Eichstätt
Hundemeute jagt im Schweinestall
Polizei erschießt zwei der Angreifer, "um weiteres Gemetzel zu vermeiden"
Pietenfeld (aur) Horror in einem Pietenfelder Schweinestall: Eine Hundemeute, die speziell für die Wildschweinjagd abgerichtet ist, ist Sonntagfrüh in den Stall eingedrungen und hat dort unter Jungschweinen gewütet. Beamte der Polizeiinspektion Eichstätt, die vom betroffenen Landwirt alarmiert worden waren, machten dem Spuk ein Ende und erschossen zwei der Jagdhunde, nachdem sie keine andere Möglichkeit sahen, die Schweine zu retten. Letztlich wurden acht Schweine aus Anraten der Polizei und nach Rücksprache mit dem Hoftierarzt notgeschlachtet. Es handelte sich um Jungtiere mit einem Gewicht von etwa 36 Kilo.
"Ließen sich nicht ablenken"
Wie die Polizeiinspektion gestern berichtete, war der Sohn des Pietenfelder Landwirts am Sonntag gegen 8 Uhr durch Hundegebell und lautes Schreien seiner Schweine auf die Eindringlinge aufmerksam geworden. Als die sofort verständigte Eichstätter Polizei in dem Stall eintraf, hatten dort drei oder vier Hunde den Hof bereits verlassen, während zwei Hunde weiter auf die Schweine einbissen. Im Polizeibericht heißt es weiter: "Da sich die wütenden Tiere nicht ablenken ließen, mussten die Polizisten sie mit gezielten Schüssen erschießen, um weiteres Gemetzel unter den Schweinen zu vermeiden."
Wie sich herausstellte, gehörten die Hunde einem Unternehmer aus dem knapp drei Kilometer entfernten Adelschlag. Wie der Unternehmer gestern gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER sagte, sind seine elf Hunde Mischlinge, eine Kreuzung aus Münsterländern und dem in Deutschland äußerst seltenen "englischen Plotthound". Sie sind ausschließlich für die Jagd auf Wildschweine abgerichtet und speziell für "großräumiges Revieren" gezüchtet, das heißt, sie spüren den Wildschweinen mit unglaublichem Geruchssinn über weite Distanzen nach. Der Unternehmer fährt mit dieser "Schwarzwildmeute" durch ganz Deutschland und treibt bei Großjagden - "oft mit Politik und Adel" - den Jägern die begehrte Beute zu. Menschen gegenüber seien die Hunde "absolut nicht aggressiv", stellt er klar. Die wertvollen Hunde hält der Adelschlager in einem großen Zwinger.
Am Sonntag gegen 8 Uhr bemerkte er, dass die Tür offen stand und die gesamte Meute ausgebüxt war - zu diesem Zeitpunkt wurde es in Pietenfeld gerade ernst. Der Unternehmer ist überzeugt, dass die Zwingertür verriegelt war und die Meute absichtlich von einem Unbekannten freigelassen wurde. Er habe da wohl einen Feind, mutmaßt er und kündigt Anzeige gegen Unbekannt an.
Als der Hundehalter von der Polizei nach Pietenfeld gerufen wurde, waren zwei seiner Hunde schon erschossen, die anderen konnte er einfangen. Wie er der Polizei gegenüber sagte, gehe von den Hunden keine Gefahr für Menschen aus. Sie hätten auch keine Schweine "totgebissen", sondern nur wie bei der Jagd in die Beine gebissen. Denn bei der Jagd gehe es darum, dass die Hunde die Wildschweine in Bewegung bringen und auftreiben, sie aber auf keinen Fall töten. Dieses Privileg ist Jägersache. Dass sie jetzt überraschenderweise nicht nur auf wilde Schweine, sondern auch auf Hausschweine Jagd machten, nennt er einen "blöden Zufall".
Der betroffene Pietenfelder Landwirt sagte auf Anfrage, die Hunde seien offenbar über die nur angelehnte Tür der Futterkammer in den Saustall eingedrungen und hätten seine Schweine schwer verletzt. Die Tiere seien noch lange danach völlig verschreckt gewesen und "in der Ecke wie die Schafe aufeinandergesessen". Dem Adelschlager nimmt der Bauer die Sache nicht krumm: "Das passiert halt einmal." Die Versicherung des Hundehalters komme für den Schaden auf.
Der Leiter der Polizeiinspektion, Helmut Wühr, meinte gestern zu der Hundeattacke: "Das war schon recht derb." Der Bauer habe völlig richtig gehandelt, dass er nicht selbst in das Schweinegatter gegangen sei, um seine Tiere zu retten, sondern gleich die Polizei holte.
"Völlig unauffällige Tiere"
Amtstierarzt Dr. Theodor Mantel, im Landratsamt Eichstätt Hundeexperte, erklärte gestern, die Plotthounds seien Jagdhunde mittlerer Größe mit glattem, braunen Fell. "Ein völlig unauffälliger Hund." Mantel hatte die Tiere erst vor wenigen Wochen besichtigt: Da hatte ein Anrufer behauptet, die Hunde würden unsachgemäß gehalten. Die Visite ergab dann, dass die großzügige bemessene Zwingeranlage sogar vorbildlich ist.
