Wie lernen hunde?

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Kira2000

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Wie lernen Hunde?

Seit Jahrzehnten geht man bei der Hundeausbildung davon aus, dass alles Gehorchen nur durch Dominanz zu erreichen ist und man Rudelführer sein muss, der sich körperlich und mit Zwang bei seinen Untertanen durchsetzen muss, damit Befehle befolgt werden.



Trotzdem die Wolfsforschungen auf den neuesten Stand gebracht wurden, der Behaviourismus in das Tiertraining Einzug hielt und Tiere wie Delphine und andere soziale Arten ausschließlich über Lob ausgebildet werden, hinkt die Hundeerziehung vor allem in den Köpfen der Menschen ca. 50 Jahre hinterher.



Soziale Säugetiere lernen auf die gleiche Art und Weise, nämlich durch Konditionierung, was bedeutet, dass sie Handlung mit Gefühlen verbinden.

Hunde haben keine Moral und wissen nicht, was richtig und was falsch ist!



Alles was sie wissen und alles was sie lernen ist, was für sie gut ist und was für sie schlecht ist !

Sie sind reine Egoisten und gehorchen uns nicht, weil sie uns so wahnsinnig lieben, sondern, weil sie mit dem Gehorchen entweder aversive Reize (Schmerzen bzw Unwohlsein) vermeiden oder Gutes damit erreichen (Spiel, Leckerchen)



Im Gegensatz zum Menschen können Hunde weder erkennen, was in der Zukunft passieren könnte, noch verbinden sie vergangene Handlungen mit gegenwärtigen Reaktionen.

Alles passiert über Emotionen, jede Handlung wird mit einem Gefühl verbunden gespeichert und nicht mit einer moralischen Wertigkeit für richtig oder falsch.



Als Beispiel sei hier der teppichkauende Welpe genannt:



Der Welpe folgt seinem Drang auf irgendetwas herumzukauen und nimmt das Erstbeste, den guten Perserteppich, in Angriff.

Der Besitzer sieht das und schimpft mit dem Hund.

Hund ist erschrocken und für kurze Zeit davon abgebracht worden am Teppich zu kauen.

Da er aber keine Alternative angeboten bekommen hat, kommt die Zeit da er es wieder versucht, weil der Drang zu kauen vorhanden ist-



Jetzt ist der Besitzer zufällig nicht da, es gibt also auch keinen Ärger wegen des Teppichs.

Als der Besitzer aber nach Hause kommt, sieht er den Teppich, zerrt den Hund dorthin und wird fürchterlich wütend.

Diese Situation dürfte zur Genüge bekannt sein und die Szene hat sich schon zigmal in den Wohnzimmern abgespielt.

Die Kommentare dazu gehen von "der weiß genau, was er gemacht hat!", bis "der will mich damit ärgern, der macht das absichtlich!" Eine Begründung für eine ordentliche Tracht Prügel.



Aber was passiert wirklich im Kopf des Hundes und warum kaut er trotzdem immer wieder am Teppich, wenn der Besitzer nicht da ist?



Der Hund lernt.



Erstens lernt er vielleicht: Wenn der Besitzer da ist, ist Teppichkauen mit Unangenehmen verbunden.

Zweitens lernt er vielleicht. : Wenn Herrchen weg ist, ist Teppichkauen toll, da es den Zähnen gut tut.

Drittens könnte er lernen: Zerkauter Teppich und Herrchen im gleichen Raum bedeutet Ärger.

Oder aber: Jedes mal, wenn Herrchen nach Hause kommt, kann es Ärger geben, warum weiß man nicht.



Oft entwickelt sich so der typische

"der-weiß-ganz-genau-was-er-getan-hat-so-wie-er-angekrochen-kommt" -Hund.

In Wirklichkeit hat der Hund gelernt, dass kaputter Teppich und Besitzer zusammen Ärger bedeuten und versucht durch unterwürfiges Verhalten (Schwanzwedeln, eingeknickt laufen, Tröpchen fallen lassen...) den Besitzer zu beruhigen und zu beschwichtigen.



Dass er den Wutanfall hätte vermeiden können, indem er Stunden vorher nicht am Teppich gekaut hätte, weiß er nicht und wird er so nie lernen.



Im schlimmsten Fall verbindet der Hund den Ärger nicht mal mit Teppich + Besitzer, sondern lernt nur, dass Herrchen am besten immer beschwichtigt werden sollte, wenn er nach Hause kommt, da er oft ziemlich sauer ist und es Ärger geben könnte.

Warum und Weshalb weiß ihr Hund hier erst recht nicht.



Was dabei herauskommt, ist ein gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Besitzer, da aus Sicht des Hundes sein Besitzer nicht durchschaubar ist in seinem Verhalten und man nie wissen kann, wann und warum man sich Ärger einhandelt.





Der Knackpunkt bei der Hundeerziehung ist die Zeit. Alles was zur Zeit der Handlung maximal aber 1 Sekunde später Einfluss auf den Hund hat, kann mit der Handlung verbunden werden.

Das können Schmerzen, genauso gut sein, wie tolle Gerüche, die Umgebung genauso wie die Helligkeit. Das intensivste Gefühl während der Handlung hält sich am längsten.



Bei der Ausbildung wird das in dieser oder jener Form genutzt.



Will ich meinem Hund etwas beibringen, kann ich das entweder machen, indem ich alles, was nicht der gewünschten Handlung entspricht bestrafe, oder indem ich die gewünschte Handlung belohne und alles andere ignoriere.



Soll der Hund bei Fuß gehen, kann ich also entweder den Hund bestrafen, wenn er falsch läuft oder ich locke ihn und belohne ihn für das richtige Laufen.



