Tierschutzverein - Umgang mit zunehmender Armut

Sheila2006

10 Jahre Mitglied
Hallo zusammen,

wir sind ein kleiner Tierschutzverein, ohne eigenes Tierheim, mit Pflegestellen.

Die Mitgliederzahl ist überschaubar, ebenso die finanziellen Mittel.

Seit geraumer Zeit nehmen die Anfragen/Anrufe von Menschen, die Leistungen nach dem SGB II empfangen ("Hartz IV") rapide zu. Die Leute rufen an und erwarten, dass der Verein Futterkosten, Behandlungs- und Kastrationskosten für die privaten Tiere trägt.

Für die Kastrationen bekommen wir Zuschüsse, darüber hinaus gehende Kosten trägt der Verein.

Mittlerweile erhalten wir große Futtermittelspenden, die an Bedürftige verteilt werden.

Aber das große Problem sind die TA-Kosten für private Tiere. Wir haben die Mittel dafür nicht, häufig wird das Geld dann privat von Mitgliedern dazu gelegt. Auf Dauer geht dies finanziell natürlich nicht.

Andererseits ist es schwer "nein" zu sagen, wenn man befürchtet, dass dann ein Tier leiden muss, vielleicht gar ausgesetzt wird.

Häufig werden die Anrufer patzig, gar frech, bestehen auf ihrem angeblichen "Anspruch", gehen davon aus, dass wir Ehrenamtlichen bezahlt werden ("Tun Sie gefälligst ihren Job, sie werden dafür immerhin gut bezahlt!") und der Verein vom Staat unterhalten wird.

Wir haben den Eindruck, dass das Anspruchsdenken zunimmt. So wird z.B. erwartet, dass Futtermittelspenden sogar noch bei den Leuten vorbei gebracht werden - selbst wenn im Haushalt ein Auto vorhanden ist.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?
Was tut Ihr, wenn Privatpersonen vorgeben, eine notwendige Behandlung nicht bezahlen zu können?

Viele Grüße

Nicole
 
  • 23. Mai 2024
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Hi Sheila2006 ... hast du hier schon mal geguckt?
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Ihr müsst härter werden!!!!!
Es bringt nichts immer Ja zu sagen und dann geht euer Verein den Bach runter......

Wir kriegen auch immer viele Anfragen von Hartz 4lern, aber wir sind definitiv nicht die Caritas und wir sehen auch nicht ein für Hinz und Kunz die Kohle locker zu machen.
Das ist finanziell auch einfach nicht drin und ihr müsst einfach lernen NEIN zu sagen, auch wenn es schwer fällt und erst recht, wenn die auch noch patzig werden.....
Dumm anmachen lassen muß man sich nicht und wird einer derart frech, dann beende ich auch das Gespräch und der Käse ist gegessen.

Bei Tierärzten können die Leute auch Ratenzahlungen vereinbaren.
Wenn man sich ein Tier anschafft, dann muß man eben auch mit Kosten rechnen.

Wir machen immer Anfang des Jahres zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund und der Landestierkärztekammer eine Kastrationsaktion.
Da können Leute mit wenig Geld ihre Katzen für nen Klicker und nen Knopp kastrieren lassen. Dies wird auch gut angenommen......

Wenn wir merken, das jemand wirklich verzweifelt ist, sind wir die letzten die sagen: Seh zu, wie du es hinbekommst, aber wir sind nicht für alle Hartz 4ler oder andere Mittellose der Welt zuständig.
Wir sagen definitiv auch mal Nein!......
Uns fällt es auch schwer, aber es geht nicht anders.....wenn ihr pleite seid, dann könnt ihr gar keinem mehr helfen.
 
hi sheila,

also ich würde mir als erstes die bedürftigkeit nachweisen lassen! dann würde ich noch einen nachweis verlangen, der aufzeigt das das tier schon vor der bedürftigkeit da war! denn wenn ihr das nicht macht, und eure hilfsbereitschaft die runde macht, werden sich auch einige ein tier anschaffen obwohl sie von anfang an wissen das sie nicht das geld haben... helfen ja, soweit wie es geht, aber macht nicht den fehler und entbindet die leute von ihrer verantwortung!

ich würde auch keine futtertaxi machen! klar, ausnahmen gibt es immer wieder! aber grundsätzlich gilt, wer was will muss was dafür tun! auch wenn das in dem fall "nur" bedeutet das sich die leute den futtersack selbst abholen...
 
