Wolfgang
KSG-Haarspalter™
24.08.2004 04:55
Pitty kostet so viel wie Bello
Warum die Stadt Konstanz bisher keine Kampfhundesteuer eingeführt hat
Konstanz
VON GWENDOLYN WHITTAKER
Bild:
Für diesen Pittbull und den Staffordshire Terrier wird in Konstanz keine Kampfhundesteuer erhoben. Aus steuer- und ordnungsrechtlicher Sicht stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis. Bild: Archiv
Der will nur spielen, keine Angst", lautet stets die beruhigende Beschwichtigung von Herrchen oder Frauchen, wenn ihr Bello einen ahnungslosen Spaziergänger anspringt. Bei Dackeln mag das noch erträglich sein - unangenehmer wird es, wenn der kleine Pittbull "spielen" will. In unregelmäßigen Abständen wurden immer wieder Fälle bekannt, in denen Kampfhunde Menschen angefallen haben.
Ein Ansatz, die Haltung der vermeintlich gefährlichen Tiere zurückzudrängen, soll die Kampfhundesteuer sein. Diese ist allerdings keine obligatorische Steuer, denn über ihre Erhebung und Ausgestaltung entscheidet jede Gemeinde innerhalb der Richtlinien des Landesgesetzes selbst. Viele baden-württembergische Städte haben auf die Kampfhundesteuer verzichtet - neben Karlsruhe, Freiburg, Ulm und Tübingen auch Konstanz.
Von steuerlicher Seite ziehe man wenig Nutzen aus einer solchen Erhebung, erklärt Frank Riester, stellvertretender Abteilungsleiter der Kämmerei im Bereich Steuern. Die normale Hundesteuer betrage in Konstanz 73,63 Euro. "Bei der Kampfhundesteuer ließe sich der bis zu achtfache Satz der regulären Hundesteuer vom Kampfhundbesitzer verlangen.", sagt Riester. Ob der betreffende Personenkreis sich aber von 589,04 Euro abschrecken ließe, sei fraglich. "Bei den täglichen Kosten für ein solches Tier macht die Steuer keinen großen Unterschied mehr. Außerdem bestehen Zweifel, ob die problematische Gruppe ihre Hunde überhaupt anmeldet.", äußert er Bedenken. Als Kampfhunde gelten der aktuellen baden-württembergischen Liste zufolge Pittbull, Staffordshire und der American Pittbull Terrier. Vorsichtig geschätzt, gebe es derzeit etwa zwanzig solcher Hunde in Konstanz: "Bei dieser geringen Zahl stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis.", meint Riester.
Auch im Hinblick auf das Ordnungsrecht sieht Hans-Rudi Fischer, Leiter des Bürgeramtes Konstanz, derzeit keine Notwendigkeit für eine Steuer. Nach Erlass der neuen Verordnung im August 2000 waren fünfzehn Kampfhunde in Konstanz gemeldet, von denen vierzehn den erforderlichen "Verhaltenstest" bestanden haben. Die Steuer als Lenkungsinstrument sei auch insofern nicht erforderlich, als die ordnungsrechtlichen Bestimmungen bereits sehr streng ausgestaltet würden. Neben einer theoretischen und praktischen Sachkundigkeitsprüfung für den Besitzer muss außerdem ein begründetes Interesse vorliegen. Dazu kommen Leinen- und in besonderen Fällen Maulkorbzwang, Kennzeichnungspflicht, und einiges mehr. "Wer diesen Aufwand auf sich nimmt, um einen Kampfhund zu halten, der bezahlt auch die Steuer", meint Fischer.
Die jetzige Einschätzung gelte allerdings nicht als ewige Wahrheit, betonte Riester: "Im Moment ist kein Anlass gegeben. Sollte aber erhöhtes Interesse am Thema bestehen, lässt es sich erneut prüfen."
Silvia Walden, Tierpflegerin im Tierschutzheim Konstanz, steht dem Konzept ebenfalls skeptisch gegenüber. Anstatt eine Steuer zu erheben, müsste man vielmehr die Kompetenzen der Besitzer strenger unter die Lupe nehmen: "Wenn wir von Wesenstests' sprechen, sollte man den eher für das Herrchen geben. Denn es sind die Besitzer, die sich in brenzligen Situationen zu wenig auf den Hund einlassen und alarmierende Zeichen nicht verstehen." Den gefürchteten Test hätten bisher alle "Listenhunde" im Tierschutzheim bestanden, berichtet sie. Es gehe vor allem um die Reaktion der Tiere - auf ein plötzlich nahendes Auto oder einen abrupt aufgespannten Regenschirm. Die Tiere der Kategorie "Kampfhunde" hätten im allgemeinen eine niedrigere Aggressionsschwelle. Die Auszubildende Carolin Meier ergänzt, die Steuer könne gewisse Rassen in den Griff bekommen. Allerdings würden immer neue gezüchtet. "Auch in dieser Hinsicht ist die Steuer wenig sinnvoll."
