Mama226

Hallo Zusammen!

Ich versuche mal meine derzeitige Situation kurz zu schildern.

Wir haben seit 2016 eine französische Bulldogge. An für sich sehr lieb und gehorsam. Ist allerdings (rassetypisch) stur und sehr dominant.
Er ist sehr sehr anhänglich was mich betrifft. Bzw. ich weis, dass man Kontrolle nicht mit Liebe verwechseln sollte. Bei meinem Mann bleibt er ruhig liegen, wenn er den Raum verlässt oder gar das Haus. Bei mir dagegen wird er zum reinsten Nervenbündel. Mal abgesehen davon, dass das auch ein rießen Problem ist.... kommt im Moment noch wirklich merkwürdiges Verhalten dazu:
in letzter Zeit Vorallem abends hat er sich nicht mehr richtig unter Kontrolle. Er ist generell (auch tagsüber) sehr verpienst und abends aufgedreht ohne Ende. Es scheint als ob er nicht so richtig wüsste wo hin mit sich. Er bringt einem dann das Spielzeug, hat aber manchmal gar nicht so richtig Lust zu spielen, fordert aber sofort wieder auf, wenn man sich ihm abwendet. Ihm ist viel zu warm zum spielen. So macht es zumindest den Eindruck. Er legt sich auf die Fliesen streckt alle 4 von sich und hechelt was das Zeug hält. Dabei läuft die Klimaanlage und die Raumtemperatur liegt bei 23 Grad. Aber der Gipfel kommt dann, wenn mein Mann sich schlafen legt (meistens noch vor mir). Dann springt er zu mir auf die Couch, pienst, bringt mir das Spielzeug, schleckt an mir rum, schmeißt sich auf den Rücken, legt dabei die Ohren an und unterwirft sich augenscheinlich und kann gar nicht aufhören zu hecheln. Er fordert richtig Aufmerksamkeit. Er scheint total überfordert ! Und so langsam bin ich überfordert. Egal ob ich ihm dann kurz die Aufmerksamkeit gebe oder ihn auf seinem Platz schicke... er bleibt unruhig. Er sitzt dann total angespannt auf seinem Platz und reagiert auf JEDE Bewegung von mir. Selbst wenn es aussieht als würde er schlafen, springt er wie von der Tarantel gestochen auf, wenn ich mich auf die andere Seite drehe. Es ist ganz egal, ob ich vorher lange mit im laufen gehe oder eine Runde mit ihm gespielt hab oder ihn ganz in Ruhe gelassen hab. Die Situation ist immer die selbe. Genauso schläft er nachts nicht mehr so lange und schmeißt mich morgens aus dem Bett.

Was ich dazu erwähnen möchte:
Momentan bin ich schwanger, in Mutterschutz. Was heißt, dass er so gut wie NIE alleine gelassen wird. Vorher hatte er unter der Woche 2 mal das Vergnügen für 6 Stunden alleine zu sein. Könnte das eine Rolle spielen? Könnte die Schwangerschaft eine Rolle spielen? Oder seine Futterumstellung, die er momentan durchmacht?

Ich hoffe sehr, auf hilfreiche Tipps eurerseits und bedanke mich schonmal im Voraus!

Liebe Grüße Nicole
 
  • 23. April 2024
  • #Anzeige
Hi Bully-Mama226 ... hast du hier schon mal geguckt?
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Ja, die Schwangerschaft könnte eine Rolle spielen. Ja, die Futterumstellung könnte eine Rolle spielen. Auf die eine oder andere Art wird das Problem bei dir und deinem Umgang mit dem Hund liegen, wenn er sich bei deinem Mann so anders verhält. Wir können hier ehrlich gesagt nur orakeln, weil wir die Situation nicht live sehen. Klingt auf jeden Fall so, als hätte dein Hund großen Stress. Ich würde empfehlen, das einen Trainer mal live anschauen zu lassen, um zu ermitteln, wo das eigentliche Problem liegt.