Hallo,

danke für Eure Antworten!

Die Anrufe gehen bisher nicht bei mir ein - ich denke, ich wäre da schon berufsbedingt etwas härter. Am Telefon sind durchweg ältere Damen, die über die nötige Freizeit für das ehrenamtliche Engagement verfügen. Die Damen sind solche Auseinandersetzungen nicht gewöhnt und fühlen sich dann teilweise überfordert.

Für den Nachweis der Bedürftigkeit fehlen die Kapazitäten. Es sind nur wenige Leute, die mitarbeiten und die sind ohnehin schon überlastet. Dann noch Unterlagen zu prüfen, diese auch erst einmal einzufordern und tatsächlich zu erhalten dürfte schwer machbar sein.

Das mit dem Futtertaxi sehe ich genau so. Da gibt es sogar Fälle, wo ein Familienmitglied täglich durch den Ort fährt, wo die Futtermittel gelagert werden, das Katzenfutter aber dennoch von einem Vorstandsmitglied dort hin gefahren wird - 22 km hin und zurück! Da muss man wirklich lernen "Nein" zu sagen. Das ist ein Ausnutzen pur. Aber da kann ich auch immer nur daran appelieren, härter zu werden.

Ich werde nun wohl mal anbieten, dass Anrufe von Bedürftigen zu mir ins Büro weiter geleitet werden. Vielleicht kann ich die Damen vor Ort damit etwas entlasten. So geht es jedenfalls nicht mehr weiter, finde ich.

Viele Grüße

Nicole

P.S.: Die Kastrationsaktionen machen wir auch einmal im Jahr. Das funktioniert gut.
Ob Ratenzahlungen schon angeboten werden muss ich gleich mal nachfragen.
 
Das geht tatsächlich auf keinen Fall.

Bei uns halten sich solche Anfragen GsD in Grenzen, aber auch wir sind ein relativ kleiner Verein, müssen nun auch zusehen, wie wir die OP unserer Eve (DSH, Milchleistentumore) gewuppt kriegen.

Letztens hatte ich ne Anfrage per Mail von jemand, der in Ausbildung ist, somit nicht sooo viel Geld hat und gerne die Katzen über uns kastriert hätte... Also sorry, aber wir sind nicht die Wohlfahrt. Wie Midivi schrieb: Auch wir beteiligen uns an der Aktion vom Tierschutzbund, was das Kastrieren der Katzen angeht (da beteiligen sich dann auch Tierärzte), aber das muss genügen.

Hätte ich jemand vor mir stehen, der Tränenaufgelöst da steht, hätte ich auch ein Problem, das weiß ich. Aber wenn man mit sowas anfängt, könnte es zur Folge haben, dass man dadurch irgendwann selbst die vorh. Tiere nicht mehr versorgen kann.

Das würde ja tatsächlich rumgehen wie ein Lauffeuer und dann kann man sich schnell in den eigenen Ruin treiben.

Wie würde man sowas auch kontrollieren wollen?! Da könnte man tatsächlich jemand anstellen, der die Bedürftigkeit überprüft. Würde ich dann beispielsweise sehen, dass jemand Hartz 4 bezieht, die Tierkosten nicht zahlen kann, dafür aber ne Kippe in der Hand hat, wäre es bei mir schon rum. ;) Sorry an die Raucher :albern:
 
Ich wusste ehrlich gesagt bis jetzt gar nicht, dass manche Tierschutzvereine sowas überhaupt machen. Wenn ich klamm wäre, würde ich nie auf die Idee kommen, im nächsten Tierheim anzurufen und nach Geld zu fragen :uhh:
 
Würde ich dann beispielsweise sehen, dass jemand Hartz 4 bezieht, die Tierkosten nicht zahlen kann, dafür aber ne Kippe in der Hand hat, wäre es bei mir schon rum. ;) Sorry an die Raucher :albern:
Würde mir genauso gehen.
Dann sollen sie aufhören zu qualmen und schon hätten sie ein paar Euro mehr in der Tasche.

Futtertaxi?
Gibts nicht.....entweder man holt ab oder man guckt eben in die Röhre.
Soweit käm's noch.

Wir helfen auch bei div. chronisch kranken Hunden mit Medikamenten oder verzichten auch bei alten und kranken Hunden auf die Schutzgebühr.
Aber das sind absolute Ausnahmen, die kann man wirklich an einer Hand abzählen.
 