Pitty kostet so viel wie Bello
Warum die Stadt Konstanz bisher keine Kampfhundesteuer eingeführt hat
Konstanz
VON GWENDOLYN WHITTAKER
Bild:
Für diesen Pittbull und den Staffordshire Terrier wird in Konstanz keine Kampfhundesteuer erhoben. Aus steuer- und ordnungsrechtlicher Sicht stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis. Bild: Archiv
Der will nur spielen, keine Angst", lautet stets die beruhigende Beschwichtigung von Herrchen oder Frauchen, wenn ihr Bello einen ahnungslosen Spaziergänger anspringt. Bei Dackeln mag das noch erträglich sein - unangenehmer wird es, wenn der kleine Pittbull "spielen" will. In unregelmäßigen Abständen wurden immer wieder Fälle bekannt, in denen Kampfhunde Menschen angefallen haben.
Ein Ansatz, die Haltung der vermeintlich gefährlichen Tiere zurückzudrängen, soll die Kampfhundesteuer sein. Diese ist allerdings keine obligatorische Steuer, denn über ihre Erhebung und Ausgestaltung entscheidet jede Gemeinde innerhalb der Richtlinien des Landesgesetzes selbst. Viele baden-württembergische Städte haben auf die Kampfhundesteuer verzichtet - neben Karlsruhe, Freiburg, Ulm und Tübingen auch Konstanz.
Von steuerlicher Seite ziehe man wenig Nutzen aus einer solchen Erhebung, erklärt Frank Riester, stellvertretender Abteilungsleiter der Kämmerei im Bereich Steuern. Die normale Hundesteuer betrage in Konstanz 73,63 Euro. "Bei der Kampfhundesteuer ließe sich der bis zu achtfache Satz der regulären Hundesteuer vom Kampfhundbesitzer verlangen.", sagt Riester. Ob der betreffende Personenkreis sich aber von 589,04 Euro abschrecken ließe, sei fraglich. "Bei den täglichen Kosten für ein solches Tier macht die Steuer keinen großen Unterschied mehr. Außerdem bestehen Zweifel, ob die problematische Gruppe ihre Hunde überhaupt anmeldet.", äußert er Bedenken. Als Kampfhunde gelten der aktuellen baden-württembergischen Liste zufolge Pittbull, Staffordshire und der American Pittbull Terrier. Vorsichtig geschätzt, gebe es derzeit etwa zwanzig solcher Hunde in Konstanz: "Bei dieser geringen Zahl stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis.", meint Riester.
Auch im Hinblick auf das Ordnungsrecht sieht Hans-Rudi Fischer, Leiter des Bürgeramtes Konstanz, derzeit keine Notwendigkeit für eine Steuer. Nach Erlass der neuen Verordnung im August 2000 waren fünfzehn Kampfhunde in Konstanz gemeldet, von denen vierzehn den erforderlichen "Verhaltenstest" bestanden haben. Die Steuer als Lenkungsinstrument sei auch insofern nicht erforderlich, als die ordnungsrechtlichen Bestimmungen bereits sehr streng ausgestaltet würden. Neben einer theoretischen und praktischen Sachkundigkeitsprüfung für den Besitzer muss außerdem ein begründetes Interesse vorliegen. Dazu kommen Leinen- und in besonderen Fällen Maulkorbzwang, Kennzeichnungspflicht, und einiges mehr. "Wer diesen Aufwand auf sich nimmt, um einen Kampfhund zu halten, der bezahlt auch die Steuer", meint Fischer.
Die jetzige Einschätzung gelte allerdings nicht als ewige Wahrheit, betonte Riester: "Im Moment ist kein Anlass gegeben. Sollte aber erhöhtes Interesse am Thema bestehen, lässt es sich erneut prüfen."
Silvia Walden, Tierpflegerin im Tierschutzheim Konstanz, steht dem Konzept ebenfalls skeptisch gegenüber. Anstatt eine Steuer zu erheben, müsste man vielmehr die Kompetenzen der Besitzer strenger unter die Lupe nehmen: "Wenn wir von Wesenstests' sprechen, sollte man den eher für das Herrchen geben. Denn es sind die Besitzer, die sich in brenzligen Situationen zu wenig auf den Hund einlassen und alarmierende Zeichen nicht verstehen." Den gefürchteten Test hätten bisher alle "Listenhunde" im Tierschutzheim bestanden, berichtet sie. Es gehe vor allem um die Reaktion der Tiere - auf ein plötzlich nahendes Auto oder einen abrupt aufgespannten Regenschirm. Die Tiere der Kategorie "Kampfhunde" hätten im allgemeinen eine niedrigere Aggressionsschwelle. Die Auszubildende Carolin Meier ergänzt, die Steuer könne gewisse Rassen in den Griff bekommen. Allerdings würden immer neue gezüchtet. "Auch in dieser Hinsicht ist die Steuer wenig sinnvoll."