Dein Hund (und Bulldoggen im Allgemeinen) ist ganz sicher nicht dominant. Dominanz ist kein Charakterzug, sondern nur eine Beschreibung des sozialen Status eines Lebewesen gegenüber einem anderen in einer bestimmten Situation.
 
  • 23. April 2024
  • #Anzeige
Mein Benny ist auch so ein echter Chaoshund... 



Habt ihr es schon mit einer Hundeschule probiert? In zwei Hundeschulen haben wir seine Macken nicht in den Griff bekommen. Wir haben es dann letztlich mit einem Online Hundetraining von einer Hundetrainerin geschafft. Deutlich günstiger als die Hundeschule vor Ort ist es auch noch gewesen!

Hier der Link zu ihrer Seite! 
Möchte ich jedem Hundehalter ans Herz legen, der sich offen eingestehen kann, dass er seinen liebsten Vierbeiner eben doch nicht immer wie gewünscht im Griff hat.

Melde dich doch mal zurück, ob sie dir auch helfen konnte! 

LG Meike mit Benny
  • Freundlich
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in letzter Zeit Vorallem abends hat er sich nicht mehr richtig unter Kontrolle.

Vielleicht liegt's auch einfach am Wetter? Oder mit am Wetter?

Ich weiß zwar nicht, was verpienst heißt, aber vielleicht kann er bei der Hitze insgesamt nicht so, wie er gern möchte - und abends, wenn es kühler wird, ist er dann so aufgedreht, dass er nicht mehr weiß, wohin mit sich?
 
Mit verpienst meine ich, dass er ständig quietscht und ein wenig winselt und sich dann wieder ein leichtes bellen dazumischt...

Und wenn ich das ignoriere wird er lauter und bellt mich richtig an bis ich reagiere. Wenn ich mich wegdrehe dann springt er auf mich .... ich weiß nicht was er mir damit sagen will...
 
Ja, die Schwangerschaft könnte eine Rolle spielen. Ja, die Futterumstellung könnte eine Rolle spielen. Auf die eine oder andere Art wird das Problem bei dir und deinem Umgang mit dem Hund liegen, wenn er sich bei deinem Mann so anders verhält. Wir können hier ehrlich gesagt nur orakeln, weil wir die Situation nicht live sehen. Klingt auf jeden Fall so, als hätte dein Hund großen Stress. Ich würde empfehlen, das einen Trainer mal live anschauen zu lassen, um zu ermitteln, wo das eigentliche Problem liegt.

Dein Hund (und Bulldoggen im Allgemeinen) ist ganz sicher nicht dominant. Dominanz ist kein Charakterzug, sondern nur eine Beschreibung des sozialen Status eines Lebewesen gegenüber einem anderen in einer bestimmten Situation.


Das rassetypische war auf die Sturheit bezogen.. habe das nicht deutlich genug geschrieben.. stimmt.
 
Das macht im Prinzip keinen Unterschied, auch speziell auf deinen Hund bezogen, stimmt die Aussage nicht. Hunde sind nicht (charakterlich) dominant. Falls dein Hund sich dir gegenüber tatsächlich in der sozial überlegenen Position sieht, weißt du zumindest, wo das Problem liegt ;) Dann würde es mich nämlich nicht wundern, wenn der Hund überfordert ist. Aber ganz ehrlich, Dominanz ist in den seltensten Fällen das Problem. Eher eine unklare Kommunikation. Wahrscheinlich verstärkt du sein Verhalten unbewusst. Deswegen wäre es sinnvoll, wenn ein Trainer drauf schaut.

Normalerweise würde ich auch sagen, dass du mal abklären solltest, ob gesundheitlich alles okay ist, wenn sich sein Verhalten so geändert hat. Gerade bei einer Bulldogge und bei solchem Wetter wäre das ja nicht unwahrscheinlich. Aber da du schreibst, dass er bei deinem Mann ganz anders ist, vermute ich eher, dass das Problem mit dir zu tun hat. Dabei kann definitiv die Schwangerschaft mit rein spielen. Du riecht anders, du verhältst dich sicher auch anders und der Hund kann damit leicht überfordert sein.
 