Ich wusste ehrlich gesagt bis jetzt gar nicht, dass manche Tierschutzvereine sowas überhaupt machen. Wenn ich klamm wäre, würde ich nie auf die Idee kommen, im nächsten Tierheim anzurufen und nach Geld zu fragen :uhh:
Och, das kommt öfter vor als man denkt.
 
Ähnlich wie es Honesty geht, geht es auch mir. Ich wär nie auf die Idee gekommen die hiesigen Tierschutzvereine abzuklappern und um deren Hilfe zu bitten in solchen Fällen.

Gibt es denn sowas wie die Tiertafel nicht mehr? Ich weiss, dass es sowas in Frankfurt gibt, da haben sie mal einen Bericht drüber gebracht. Da konnten die Leute sich dann entsprechend Futter für einen gewissen Zeitraum abholen oder mit Ärzten in Kontakt treten, wo es dann günstiger wurde.

@Sheila - gibts so eine Tiertafel vielleicht in eurer Nähe, an welche ihr die Leute wegen Futter und so verweisen könntet?

Ok, grad gesehen - für Hessen gibt es nur eine Ausgabestelle in Frankfurt, für RLP gibt es eine in Bad Dürkheim und Siegerland.

 
Die Anrufe gehen bisher nicht bei mir ein - ich denke, ich wäre da schon berufsbedingt etwas härter. Am Telefon sind durchweg ältere Damen, die über die nötige Freizeit für das ehrenamtliche Engagement verfügen. Die Damen sind solche Auseinandersetzungen nicht gewöhnt und fühlen sich dann teilweise überfordert.

Dann nimm dir doch mal eine halbe Stunde Zeit und stärk diesen Damen den Rücken.
Manchmal reicht es schon, wenn man diejenigen, die um Hilfe bitten, aufklärt darüber, was ein Tierschutzverein überhaupt ist, dass er auch selbst "sein" Geld zusammen betteln muss und auch darauf angewiesen ist, dass sich andere finanziell an den Kosten für die Tiere beteiligen, die eben keinen eigenen Besitzer haben. Denn mal ganz ehrlich, ein Tierschutzverein sitzt im gleichen Boot und hat auch nur begrenzte Mittel, die genauso schnell erschöpft sein können wie die eines jeden Tierbesitzers.

Natürlich gibt es auch Menschen, deren Anspruchsdenken überhöht ist. Aber ein Großteil kennt doch nicht einmal den Hintergrund des "Tierschutzes". Viele lesen dann auch noch z.B. in der Presse, dass sich xy am Tierschutz bereichert hat- und da kann man es ihnen nicht einmal verdenken, dass sie der Meinung sind, man müsse ihnen helfen, wenn sie in Not sind.
Wieviele wissen z.B. nicht einmal, dass niemand in ganz Deutschland dazu verpflichtet ist, Abgabetiere aufzunehmen? Wieviele wissen gar nicht, dass auch das nur eine freiwillige Maßnahme ist? Und aus diesem Unwissen heraus kommt man dann natürlich auch zu einem Gedankengang, dass es für "den Tierschutz" doch sogar günstiger ist, in einer akuten Notlage auszuhelfen, als diese Tiere komplett versorgen zu müssen.

Nimm dir die "Telefondamen" mal zur Seite und überlegt gemeinsam, wie man solche Gespräche im Vorfeld zu einem Aufklärungsgespräch machen kann, bevor sie sich in die Ecke gedrängt fühlen. Man kann solche Telefonate üben und sollte das auch tun. Ansonsten werden gerade diese Damen nicht lange durchhalten und irgendwann das Handtuch werfen, weil ihnen diese Arbeit zu sehr an die Nieren geht, wenn sie sich persönlich angegriffen und hilflos fühlen.
 
Ich wusste ehrlich gesagt bis jetzt gar nicht, dass manche Tierschutzvereine sowas überhaupt machen. Wenn ich klamm wäre, würde ich nie auf die Idee kommen, im nächsten Tierheim anzurufen und nach Geld zu fragen :uhh:


Rein subjektiv, also "gefühlt" hat es sich in den letzten 3-4 Jahren so gedreht, daß eine Einstellung wie die Deine (meinem Gefühl nach) zur absoluten Ausnahme geworden ist.
Ich bin auch so erzogen, daß ich für das, was ich mache, selbst verantwortlich bin und dafür auch Sorge trage. Diese Haltung scheint echt antiquiert / out zu sein. IN ist : Geiz ist geil.

