Wetter 2021 - wie wird es dieses Jahr?

  • Candavio
Na ja, "es war bekannt was da kommt" und "warum hat man nicht evakuiert"...
Weil es viele Leute es schlicht und einfach nicht geglaubt hätten.
2004 war im Osten das "Jahrundert-Hochwasser".
Klar hat man im TV die Bilder gesehen, aber was es wirklich bedeutete habe ich erst verstanden, wie ich in Döbeln im Hof des Hauses meiner SchwieEltern die Hochwasser-Marke nur auf Zehenspitzen und mit ausgestrecktem Arm erreichen konnte. :eek:
Und ich bin immerhin 1,75 m...
Dort kam damals die Warnung zu spät, aber viele Döbelner haben mir erzählt, das, selbst wenn sie rechtzeitig gewarnt worden wären, sie es niemals geglaubt hätten das es so schlimm werden würde.
Warum soll es hier anders gewesen sein...
 
  • SaSa22
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Hi Candavio :hallo:... hast du hier schon mal geguckt?
  • lektoratte
In Erftstadt hat es das letzte Mal ein "starkes Hochwasser" gegeben - 1961 (!). Und das war ein Klacks im Vergleich zu diesem hier. Da sind den Leuten halt die Keller vollgelaufen.

Nina hat mich in diesem Sommer schon mindestens drei Mal vor Starkregen gewarnt, und einmal hatten wir sogar welchen - aber sowas?

In Erftstadt kamen zwei Sachen zusammen:

Ein Damm, der die Kiesgrube absichern sollte, wurde weit überspült... (edit: Und der war weit über das Jahrhunderthochwasser 1961 hinaus konzipiert) und als die vollgelaufen war, konnte das Wasser im lockeren Untergrund Blessem unterspülen. Dazu beigetragen hat auch, dass die Grube in den letzten 7 Jahren enorm vergrößert wurde und dichter an den Ort herangerückt ist.

Und die Bundesstraße wurde in kürzester Zeit geflutet, weil eine Lärmschutzwand gebrochen ist, hinter der das Wasser bis fast oben stand. Dann lief alles mit einem Schwall auf die Straße.

Nee, war doch noch mehr: Mehrere Rückhaltebecken waren überfüllt und sind übergelaufen... aber die ersten zwei Punkte waren schon sehr ortsspezifisch und haben die Lage dort erheblich verschlimmert.

Zum Thema "Warnen" habe ich noch einen interessanten Artikel gefunden:



Demnach war beim Europäischen Warnsystem schon 24 Stunden vorher bekannt, wo in etwa es besonders schlimm würde - aber die Weiterleitung ist anscheinend am deutschen Föderalismus gescheitert.

Zum Thema Feuerwehr, THW und Co möchte ich anmerken, dass die in Vollbesetzung seit Donnerstag am Anschlag geschuftet haben. Die sind vielleicht mittlerweile in einem Stadium angelangt, wo sie dann auch mal schlafen müssen. Dann muss halt zwei Tage später weiter aufgeräumt werden, nutzt ja nix.
 
  • lektoratte
Diese weggespülten Häuser sind meist sehr alte Häuser. Da gibts ja so gut wie keine oder nur sehr "schwache" Fundamente drunter. Deshalb können die auch unterspült werden

Ich denke, das traf weder auf Blessem noch auf die Ahr zu.

In Blessem wurde von der Kiesgrube aus der gesamte Untergrund des Dorfes aufgeweicht und ist dann einfach weggerutscht. Da sind mehrere Häuser einfach weggewesen, und die waren nicht alle "alt".
Dann ist auf 40 m ein Stück A1 abgebrochen und in den Fluss gefallen, das war auch nicht unsolide gebaut.

Und ich denke, so war es auch an der Ahr. Da kam so viel Wasser, das hat einfach den Untergrund auch bei solide gebauten Häusern mitgerissen.

Und nein, ehrlich, solange da nur etwas von Starkregen steht und nichts von "Verlassen Sie das Gebiet, es besteht Lebensgefahr, Betroffene finden sich bitte an Ort XY ein", erwarte ich Starkregen und meinetwegen volle Keller und Wasser im Untergeschoss, nicht sowas.
 
  • lektoratte
Ach - hier noch etwas zu den "Plünderungen":

 
  • lektoratte
Und nein, ehrlich, solange da nur etwas von Starkregen steht und nichts von "Verlassen Sie das Gebiet, es besteht Lebensgefahr, Betroffene finden sich bitte an Ort XY ein", erwarte ich Starkregen und meinetwegen volle Keller und Wasser im Untergeschoss, nicht sowas.

Entschuldigt, dass ich dieses Fass noch einmal aufmache - Anlass für meinen Post war ein Interview mit so einem Katastrophenschützer (muss mal gucken, ob ich das wiederfinde), der einerseits sagte: „Naja, es wurde ja gewarnt - die Leute haben das aber nicht ernst genommen, die dachten halt, denen läuft mal der Keller voll“ - während er im selben Beitrag anmerkte, dass auch bei den Katastrophenschützern keiner diese Wassermengen vorhergesehen habe… ja, was denn nun?

Fairerweise wollte ich aber ergänzen, dass speziell Blessem zum Zeitpunkt des Erdrutsches eigentlich seit Stunden evakuiert war.

Es waren aber diverse Leute nicht gegangen bzw. sogar in ihre Häuser zurückgekehrt, und dann war das Entsetzen groß, als das Wasser kam.