Hmmh, schwer zu sagen.

Ich hab mal gelesen, die Schwangerschaft verändert den Körpergeruch der Schwangeren. Vielleicht hat er Angst, dass du nicht mehr du bist und muss sich ständig vergewissern?

Edit: Hat sich mit @Vrania überschnitten.
 
Wenn sich die Situation mit der Schwangerschaft verändert hat, kann das was mit anderem Körpergeruch, Hormonen oder oder oder zu tun haben, wie dein Hund reagiert ... MUSS aber auch andererseits überhaupt nicht der Fall sein.
Die Ursache könnte viel banaler sein. Wenn du jetzt ständig zuhause bist, hat der Hund dauerhaft Zugriff auf dich. Eine neue Situation.
Der Hund sieht dich mehr und versucht vielleicht, dich entsprechend öfter im Spiel einzubeziehen.
Das Problem könnte möglicherweise einfach in deinen Reaktionen/ deinem Verhalten liegen, nicht beim Hund.

Der wirkt gestresst, aber das könnte auch Stress in folgender Richtung sein: Er versucht, dich zur Interaktion zu animieren, schafft es auch deine Aufmerksamkeit zu erhalten, aber nicht auf die Weise, wie von ihm erhofft. Also probiert er weiter. Daraus ist binnen kürzester Zeit ein Teufelskreis und für ihn Stress entstanden. Er hat die Chance und das Gefühl, sie nutzen zu müssen um nichts zu verpassen, ist aber wieder und wieder letztlich nicht wirklich erfolgreich in seinen Bemühungen. Das frustriert.

Situation von der Seite des Hundes möglicherweise: Er will was, du reagierst (also ignorierst ihn nicht). Er hat ja offensichtlich eigentlich gar nich so richtig Bock zum Spielen oder weiss gar nicht so richtig, worauf er wirklich Lust hat. Aber da du ja nun schonmal da bist, meint er, dass er seine Chance eben nutzen muss. ACTIIOOONN! Manche Hunde neigen zu solcher Rastlosigkeit, wenn sich immer wieder Reize bieten. Der Reiz bist in dem Fall du. Manche Hunde haben unter solchen Gegebenheiten extreme Probleme, einfach von selbst runterzukommen, sich aus der häuslichen Situation auszuklinken und beispielsweise einfach ein Nickerchen zu halten, obwohl um sie herum Dinge passieren. Das verursacht Stress.

Situation von deiner Seite möglicherweise: Hund will wieder was. Aber was bloss? Grad keine Zeit, keine Lust oder beides - kurz reagiert, geschaut, was macht er? Hm, so wirklich spielen will er nicht, also wieder zurück zu meinen menschlichen Interessen.

Immer wieder reagieren und halbherzig Aufmerksamkeit schenken könnte also genau die Ursache sein, wieso der Hund nicht zur Ruhe kommt. Dein Mann ist da wahrscheinlich ganz anders. Jedenfalls ist mein Mann so: Wenn der keine Lust auf Hund hat, kann der Wuffi auf dem Kopf stehend vor ihm Samba tanzen, das juckt Männe nicht. Der macht dann sein Ding.
Der Hund spiegelt unser Verhalten und verhält sich von Person zu Person unterschiedlich, weil wir Menschen uns ihm gegenüber unterschiedlich verhalten. Ob bewusst oder nicht, du signalisierst deinem Hund vielleicht mit deinem Verhalten, dass es eben Erfolgsaussichten hat, dich wieder und wieder zu animieren.