Auch wir kämpfen massiv immer mehr und mehr damit, daß uns Leute erpressen, unter Druck setzen "macht Ihr nicht das, dann passiert das" und dass wegen allem Möglichen versucht wird, mal ganz platt gesagt "Geld rauszuschlagen".

Das gipfelt in solch absurden Beispielen wie : da erhalte ich eine Email, Hr. XY, Besitzer von 4 Katzen, arbeitslos, möchte gerne seine Katzen entwurmen. Wir sollen bitte das Medikament spenden an ihn oder wenigstens teilweise die Kosten übernehmen oder aber ihm mitteilen, wo er das am günstigsten bekommt.

Entwurmung !!! Da reden wir von 2 Euro die Tablette, dafür schreibt er Emails durchs Netz, denn wir waren nicht die einzigen... Irgendwer wird ihm wohl dann die Tabletten geschickt haben = Erfolg = er macht so weiter... Hier war meine Empfehlung an ihn, verschiedene Tierärzte anzurufen und zu vergleichen...

Der Oberknaller, der uns passiert ist (nicht von der finanziellen Höhe her, aber von der Dreistigkeit her). Ich erhalte einen Anruf von einem örtlichen Caritasbüro, ganz kurz vor Weihnachten. Der Herr stellte sich als kaufm. Sachbearbeiter in der Buchhaltung vor und hat mir (sehr glaubhaft) erklärt, daß der Kater einer Betreuten dieser Einrichtung akut erkrankt wäre, hohes Fieber, Husten, Schnupfen, frisst nicht, trinkt nicht - also wirklich Notfall. Die Caritas würde die Kosten für die Behandlung übernehmen, könne aber nichts vorschiessen, da die Kasse aufgrund der Feiertagssituation bereits geschlossen wäre / keine Überweisung getätigt werden könne. Die Festnetznummer habe ich recherchiert, sie stimmte.

Um es kurz zu machen, die Katze wurde bei unserem Tierarzt mehrfach, über die Feiertage, behandelt - es war wirklich kurz vor knapp - und es kamen insgesamt deutlich über 100 Euro zusammen.

Nachdem ich nichts mehr hörte, habe ich Anfang Januar dann die Caritas angerufen und mich erkundigt, wie es aussieht, denn ich hatte ja die Zusage von dort...

Es stellte sich heraus, daß der angebliche kaufm. Sachbearbeiter ein BETREUTER dieser Einrichtung war, der sich den Schlüssel zum Büro hat geben lassen, weil er wichtige Telefonate führen müsse. Er blieb unbeaufsichtigt und konnte so schalten und walten, wie er wollte. Wer weiss, was der noch angeleiert hat.

Nachdem ich der Leitung des Caritasbüros erklärt habe, was letztendlich abgelaufen ist, kam von denen ein Schulterzucken "klar, es ist nicht okay, daß er von unserem Büro aus anrufen konnte, das müssen wir dann wohl in Zukunft anders handhaben" - aber das war auch alles. Keine Entschuldigung, keine Erstattung, kein gar nichts.

Auch keine Adresse des Typs, der uns ja ganz klar betrogen hat.

Seitdem weiß ich, der Spruch stimmt wirklich "es gibt nichts, was es nicht gibt"

Wir versuchen, da wir auch ein Miniverein sind und finanziell wirklich nicht auf Rosen gebettet, so viel wie möglich zu überprüfen und uns so wenig wie möglich erpressen zu lassen, aber es ist manchmal sehr schwierig, denn es gibt ja durchaus Leute, die machen ihre Drohungen "wenn Ihr das Tier nicht nehmt, dann passiert XY" wirklich wahr. Und da möchten wir es nicht drauf ankommen lassen, hinterher zu erfahren, "der hat wirklich Ernst gemacht". Somit sind wir erpressbar.
 
Die Mädels vor Ort halten schon recht lange durch. Der Verein ist nun 10 Jahre alt und zuvor wurde mindestens schon 15 Jahre gemeinsamer Tierschutz ohne Verein betrieben.

Aber ich merke, wie es sich massiv zuspitzt. Und da habe ich schon Angst, dass die Leute schlapp machen.

Ich nehme mir regelmäßig Zeit, um über akutelle Vorkommnisse zu sprechen.

