Politisches Tagesgeschehen

Wie meinst du denn, dass man das lösen könnte oder sollte?
Ich bin ja nur Laie, ich weiß es auch nicht, aber ich wundere mich schon sehr, daß nach solchen Taten eigentlich immer die "Erklärung" folgt, daß der Täter psychisch krank war / ist. Daraus würde ich schlussfolgern (was du auch sagtest), dass es dann ja wohl offensichtlich viel zu wenig Behandlungsmöglichkeiten und auch zu wenig langfristige Betreuungskonzepte für solche Leute gibt.

Außerdem frage ich mich, ob man da eigentlich am Ball ist mal genau zu analysieren, wie es im einzelnen zustande kommt, daß heutzutage fast jeder Mensch früher oder später mehr oder weniger mit psychischen Problemen zu tun hat und daß diese bei offensichtlich immer mehr Leuten dann auch zu ernsthaften gewalttätigen Ausbrüchen führen?

Müsste man nicht diesen Fragen intensiv nachgehen, statt über "Messerverbote" zu diskutieren?
 
@sleepy

Nicht jeder Mensch hat behandlungsbedürftig mit psychischen Problemen zu tun und zum Glück wird auch nicht lange jeder gewalttätig.

Dass es im Moment mehr Taten in die überregionalen Nachrichten schaffen, liegt am Vorfall in Mannheim und dass öfter geschossen wird, mutmaßlich desgleichen.

Aber die Situation ist dennoch absolut katastrophal.

Meine Cousine war zB mit einer halben Stelle (die anderen 50 % waren an einer Klinik) lange die einzige arbeitsfähige niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiaterin für einen ganzen (ländlicheren) Landkreis hier in NRW.

Erwachsenenpsychiater gab es (meine ich) 4 oder 5, das war jetzt auch nicht so viel besser.
 
Und dazu kommt, dass sehr viele Gruppenangebote durch Corona eingestampft und bisher nur teilweise wieder eröffnet wurden.

Das hat die Lage für die einzelnen Patienten nicht verbessert.
 
@sleepy

Interessant vielleicht in diesem Zusammenhang - das hatte ich gestern Abend angefangen, bin aber noch nicht durch damit:

 
@sleepy

Nicht jeder Mensch hat behandlungsbedürftig mit psychischen Problemen zu tun und zum Glück wird auch nicht lange jeder gewalttätig.

Dass es im Moment mehr Taten in die überregionalen Nachrichten schaffen, liegt am Vorfall in Mannheim und dass öfter geschossen wird, mutmaßlich desgleichen.

Aber die Situation ist dennoch absolut katastrophal.

Meine Cousine war zB mit einer halben Stelle (die anderen 50 % waren an einer Klinik) lange die einzige arbeitsfähige niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiaterin für einen ganzen (ländlicheren) Landkreis hier in NRW.

Erwachsenenpsychiater gab es (meine ich) 4 oder 5, das war jetzt auch nicht so viel besser.
Ich meinte auch nicht, daß JEDER Mensch behandlungsbedürftig mit psychischen Problemen zu tun hat. Deshalb schrieb ich ja, daß "fast jeder Mensch früher oder später mehr oder weniger mit psychischen Problemen zu tun hat". Damit wollte ich ausdrücken, daß die psychischen Probleme insgesamt (sogar schon bei Kindern...) so stark zugenommen haben, daß es sowieso wesentlich mehr Behandlungsmöglichkeiten bräuchte. (Wer "nur" eine leichte Depression hat oder gerade dabei ist, sich in einen Burn-out zu manövrieren, hat doch oft genug gar keine Chance auf schnelle Hilfe - weil es weit und breit keine gibt. Und schnell schon gar nicht.)
Wenn es also für all die "kleinen" psychischen Krisen schon keine Hilfe gibt, scheint mir klar, daß sich die eine oder andere davon "ungestört" zu einer ernsthaften Problematik auswachsen kann, von denen wiederum ein gewisser Teil irgendwie gewalttätig endet und es schlimmstenfalls in die Presse schafft.

Und ich bin nicht der Meinung, daß der jüngste tödliche Vorfall in Mannheim dazu führt, dass es mehr Taten in die Nachrichten schaffen. Es gibt schon seit Jahren diese Vorfälle, immer wieder, und die entsprechenden Kriminalstatistiken belegen ja auch eindeutig, daß die Zahlen förmlich "explodieren" im Vergleich zu früheren Zeiten. Solche Taten "schaffen" es in die Nachrichten, weil sie passieren. Immer wieder. Immer öfter. Dafür muß es ja Gründe geben. Und die gilt es herauszufinden und zu bekämpfen, meine ich. Verschärfung der Waffengesetze, wie politisch diskutiert, wäre nur herumdoktorn am Symptom und würde das Problem nicht an der Wurzel packen. Ist die Frage, ob das Sinn macht.
 
@sleepy

Ah, ok, dann habe ich dich nicht ganz richtig verstanden.

Ich stimme dir im Wesentlichen zu - bis auf den Punkt mit der Presse.
 
Womit ich meine:

Dass ein Thema überregional an Nachrichtenwert gewinnt, wenn es einen spektakulären Fall gab, ist sogar wissenschaftlich erwiesen.

Hundebisse - Hamburg 2000 wäre dafür ein ziemlich gutes Beispiel.