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich bin mit meinem Hund fast 24h am Tag und 7Tage die Woche zusammen. Es gibt Tage, da lasse ich meine Konsequenz etwas schleifen und gerate unbemerkt in diese "halbe Aufmerksamkeitsschleife". Da mich das dann aber selbst sehr schnell extrem nervt und auch offensichtlich dem Hund nicht gut tut, weil sie keine Ruhe findet, versuche ich es sofort wieder zu durchbrechen, sobald ich merke, dass ich genervt reagiere.
Dazu gehört, dass ich meinen Hund mit dem gewohnten Tagesprogramm beschäftige - wir haben verschiedene Spiele, Tricktraining usw. - was wir immer in kleinen Einheiten machen. Und wir gehen natürlich auch raus. Für diese Einheiten habe ich einigermaßen feste Zeiten, Längen und Häufigkeiten. Sonst findet mein Hund kein Ende. Besonders solange ich sie in der Hitze im Sommer nich so lange raus lassen kann, sind die Beschäftigungen drinnen wichtig für sie. Sie spielt auch am liebsten mit Menschen. Also Interaktion in gesunder Dosis braucht und bekommt sie. Wenn diese Einheiten vorbei sind, reiße ich mich dann aber auch zusammen und fange bis zur nächsten Einheit möglichst nichts weiter mit ihr an. Außerdem haben wir ein Abbruchsignal etabliert, mit dem ich ihr direkt klar machen kann, dass nun Schluss ist. Das ist natürlich sehr praktisch, aber nicht zwingend erforderlich, um eine aus dem Ruder geratene Aufmerksamkeitssituation nach und nach wieder in den Griff zu bekommen.

Ich sehe auch zu, dass ich für sie zwischendurch Unterhaltung finde, mit der sie sich mal ganz allein beschäftigen kann.
Beispielsweise in einer Hundedecke lauter Leckerchen verstecken und sie suchen lassen oder etwas zum Kauen geben.
Mit halbem Ohr ist man ja auch bei vielen dieser Sachen immer dabei, zur Sicherheit. Aber das versuche ich den Hund nicht so merken lassen, damit sie diese Aufmerksamkeit nicht als Einladung missdeutet, mich wieder zu animieren.
Selten gibt es mal Tage, da kommt sie gar nicht runter. Da muss ich sie dann wirklich mit Kommando und ganz bewusst - auch mehrfach - ablegen oder wegschicken. Hier muss ich besonders konsequent sein und mich vor allem bemühen, nicht sauer zu reagieren.
Wenn sie denkt, sie hat etwas falsch gemacht, schließt sich erneut der Kreis um die Aufmerksamkeit, dieses Mal um sich zu entschuldigen.

Mein Hund schleppt sehr gerne Sachen rum, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Diese Gewohnheit ist "hausgemacht" bei uns. Wir lachen oft darüber. Wenn ich aber darauf mal keinen Bock habe, verkneife ich mir tunlichst jedes Lachen oder andere animierende Reaktionen, stehe nur wortlos auf und nehme ihr so neutral wie möglich ohne viel zu sagen, was sie grad hat (Schuh, Geldbörse, Fernbedienung) vorsichtig ab, bringe es in Sicherheit und mache dann weiter mit meinen Sachen. Sie merkt dann recht schnell, dass sie so grad nicht landen kann. An manchen Tagen kostet das Geduld, weil sie es ein paar Mal probiert. Da kann es dann auch vorkommen, dass sie in ihrer Verzweiflung mich anbellt und so probiert, eine Reaktion zu erhalten. In diesen Fällen reagiere ich möglichst gar nicht und ignoriere das bis sie aufgibt.

Langer Rede kurzer Sinn:
Ich kann euren Fall auf die Ferne genauso wenig beurteilen, wie alle anderen.
Ich will daher einfach nur anregen, falls du nicht inzwischen deine Antworten schon gefunden hast, dich eventuell auch ein bisschen selbst zu beobachten und vielleicht mal zu hinterfragen, ob du in deiner jetzigen Situation deine Grenzen wirklich konsequent und unmissverständlich genug für Hund steckst, sprich also, wenn du nicht reagieren und interagieren willst, es auch wirklich nicht tust und wenn du eingreifen musst, dabei neutral bleibst.
Gleichzeitig vielleicht auch hinterfragen, wieviel Regelmäßigkeit dein Hund bekommt. Gerade in einem Haushalt, wo auf eine Person praktisch dauerhaft Zugriff da ist, kann Regelmäßigkeit für alle Seiten sehr viel mehr Frieden bringen. Natürlich braucht der Hund auch Beschäftigung, am besten in kompakten Einheiten, die wirklich dem Hund gewidmet sind, mit echter gemeinsamer Interaktion und Aufmerksamkeit.