Aber es kann schwer sein, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die bisher so gelebt haben, dass sie immer zur Verfügung standen :(.

Und es passieren so unglaubliche Sachen. So war dann letztens die Nachricht auf dem AB von einer Frau mit 6 Kindern. Sie teilte mit, an diesem Tag umzuziehen, ihre 4 großen Hunde mitzunehmen, aber alle anderen Tiere zurück zu lassen. Der Tierschutz solle sie abholen.
Vorgefunden wurde eine Mutterkatze mit Jungen in einer Box - ohne Futter und Wasser und Kleintiere in Pappkartons. Weitere Kleintiere waren laufen gelassen worden. Mehrere erwachsene Katzen waren zunächst gar nicht aufzufinden, da sie sich versteckten. Die Polizei sah keiinen Handlungsbedarf, denn die Frau hätte doch Hilfe geholt und die Tiere nicht sich selbst überlassen.
Zum Glück hat der TSV Bad Kreuznach die Kleintiere am nächsten Tag übernommen.

Hoffentlich sind die Hunde nicht irgendwo ausgesetzt worden.

@ AngelBlueEyes

So was wie eine Tiertafel hat unser Verein erstmalig in der Gegend eingerichtet. So was gab es da bisher nicht.

@ Nadine

Und so geht es mir, wenn ich sehe, wie Leute, die Hartz IV beziehen, fast ausschließlich teure Fertigprodukte und Softdrinks kaufen......und dabei doch alle Zeit der Welt hätten, kostengünstig und noch dazu gesund zu kochen.
 
So war dann letztens die Nachricht auf dem AB von einer Frau mit 6 Kindern. Sie teilte mit, an diesem Tag umzuziehen, ihre 4 großen Hunde mitzunehmen, aber alle anderen Tiere zurück zu lassen. Der Tierschutz solle sie abholen.
Vorgefunden wurde eine Mutterkatze mit Jungen in einer Box - ohne Futter und Wasser und Kleintiere in Pappkartons. Weitere Kleintiere waren laufen gelassen worden. Mehrere erwachsene Katzen waren zunächst gar nicht aufzufinden, da sie sich versteckten. Die Polizei sah keiinen Handlungsbedarf, denn die Frau hätte doch Hilfe geholt und die Tiere nicht sich selbst überlassen.
Zum Glück hat der TSV Bad Kreuznach die Kleintiere am nächsten Tag übernommen.

Hoffentlich sind die Hunde nicht irgendwo ausgesetzt worden.

Solche Fälle sind mir aber auch schon aus Zeiten weit vor Hartz4 bekannt, eine unserer Hündinnen stammte aus einem ähnlichen Fall. Auch schon vor 10 Jahren haben Menschen ihre Tiere beim Umzug in Wohnungen zurück gelassen. (Allerdings kenne zumindest ich keinen Fall, wo das sogar noch angekündigt wurde. Diese Tiere waren leider meist schon über einen sehr langen Zeitraum unversorgt.) Und es hatte auch schon damals nicht zwingend etwas mit finanzieller Not zu tun. Ging z.B. durch die Presse, dass eine Halterin ihre Hündin in der alten Wohnung verhungern ließ, nachdem sie zu ihrem Freund gezogen war, dessen Hund sich nicht mit ihrem verstand.

Menschen waren im Umgang mit ihren Tieren schon immer unterschiedlich. Die Einen geben alles für ihren vierbeinigen Partner, unabhängig von ihrem Einkommen, und andere entsorgen ihre Anhängsel, wenn es problematisch wird, ebenfalls unabhängig von ihrem Einkommen.
 
Sicher, das gab es auch in Zeiten vor Hartz IV.

Das Beispiel bezog ich auch nicht auf Leistungen nach dem SGB II, sondern allgemein auf die Rohheit mancher Leute.

Ich weiß von armen Leuten, die lieber selbst nichts mehr essen würden, als ihrem Tier eine Behandlung vorzuenthalten. Es gibt in der Tat solche und solche.
 
Sicher, das gab es auch in Zeiten vor Hartz IV.

Das Beispiel bezog ich auch nicht auf Leistungen nach dem SGB II, sondern allgemein auf die Rohheit mancher Leute.

Ich weiß von armen Leuten, die lieber selbst nichts mehr essen würden, als ihrem Tier eine Behandlung vorzuenthalten. Es gibt in der Tat solche und solche.