So menschlich verständlich es vielleicht ist, sein Haus nicht allein lassen zu wollen: Wenn schon eine Evakuierung erfolgt, sollte man die vielleicht auch mitmachen, denn die wird ja sicherlich nicht zum Spaß angeordnet.

Da greift: „Uns hat ja keiner was gesagt“ jedenfalls dann nicht mehr.
 
  • Joki Staffi
@Candavio
2002 war es. Und 2013 haben wir nochmal ordentlich geblutet. Vorallem bei uns, wo die Goitzsche ja nun nach 2002 mehr als voll war und demnach nix mehr aufnehmen konnte. Und die Mulde aber überall über die Ufer war schon.
Es waren beide Jahre sehr, sehr schlimm. Die Menschen verloren alles. Und auch wir haben damals eine große Welle der Hilfe erfahren. Und mir geht gerade jetzt schon bissel der Oarsch auf Grundeis, denn das was jetzt von Richtung Passau und dem Osten Bayerns kommt, kommt auch zu uns.

Philipp sein Kamerad ist da mitten drin gerade, da wo die Rodelbahn weg gerissen wurde wohnt der. Die Menschen tun mir so leid, ich weiß wie es ist, wie es da aussieht.
 
  • snowflake
Das wiederspricht dann aber mit dem gesunden Menschenverstand :D
Nein, finde ich nicht. Ich finde es grundsätzlich sehr realistisch davon auszugehen, dass man in einem Haus mehr Schutz vor Unwetter und auch vor reißendem Wasser hat als außerhalb eines Hauses. Und es entspricht ja nun nicht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Häuser weggespült werden.
 
  • Crabat

Was ich gemeint habe, wenn alle schreiben „die Feuerwehr macht ja nichts“ und nur private Leute helfen uns. Es gibt doch meistens zwei Seiten.
 
  • BlackCloud
Ich finde dieses gegenseitige Bashing absolut unnötig. Da sind Menschen in Not, hier sind Menschen und Tiere gestorben. Gerade jetzt sollten wir ALLE zusammenhalten.
 
  • lektoratte
Wenn gut gemeinte, aber schlecht geplante Amateur-Rettungseinsätze die “Retter” und deren Retter in Gefahr bringen, dann ist der Hinweis darauf kein Bashing, sondern durchaus sinnvoll.
 
  • heisenberg
Nein, finde ich nicht. Ich finde es grundsätzlich sehr realistisch davon auszugehen, dass man in einem Haus mehr Schutz vor Unwetter und auch vor reißendem Wasser hat als außerhalb eines Hauses. Und es entspricht ja nun nicht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Häuser weggespült werden.
naja. Ok, ich war auch mal im Katastropenschutz tätig und habe Wasser in all seiner Kraft erlebt und ich habe Respekt gelernt, was da passieren kann. Habe auch schon einmal einen Tornado in den Staaten erlebt. Und die Verwüstung danach. Ich würde bei einer Unwetter-Warnung, wenn ich in einem Tal umgeben von Wasser und Bergen leben würde, Schutz nicht in einem Haus in einer so exponierten Lage suchen. Und die Leute vom Katastropehenschutz hätten meiner Meinung nach, wenn sie was von Ihrem Job verstehen, rechtzeitig gewarnt und rechtzeitig evakuieren lassen können. Ich erwarte ja nicht, dass jeder Bürger dieses Wissen hat, aber eine Warnung, sei es durch Sirenen oder in den Medien und die entsprechenden Sicherheitsanweisungen hätten bestimmt viele Tote erspart. Ich hoffe ja sehr, man lernt jetzt mal daraus.
 
  • Crabat
Wo sollte man auch hingehen? Wenn ich so eine Warnung bekomme und NICHT evakuiert werde, wie weit soll ich denn fahren mit Hunden und Hühnern? Mit Hühnern ins Hotel oder was?
Wenn die Gemeinde evakuiert aufgrund einer Warnung: ja klar. Aber nur wegen einer App pack ich doch keinen Laster voll.
 
  • heisenberg
Meine Beobachtung des Geschehens aus den medien (ich war ja nicht dabei) ist halt, dass man erst sehr kurzfristig mit den Evakuierungen begonnen hat. Aber der Schutz der Bevölkerung vor Unwettern fängt ja nicht erst bei der Evakuierung an, sondern schon vorher: Dämme, Hochwasserareale für Flüsse und Bäche, Lage von Wohnsiedlungen etc...
 
  • toubab
Ich bin mit diesen film gross geworden, angst und respekt für wasser wurde uns hollaender mit den breilöffel eingetrichtert.

 
  • DobiFraulein
Verstehe Dich gerade nicht ;)
ihrer Lebenserfahrung (vor deinem Edith ;) ) entspricht es nicht, dass Häuser weggespült werden

Ich weiß nicht, wie viele Jahrzehnte viele der Opfer in diesem Tal schon gewohnt haben
Aber es war bestimmt nicht der erste Starkregen, der da runter ging.

Die Warnung in den Apps war doch Unwetterwarung/Starkregen - nicht: Achtung Sturzflut
 
  • BlackCloud
Wenn gut gemeinte, aber schlecht geplante Amateur-Rettungseinsätze die “Retter” und deren Retter in Gefahr bringen, dann ist der Hinweis darauf kein Bashing, sondern durchaus sinnvoll.
Das meine ich doch überhaupt nicht. Sondern ständig diese Aussagen, dass die Feuerwehr und das THW nichts tun würden. Und diese Vorwürfe kommen auch von professionellen Tierrettern und Hilfsorganisationen.
 
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