Bei einem Hund, der sich daran gewöhnt hat, Frauchens Reaktion durch diverse Aktionen zu provozieren, kann es etwas dauern, das umzukehren - schlechte Angewohnheiten schleichen sich immer superschnell ein und gehen nur ungern. Aber mit Konsequenz kann man das letztlich doch auch relativ schnell wieder umkehren. Man muss dem Hund nur die Zeit geben, die veränderten Umstände zu begreifen und muss dann möglichst dauerhaft konsequent bleiben.
Ich weiss nicht, ob ich eure Situation richtig erkannt habe. Falls ja, hoffe ich, dass die Tipps vielleicht ein bisschen helfen.
Wenn ich die Situation richtig gedeutet haben sollte, ist die Abgrenzung auch doppelt wichtig. Denn irgendwann ist das Baby da und dann ist es umso besser, wenn der Hund bereits die Routinen kennt und schon gelernt hat, Rücksicht zu nehmen, wenn man mal ein bisschen Freiraum möchte bzw. braucht.
Dein Hund ist letztlich nur so dickköpfig, wie du es zulässt. Wenn er mit dem Verhalten nicht weiterkommt, dann lässt er das auch. Er hat auch Pläne, was er erreichen will. Wenn er mit einer Taktik nicht weiterkommt, wird was neues ausprobiert. Viele Hunde sind grundsätzlich auch gerade mit ihren Menschen sehr sozial und je besser wir vermitteln können, was uns gefällt, umso mehr versuchen sie, uns zu gefallen. Je nachdem wie geschickt wir uns als Halter anstellen, kann Alternativverhalten also auch sehr positiv für uns sein. :)
 
Wenn sich die Situation mit der Schwangerschaft verändert hat, kann das was mit anderem Körpergeruch, Hormonen oder oder oder zu tun haben, wie dein Hund reagiert ... MUSS aber auch andererseits überhaupt nicht der Fall sein.
Die Ursache könnte viel banaler sein. Wenn du jetzt ständig zuhause bist, hat der Hund dauerhaft Zugriff auf dich. Eine neue Situation.
Der Hund sieht dich mehr und versucht vielleicht, dich entsprechend öfter im Spiel einzubeziehen.
Das Problem könnte möglicherweise einfach in deinen Reaktionen/ deinem Verhalten liegen, nicht beim Hund.

Der wirkt gestresst, aber das könnte auch Stress in folgender Richtung sein: Er versucht, dich zur Interaktion zu animieren, schafft es auch deine Aufmerksamkeit zu erhalten, aber nicht auf die Weise, wie von ihm erhofft. Also probiert er weiter. Daraus ist binnen kürzester Zeit ein Teufelskreis und für ihn Stress entstanden. Er hat die Chance und das Gefühl, sie nutzen zu müssen um nichts zu verpassen, ist aber wieder und wieder letztlich nicht wirklich erfolgreich in seinen Bemühungen. Das frustriert.

Situation von der Seite des Hundes möglicherweise: Er will was, du reagierst (also ignorierst ihn nicht). Er hat ja offensichtlich eigentlich gar nich so richtig Bock zum Spielen oder weiss gar nicht so richtig, worauf er wirklich Lust hat. Aber da du ja nun schonmal da bist, meint er, dass er seine Chance eben nutzen muss. ACTIIOOONN! Manche Hunde neigen zu solcher Rastlosigkeit, wenn sich immer wieder Reize bieten. Der Reiz bist in dem Fall du. Manche Hunde haben unter solchen Gegebenheiten extreme Probleme, einfach von selbst runterzukommen, sich aus der häuslichen Situation auszuklinken und beispielsweise einfach ein Nickerchen zu halten, obwohl um sie herum Dinge passieren. Das verursacht Stress.