Ja, das stimmt natürlich. Es gibt immer sonne und sonne und gab es auch immer schon, ABER :

Seit geraumer Zeit nehmen die Anfragen/Anrufe von Menschen, die Leistungen nach dem SGB II empfangen ("Hartz IV") rapide zu. Die Leute rufen an und erwarten, dass der Verein Futterkosten, Behandlungs- und Kastrationskosten für die privaten Tiere trägt.

auch das ist leider richtig. Und zwar letztendlich unabhängig davon, ob sie es theoretisch könnten.

Ich habe wirklich fast täglich Anrufe, wo mir erzählt wird "ich habe da eine kleine Katze aufgenommen / gerettet / nehmen müssen / angeschafft (oder auch zwei oder drei) und die fütter ich ja schon, aber die Kastration, das kann ich nicht. Entweder, Sie übernehmen das oder die Katze muss entweder "gehen" oder "bleibt halt unkastriert".

Das grenzt, je nachdem, wie thematisiert, auch an Erpressung m.M. nach. Und ist für mich auch nicht wirklich verständlich, denn wenn ich mir ein Katzenbaby "anschaffe", dann habe ich einige Monate Zeit, in denen ich zumindest vielleicht 5 oder 10 Euro im Monat zurücklegen kann, um sie dann kastrieren zu lassen.

Aber die Erwartungshaltung wird oft bei uns ganz klar so artikuliert "der TS findet es ja wichtig, daß die Tiere kastriert sind, also sollen die das gefälligst auch zahlen" und DAS wiederum kann ich nicht nachvollziehen.
 
Zum Thema "Tier anschaffen" fällt mir noch was ein, allerdings etwas OT, da keine armen Leute betroffen waren:

Da schafften sich Leute, denen bekannt war, dass bei ihnen um die Ecke ständig Katzen vom Tierschutzverein zur Vermittlung stehen - auch Welpen - eine Rassekatze an. Ein "normaler" Stubentiger durfte es nicht sein....Aber kosten sollte das "edle" Tier natürlich auch möglichst wenig bis nichts.

Also wurde eines schönen Tages eine unglaublich edle Rassekatze aus einem Ostimport angeschaffft. Von einem dieser seriösen Händler, der gleich ein Dutzend Rassen im Angebot hat. Kostenpunkt: 150 oder 200 Euro.

Fakt ist, dass die Leute tags drauf verzweifelt des nachts bei einer Dame vom Vorstand klingelten. Das edle Tier würde nichts fressen.

Kein Wunder: es war noch ein Flaschenkind, nur wenige Wochen alt.

Der Tierschutz half beim Aufpäppeln, zunächst stand das Tier auf der Kippe.

Ach ja, das edle Tier wurde dann zu einer ganz normalen EKH. DAS fand ich dann wiederum witzig.
 
Aber die Erwartungshaltung wird oft bei uns ganz klar so artikuliert "der TS findet es ja wichtig, daß die Tiere kastriert sind, also sollen die das gefälligst auch zahlen" und DAS wiederum kann ich nicht nachvollziehen.

Echt nicht? Noch nie gehört, wie sogar Frau Ludwig bei Tiere suchen ein Zuhause gern mal darauf hinweist, dass man sich doch an einen TSV in der Nähe hätte wenden können, eh die Tiere im Tierschutz so aufschlagen, wie sie dann letztlich rein kommen? Noch nie in diversen Foren gelesen, dass die Ratsuchenden an "den Tierschutz" verwiesen werden, wenn sie Probleme haben?

Ich packe mir da gern auch an die eigene Nase, bevor ich andere für ihre Denkweise verurteile. Seit Jahren gaukeln wir vor, Deutschland wäre ein Tierschutzwunderland, in dem es überhaupt kein Problem ist, sich um die Probleme zu kümmern, die andere verursachen. Wenn mich hier jemand nachts aus dem Bett klingelt, weil er Hund, Katze oder Igel gefunden hat, dann sage ich ihm auch nicht, darum hättest du dich doch auch selbst kümmern können. Ich bin die "Tierschutztante" und ich mach. Wir nehmen doch jedem alles ab, was in unserer Macht steht, seit etlichen Jahren. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass daraus ein Anspruchsdenken entstanden ist.
 
Tja, da ist schon was dran, MaHeDo.

Wenn ich mich nur hier grad so im Büro umschaue....Wer mich da grad aus seinem Käfig heraus wieder anschaut, ist auch kein "Wunschkind" ;).