DONAUKURIER , Richard Auer, 04.09.2001, 02:09
Hundemeute jagt im Schweinestall
Polizei erschießt zwei der Angreifer, "um weiteres Gemetzel zu vermeiden"
Pietenfeld (aur) Horror in einem Pietenfelder Schweinestall: Eine Hundemeute, die speziell für die Wildschweinjagd abgerichtet ist, ist Sonntagfrüh in den Stall eingedrungen und hat dort unter Jungschweinen gewütet. Beamte der Polizeiinspektion Eichstätt, die vom betroffenen Landwirt alarmiert worden waren, machten dem Spuk ein Ende und erschossen zwei der Jagdhunde, nachdem sie keine andere Möglichkeit sahen, die Schweine zu retten. Letztlich wurden acht Schweine aus Anraten der Polizei und nach Rücksprache mit dem Hoftierarzt notgeschlachtet. Es handelte sich um Jungtiere mit einem Gewicht von etwa 36 Kilo.
"Ließen sich nicht ablenken"
Wie die Polizeiinspektion gestern berichtete, war der Sohn des Pietenfelder Landwirts am Sonntag gegen 8 Uhr durch Hundegebell und lautes Schreien seiner Schweine auf die Eindringlinge aufmerksam geworden. Als die sofort verständigte Eichstätter Polizei in dem Stall eintraf, hatten dort drei oder vier Hunde den Hof bereits verlassen, während zwei Hunde weiter auf die Schweine einbissen. Im Polizeibericht heißt es weiter: "Da sich die wütenden Tiere nicht ablenken ließen, mussten die Polizisten sie mit gezielten Schüssen erschießen, um weiteres Gemetzel unter den Schweinen zu vermeiden."
Wie sich herausstellte, gehörten die Hunde einem Unternehmer aus dem knapp drei Kilometer entfernten Adelschlag. Wie der Unternehmer gestern gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER sagte, sind seine elf Hunde Mischlinge, eine Kreuzung aus Münsterländern und dem in Deutschland äußerst seltenen "englischen Plotthound". Sie sind ausschließlich für die Jagd auf Wildschweine abgerichtet und speziell für "großräumiges Revieren" gezüchtet, das heißt, sie spüren den Wildschweinen mit unglaublichem Geruchssinn über weite Distanzen nach. Der Unternehmer fährt mit dieser "Schwarzwildmeute" durch ganz Deutschland und treibt bei Großjagden - "oft mit Politik und Adel" - den Jägern die begehrte Beute zu. Menschen gegenüber seien die Hunde "absolut nicht aggressiv", stellt er klar. Die wertvollen Hunde hält der Adelschlager in einem großen Zwinger.
Am Sonntag gegen 8 Uhr bemerkte er, dass die Tür offen stand und die gesamte Meute ausgebüxt war - zu diesem Zeitpunkt wurde es in Pietenfeld gerade ernst. Der Unternehmer ist überzeugt, dass die Zwingertür verriegelt war und die Meute absichtlich von einem Unbekannten freigelassen wurde. Er habe da wohl einen Feind, mutmaßt er und kündigt Anzeige gegen Unbekannt an.
Als der Hundehalter von der Polizei nach Pietenfeld gerufen wurde, waren zwei seiner Hunde schon erschossen, die anderen konnte er einfangen. Wie er der Polizei gegenüber sagte, gehe von den Hunden keine Gefahr für Menschen aus. Sie hätten auch keine Schweine "totgebissen", sondern nur wie bei der Jagd in die Beine gebissen. Denn bei der Jagd gehe es darum, dass die Hunde die Wildschweine in Bewegung bringen und auftreiben, sie aber auf keinen Fall töten. Dieses Privileg ist Jägersache. Dass sie jetzt überraschenderweise nicht nur auf wilde Schweine, sondern auch auf Hausschweine Jagd machten, nennt er einen "blöden Zufall".
Der betroffene Pietenfelder Landwirt sagte auf Anfrage, die Hunde seien offenbar über die nur angelehnte Tür der Futterkammer in den Saustall eingedrungen und hätten seine Schweine schwer verletzt. Die Tiere seien noch lange danach völlig verschreckt gewesen und "in der Ecke wie die Schafe aufeinandergesessen". Dem Adelschlager nimmt der Bauer die Sache nicht krumm: "Das passiert halt einmal." Die Versicherung des Hundehalters komme für den Schaden auf.
Der Leiter der Polizeiinspektion, Helmut Wühr, meinte gestern zu der Hundeattacke: "Das war schon recht derb." Der Bauer habe völlig richtig gehandelt, dass er nicht selbst in das Schweinegatter gegangen sei, um seine Tiere zu retten, sondern gleich die Polizei holte.
"Völlig unauffällige Tiere"
Amtstierarzt Dr. Theodor Mantel, im Landratsamt Eichstätt Hundeexperte, erklärte gestern, die Plotthounds seien Jagdhunde mittlerer Größe mit glattem, braunen Fell. "Ein völlig unauffälliger Hund." Mantel hatte die Tiere erst vor wenigen Wochen besichtigt: Da hatte ein Anrufer behauptet, die Hunde würden unsachgemäß gehalten. Die Visite ergab dann, dass die großzügige bemessene Zwingeranlage sogar vorbildlich ist.
DONAUKURIER , Richard Auer, 04.09.2001, 02:09