Situation von deiner Seite möglicherweise: Hund will wieder was. Aber was bloss? Grad keine Zeit, keine Lust oder beides - kurz reagiert, geschaut, was macht er? Hm, so wirklich spielen will er nicht, also wieder zurück zu meinen menschlichen Interessen.

Immer wieder reagieren und halbherzig Aufmerksamkeit schenken könnte also genau die Ursache sein, wieso der Hund nicht zur Ruhe kommt. Dein Mann ist da wahrscheinlich ganz anders. Jedenfalls ist mein Mann so: Wenn der keine Lust auf Hund hat, kann der Wuffi auf dem Kopf stehend vor ihm Samba tanzen, das juckt Männe nicht. Der macht dann sein Ding.
Der Hund spiegelt unser Verhalten und verhält sich von Person zu Person unterschiedlich, weil wir Menschen uns ihm gegenüber unterschiedlich verhalten. Ob bewusst oder nicht, du signalisierst deinem Hund vielleicht mit deinem Verhalten, dass es eben Erfolgsaussichten hat, dich wieder und wieder zu animieren.

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich bin mit meinem Hund fast 24h am Tag und 7Tage die Woche zusammen. Es gibt Tage, da lasse ich meine Konsequenz etwas schleifen und gerate unbemerkt in diese "halbe Aufmerksamkeitsschleife". Da mich das dann aber selbst sehr schnell extrem nervt und auch offensichtlich dem Hund nicht gut tut, weil sie keine Ruhe findet, versuche ich es sofort wieder zu durchbrechen, sobald ich merke, dass ich genervt reagiere.
Dazu gehört, dass ich meinen Hund mit dem gewohnten Tagesprogramm beschäftige - wir haben verschiedene Spiele, Tricktraining usw. - was wir immer in kleinen Einheiten machen. Und wir gehen natürlich auch raus. Für diese Einheiten habe ich einigermaßen feste Zeiten, Längen und Häufigkeiten. Sonst findet mein Hund kein Ende. Besonders solange ich sie in der Hitze im Sommer nich so lange raus lassen kann, sind die Beschäftigungen drinnen wichtig für sie. Sie spielt auch am liebsten mit Menschen. Also Interaktion in gesunder Dosis braucht und bekommt sie. Wenn diese Einheiten vorbei sind, reiße ich mich dann aber auch zusammen und fange bis zur nächsten Einheit möglichst nichts weiter mit ihr an. Außerdem haben wir ein Abbruchsignal etabliert, mit dem ich ihr direkt klar machen kann, dass nun Schluss ist. Das ist natürlich sehr praktisch, aber nicht zwingend erforderlich, um eine aus dem Ruder geratene Aufmerksamkeitssituation nach und nach wieder in den Griff zu bekommen.

Ich sehe auch zu, dass ich für sie zwischendurch Unterhaltung finde, mit der sie sich mal ganz allein beschäftigen kann.
Beispielsweise in einer Hundedecke lauter Leckerchen verstecken und sie suchen lassen oder etwas zum Kauen geben.
Mit halbem Ohr ist man ja auch bei vielen dieser Sachen immer dabei, zur Sicherheit. Aber das versuche ich den Hund nicht so merken lassen, damit sie diese Aufmerksamkeit nicht als Einladung missdeutet, mich wieder zu animieren.
Selten gibt es mal Tage, da kommt sie gar nicht runter. Da muss ich sie dann wirklich mit Kommando und ganz bewusst - auch mehrfach - ablegen oder wegschicken. Hier muss ich besonders konsequent sein und mich vor allem bemühen, nicht sauer zu reagieren.
Wenn sie denkt, sie hat etwas falsch gemacht, schließt sich erneut der Kreis um die Aufmerksamkeit, dieses Mal um sich zu entschuldigen.