Ich kann es nachvollziehen, dass es viele Menschen tatsächlich nicht WISSEN, dass Vereine völlig private Einrichtungen sind. Vielleicht müsste da mehr aufgeklärt werden.

Und was ich auch bitter finde: Viele Menschen wissen wohl auch nicht, was in Vereinen überhaupt vermittelt wird. So wollte eine Bekannte mit Haus und Garten Kaninchen anschaffen, nun, da die Kinder größer sind. Sie kündigte an, in den Zoofachhandel gehen zu wollen. Ich fragte dann, ob sie nicht lieber in ein Tierheim gehen wolle. Sie schaute verwundert und meinte: "Gibt denn jemand Kaninchen ab? Das kann ich mir gar nicht vorstellen!".

Mannohmann, eine Frau von fast 40.

Nun hopplen zwei Deutsche Riesen bei ihr herum - aus dem Tierschutz :).
 
Ich kann es nachvollziehen, dass es viele Menschen tatsächlich nicht WISSEN, dass Vereine völlig private Einrichtungen sind. Vielleicht müsste da mehr aufgeklärt werden.

Glaube ich auch, das man da öfter ansetzen muss. Wer involviert ist, der setzt es oft als selbstverständlich voraus, dass das andere auch wissen. Wir haben hier in der Stadt ein Städtisches Tierheim und zwei größere TSVs. "Ottonormalbürger" weiss nicht mal das. Für die meisten ist das "der Tierschutz", das wird in persönlichen Gesprächen immer wieder deutlich. Ich habe in der Vergangenheit Telefondienst für einen dieser Vereine gemacht, die Leute haben also selbst beim Verein angerufen- und wollten dann auch gern mal persönlich im Tierheim vorbei kommen- das der Verein gar nicht hat, sondern das die Stadt betreibt. Das wissen sie aber tatsächlich nicht und wenn man nicht mit ihnen drüber spricht, sondern dieses Wissen voraus setzt, dann wird sich daran nichts ändern. Aber wer hat schon die Zeit und die Möglichkeiten, immer wieder jeden auf diese Hintergründe hinzuweisen? Deshalb ja mein Rat, dass sich eure Telefondamen auch darauf konzentrieren sollten. Dann kommt so manches Missverständnis vielleicht erst gar nicht auf.
 
Und wenn ein kleiner Betrag fürdasTier verlangt wird, wird oft mit Unverständnis reagiert: "Seid doch froh, dass wir Euch ein Tier abnehmen, wieso wollt Ihr Geld?."

Aber auch hier gilt sicher: die Leute sind nicht informiert. Ich habe es erlebt, dass viele Leute sehr verständig reagieren, wenn man sie aufklärt - und dann oft noch einen 20er drauflegen. "Böse" sind die wenigsten.

Schwierig wird es, finde ich, wenn für ein Tier aus dem Tierschutz deutlich mehr verlangt wird, als bei privaten Abgaben. So traf ich neulich ein Mädel in einem Wiebadener Zoogeschäft, als ich selbst Futter kaufte. Sie wollte sich eine Maus kaufen. Ich schlug ihr vor, sich doch in einem Tierheim zu erkundigen. Sie meinte, im Geschäft würd die Maus 1,50 Euro kosten, in dem von ihr kontaktierten Tierheim angeblich 5 Euro.
Ich und Ihr würden die Maus sicher dennoch aus dem Tierheim holen, aber Leute, die nicht im Tierschutz verankert sind, denken da ganz anders, sehen auch die Kosten und den Sinn des Tierschutzes nicht - sondern möchten eben einfach "nur" ein Tier und zwar so günstig wie möglich.

Ich fand es übrigens traurig zu sehen, wie das Mäuschen aus seinem Verbund gerissen wurde. Es biss aus Angst auch mächtig zu. Die mir bekannten Vereine würden eine Maus allein sicher nicht abgeben....und das Mädchen erzählte mir, dass es nur die eine Maus möchte.

In einem Mainer Laden fiel mir mal auf, dass die Mäuse nicht nach Geschlechtern getrennt waren, viele waren offensichtlich trächtig. Die Angestellte meinte dann: "Das ist egal, ob die schwanger sind. Das sind nur Futtermäuse." In dem Laden habe ich früher Dinge für den Garten gekauft. Das lasse ich nun.
 
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