Bei Ersterem habe ich eine Menge Arbeit damit, den Hund für seine falschen Handlungen (die anfangs ja zahlreich sind) zu bestrafen, bekomme außerdem einen Hund, der die Ausbildung hasst und gefährde zudem die Beziehung zu meinem Hund, da die Strafe meist von mir ausgeht.

Die Motivation des Hundes zum Lernen ist in diesem Fall die Vermeidung von Unannehmlichkeiten wie Leinenrucke, Stacheln am Hals oder noch Schlimmeres.



Bei der positiven Art der Ausbildung, wird der Hund belohnt, wenn er etwas richtig macht und falsches Verhalten ignoriert. Ich bekomme einen Hund, dem das Training Spaß macht und verstärke die Bindung zu meinem Tier.

Um das zu erreichen, brauche ich einen kontrollierbaren Motivator.



Motivatoren sind Dinge, die der Hund gern haben möchte oder machen möchte, wie Leckerli, Spiel, am Wegesrand schnüffeln oder zu anderen Hunden gehen.

Der Hund lernt bei dieser Methode, dass er (fast) alles tun und haben darf, wenn er das macht, was ich möchte.

So bekommt man einen trainingsbegeisterten Hund.



Bei dieser Ausbildung sind Strafen vollkommen überflüssig !



Warum also machen wir es uns so schwer unsere Hunde zu trainieren und ziehen und zerren an ihnen herum, ärgern uns selbst schwarz, wenn es doch so einfach geht?



Was wir wirklich endlich lernen müssen, ist dass Hunde das Sitz nicht wegen uns machen, sondern weil es für sie von Vorteil ist, sich auf Befehl zu setzen. Entweder bekommen sie nämlich Ärger wenn sie es nicht tun, oder sie sie bekommen Spiel und Spaß wenn sie es tun.



Und denken Sie mal drüber nach, ist es nicht beim Menschen genauso???


QUELLE:



Julia
chatty.gif
,
Kira
kira.gif
und
Merlin
rottruns.gif





[email protected]
 
  • 25. Mai 2024
  • #Anzeige
Hi Kira2000 ... hast du hier schon mal geguckt?
  • Gefällt
Reaktionen: Gefällt 23 Personen
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Hallo Kira,

Danke für diesen wunderbaren Beitrag.
Ich hoffe, daß nun einige vestehen können, warum ich nach divesen Hundeplatzerfahrungen meinen Hund lieber mit Click & Treat erzogen habe.

Ich kann jedes Wort in diesem Beitrag nur bestätigen.

Liebe Grüße

Beckersmom
facingbullyclear.gif
 
  • 25. Mai 2024
  • #Anzeige
Mein Benny ist auch so ein echter Chaoshund... 



Habt ihr es schon mit einer Hundeschule probiert? In zwei Hundeschulen haben wir seine Macken nicht in den Griff bekommen. Wir haben es dann letztlich mit einem Online Hundetraining von einer Hundetrainerin geschafft. Deutlich günstiger als die Hundeschule vor Ort ist es auch noch gewesen!

Hier der Link zu ihrer Seite! 
Möchte ich jedem Hundehalter ans Herz legen, der sich offen eingestehen kann, dass er seinen liebsten Vierbeiner eben doch nicht immer wie gewünscht im Griff hat.

Melde dich doch mal zurück, ob sie dir auch helfen konnte! 

LG Meike mit Benny
  • Freundlich
  • Gefällt
Reaktionen: Gefällt 14 Personen
Siehe dazu Karen Pryor's "Don't shoot the Dog".
In der Deutschen Fassung: "Positiv bestärken - sanft erziehen. Die verblüffende Methode, nicht nur für Hunde".

Sehr empfehlenswert!

Zur ebenso vorhandenen "negativen Bestärkung" fällt mir spontan eine Satire von Ephraim Kishon ein. Da gings um das Mischlingshündchen "Zwinji", das immer und ausschließlich im Haus auf einen bestimmten roten Teppich pinkelte. Die Versuche, ihm das abzugewöhnen waren gescheitert und der Besitzer holte sich Rat bei der "fachkundigen" Nachbarin:

(...) "Weil Sie (der Besitzer) ihn (den Hund) nicht richtig erzogen haben. Weil Sie mit Hunden nicht umgehen können. Weil Sie ihn falsch behandeln. Sie müssen jedesmal, wenn er den roten Teppich benützt, müssen Sie ihm jedesmal die Schnauze hineinstecken, dann müssen Sie ihm einen Klaps geben und ihn zum Fenster hinauswerfen. So macht man das."

Obwohl ich kein Freund körperlicher Züchtigung bin, machte ich es so.

Zwinji kam, sah und pinkelte - ich steckte seine Schnauze hinein, gab ihm einen Klaps und warf ihn zum Fenster hinaus. Die Prozedur wiederholte sich mehrmals am Tag, aber ich ließ nicht locker. Es war mein Lebensehrgeiz geworden, Zwinji seine schlechten Pinkelsitten abzugewöhnen.
Langsam, sehr langsam, begannen sich die Früchte meiner Geduld zu zeigen. Zwinji hat sich doch so manches gemerkt und manches abgewöhnt. Ich stelle das nicht ohne Genugtuung fest.
Gewiß, er pinkelt noch immer auf den roten Teppich - aber nachher springt er ganz von selbst aus dem Fenster, ohne die geringste Hilfe von meiner Seite, und wartet draußen auf mein Lob und meine Leckerbissen.
Immerhin ein Teilerfolg. (...)


Liebe Grüße

Sabine
 
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