Mein Hund schleppt sehr gerne Sachen rum, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Diese Gewohnheit ist "hausgemacht" bei uns. Wir lachen oft darüber. Wenn ich aber darauf mal keinen Bock habe, verkneife ich mir tunlichst jedes Lachen oder andere animierende Reaktionen, stehe nur wortlos auf und nehme ihr so neutral wie möglich ohne viel zu sagen, was sie grad hat (Schuh, Geldbörse, Fernbedienung) vorsichtig ab, bringe es in Sicherheit und mache dann weiter mit meinen Sachen. Sie merkt dann recht schnell, dass sie so grad nicht landen kann. An manchen Tagen kostet das Geduld, weil sie es ein paar Mal probiert. Da kann es dann auch vorkommen, dass sie in ihrer Verzweiflung mich anbellt und so probiert, eine Reaktion zu erhalten. In diesen Fällen reagiere ich möglichst gar nicht und ignoriere das bis sie aufgibt.

Langer Rede kurzer Sinn:
Ich kann euren Fall auf die Ferne genauso wenig beurteilen, wie alle anderen.
Ich will daher einfach nur anregen, falls du nicht inzwischen deine Antworten schon gefunden hast, dich eventuell auch ein bisschen selbst zu beobachten und vielleicht mal zu hinterfragen, ob du in deiner jetzigen Situation deine Grenzen wirklich konsequent und unmissverständlich genug für Hund steckst, sprich also, wenn du nicht reagieren und interagieren willst, es auch wirklich nicht tust und wenn du eingreifen musst, dabei neutral bleibst.
Gleichzeitig vielleicht auch hinterfragen, wieviel Regelmäßigkeit dein Hund bekommt. Gerade in einem Haushalt, wo auf eine Person praktisch dauerhaft Zugriff da ist, kann Regelmäßigkeit für alle Seiten sehr viel mehr Frieden bringen. Natürlich braucht der Hund auch Beschäftigung, am besten in kompakten Einheiten, die wirklich dem Hund gewidmet sind, mit echter gemeinsamer Interaktion und Aufmerksamkeit.

Bei einem Hund, der sich daran gewöhnt hat, Frauchens Reaktion durch diverse Aktionen zu provozieren, kann es etwas dauern, das umzukehren - schlechte Angewohnheiten schleichen sich immer superschnell ein und gehen nur ungern. Aber mit Konsequenz kann man das letztlich doch auch relativ schnell wieder umkehren. Man muss dem Hund nur die Zeit geben, die veränderten Umstände zu begreifen und muss dann möglichst dauerhaft konsequent bleiben.
Ich weiss nicht, ob ich eure Situation richtig erkannt habe. Falls ja, hoffe ich, dass die Tipps vielleicht ein bisschen helfen.
Wenn ich die Situation richtig gedeutet haben sollte, ist die Abgrenzung auch doppelt wichtig. Denn irgendwann ist das Baby da und dann ist es umso besser, wenn der Hund bereits die Routinen kennt und schon gelernt hat, Rücksicht zu nehmen, wenn man mal ein bisschen Freiraum möchte bzw. braucht.
Dein Hund ist letztlich nur so dickköpfig, wie du es zulässt. Wenn er mit dem Verhalten nicht weiterkommt, dann lässt er das auch. Er hat auch Pläne, was er erreichen will. Wenn er mit einer Taktik nicht weiterkommt, wird was neues ausprobiert. Viele Hunde sind grundsätzlich auch gerade mit ihren Menschen sehr sozial und je besser wir vermitteln können, was uns gefällt, umso mehr versuchen sie, uns zu gefallen. Je nachdem wie geschickt wir uns als Halter anstellen, kann Alternativverhalten also auch sehr positiv für uns sein. :)

Wow, vielen Dank für diesen Beitrag!
Ich muss sagen, dass macht sogar für mich Sinn und sehe mich in vielen Dingen wieder... ich werde einiges umsetzen von dem was Sie geschrieben haben und ja, das Verhalten fängt meistens beim Frauchen oder Herrchen an
 
Wow, vielen Dank für diesen Beitrag!
Ich muss sagen, dass macht sogar für mich Sinn und sehe mich in vielen Dingen wieder... ich werde einiges umsetzen von dem was Sie geschrieben haben und ja, das Verhalten fängt meistens beim Frauchen oder Herrchen an

Nur mal so am Rande und völlig off topic:
Wir duzen uns hier im Forum . Also keine unnötigen Konventionen. ;):D
 
wenn du schon im mutterschutz bist, bist du ja schon kurz vor geburt. hast du schon senkwehen? vielleicht spürt er ja einfach, dass es bald los geht. und ist eben schon ganz aufgeregt. die franzbulli meiner schwester war anfangs ziemlich durch den wind und hat viel "geheult".
 
Wie sieht es denn gesundheitlich bei deinem Hund aus? Wenn ein French Bully so dermaßen hechelt, dann kann es auch durchaus sein, dass er wirklich Probleme damit hat Luft zu bekommen und sein Verhalten aus Panik entsteht. Ich würde das mal wirklich abklären lassen
 
Wow, vielen Dank für diesen Beitrag!
Ich muss sagen, dass macht sogar für mich Sinn und sehe mich in vielen Dingen wieder... ich werde einiges umsetzen von dem was Sie geschrieben haben und ja, das Verhalten fängt meistens beim Frauchen oder Herrchen an
Vieles davon war auch mein Gedanke .
Weil das Baby ja bald da sein wird, braucht der Hund eine Struktur. Er muss wohl vor allem lernen zur Ruhe zu kommen und feste Ruhezeiten zu erlernen.
Nebenbei, Hunde ruhen so16/17 Std. am Tag.
Wenn ihr das an einem festen Ort etabliert, dann wirds sicher auch mit dem Baby gut klappen.
 
Nur mal so am Rande und völlig off topic:
Wir duzen uns hier im Forum . Also keine unnötigen Konventionen. ;):D

wenn du schon im mutterschutz bist, bist du ja schon kurz vor geburt. hast du schon senkwehen? vielleicht spürt er ja einfach, dass es bald los geht. und ist eben schon ganz aufgeregt. die franzbulli meiner schwester war anfangs ziemlich durch den wind und hat viel "geheult".

Darüber habe ich auch schon nachgedacht... allerdings, selbst wenn es so wäre, muss ich umso mehr zeigen, dass ich alles im Griff habe
 
Wie sieht es denn gesundheitlich bei deinem Hund aus? Wenn ein French Bully so dermaßen hechelt, dann kann es auch durchaus sein, dass er wirklich Probleme damit hat Luft zu bekommen und sein Verhalten aus Panik entsteht. Ich würde das mal wirklich abklären lassen

Gesundheitlich sollte alles in Ordnung sein.
Wir haben auch einen Frenchie der nicht mehr eine ganz so eingedrückte Nase hat.
Also er schläft z.bsp. Mit uns im Schlafzimmer und man nimmt ihn kaum war...
klar schläft er manchmal auch so fest, dass man ihn hört
 
beim nochmaligen lesen von bullterrierfan ist mir noch was eingefallen. wie sieht es mit deiner einstellung aus? bist du gestresster oder reagierst du gestresster, weil baby bald da und hund "ist kaputt"? machst du dir selbst druck, weil was wird denn dann sein?
 
Habt ihr ein Kommando, einen Ruheplatz oder onst irgendein Ritual, das dem Hund vermittelt "jetzt wird Ruhe gehalten"? Vielleicht braucht euer Hund das einfach, wenn tagsüber jemand zu Hause ist und rumläuft.

Außerdem würde ich ihn beim Tierarzt mal durchchecken lassen. Schilddrüse ist okay? Hat das neue Futter einen sehr hohen Kohlenhydratanteil?
 
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