Damit meine ich nicht, dass solche Vorfälle wie der in Mannheim selten sind… sondern dass sie schon vorher nicht so selten waren, aber seltener Schlagzeilen gemacht haben.

Denn die Probleme bezüglich der psychotherapeutischen/psychiatrischen Versorgung bestehen ja auch schon „länger“.

Also, 10 Jahre oder mehr.

Edit: Alles, was du geschrieben hast, ist also aus meiner Sicht richtig, aber das eben tatsächlich nicht erst „seit Mannheim“, oder seit den drei Fällen davor oder danach.

Ich finde es übrigens erschreckend, wie viele Leute in den Kommentaren auf YouTube oder in der Presse nur den Schluss „Abschieben“ oder „Danke, Merkel” oder “Rübe ab!“ ziehen, und „psychische Probleme“ als „Ausrede“ und „Entschuldigung für alles“ und dir Erfindung linksgrüner Gutmenschen einordnen.
 
Als wichtige Beitragsfaktoren sehe ich (neben der Pandemie als Phase essenzieller Verunsicherung:(

1. eine generelle Phase steigender wirtschaftlicher, sozialer und politischer Unsicherheit. Das betrifft derzeit mE vor allem Männer. Egal aus welchem Kulturkreis.

Es gibt Studien dazu, das in Zeiten zB wirtschaftlicher Krisen die psychischen Probleme bei gesellschaftlich privilegierten Gruppen zunehmen. Mögliche Erklärung: Diese geraten unter Druck und befürchten, alles Erreichte zu verlieren.

Bei unterprivilegierten Gruppen ist es umgekehrt: die merken dann, wenn es eigentlich allen gut gehen sollte, wie viel schlechter es ihnen geht als der Vergleichsgruppe, und dann nehmen anscheinend Depressionen zu.

Ich denke, bei männlichen Zuwanderern aus konservativ-patriarchalen Gesellschaften (das muss nicht allein der Islam sein) greift das Ganze gleich doppelt:

1. sehen sie deutlich, was aus ihrer Sicht hier „alle“ haben, sie aber eben nicht - mit begrenzten Chancen, das schnell zu erreichen…

Und 2. erhalten sie hier generell weniger Respekt für ihren sozialen Status „als Mann“, als sie es gewohnt sind und implizit für natürlich halten - sie verlieren also auch noch das, was sie schon haben. Selbst einheimische Männer respektieren sie weniger als zuhause.

Die Lage ist also gleich doppelt frustrierend.

Zweitens: die vermehrte Zugänglichkeit diverser weiterer Rauschdrogen neben Alkohol. Es ist belegt, dass eine Sucht oft der Versuch des Organismus ist, eine Depression per Selbsttherapie zu heilen.
Oder anders: Man weiß, dass einem gewissen Prozentsatz von Alkoholismus eine maskierte Depression zugrunde liegt.

Heute werden aber weiträumig auch andere Drogen konsumiert, und manche davon erhöhen bei entsprechender Veranlagung das Risiko für die Entstehung von Psychosen.

Drittens - persönliche Meinung, mW nicht belegt: Das Internet mit seiner Organisation in Meinungsblasen leistet der Manifestation von wahnhaften Ideen und der Sebstisolation und -radikalisierung massiven Vorschub.

Da sehe ich die Hauptprobleme - freue mich aber über alle weiteren Ideen, denn das ist sicher nicht alles.
 
Im Prinzip sind wir komplett einer Meinung, lekto.
Auch bei den Beitragsfaktoren im großen und ganzen.

Wenngleich ich noch zu gern gewusst hätte, wie man rückblickend solche Mordanschläge im einzelnen analysiert und zu welchen Ergebnissen das geführt hat. Mich würde nämlich auch noch interessieren, ob nicht auch ein gewisser Prozentsatz der Täter einfach "nur" durchaus zurechnungsfähige, radikale Ar...löcher sind. Und wenn dem so wäre, würden mich die Lösungsansätze für diese Leute dann besonders interessieren. Denn da käme man mit ärztlicher Behandlung ja nicht weit.

Ich habe schon in den letzten (ja, ca. 10 ?) Jahren die Berichterstattung immer wahrgenommen. Sicherlich in den Fällen, wo es keine Toten gab, manchmal nur in der jeweils lokalen Presse. Mannheim ist natürlich einer der traurigen Höhepunkte, weil auch noch ein junger Polizeibeamter sterben musste. Klar, daß das wieder die öffentlichen Debatten entfacht. Aber diskussionswürdig ist dieses Thema schon sehr viel länger. Und es wurde - meiner Wahrnehmung nach - auch immer mal wieder diskutiert.

Aber entweder geht's dann gleich auf die populistische Schiene, oder das Gegenteil passiert und man "verharmlost", indem man sofort von "psychisch krankem Täter" spricht, damit so eine Art "Unvermeidbarkeit" suggeriert, auch Hintergrundinformationen zurück hält und am liebsten nie wieder ein weiteres Wort darüber verliert - um Spekulationen keinen Raum zu geben. Aber genau das tut man damit, meiner Meinung nach. Je mehr Details bekannt würden, auch nachträglich, auch mal rückblickend über längere Zeiträume, umso klarer würde doch das Bild, umso eindeutiger die Fakten und umso weniger könnten die Leute spekulieren.
 
@sleepy

Ich weiß nicht, ob das wirklich (noch) hilft - vom Persönlichkeitsrecht des Betroffenen mal abgesehen - denn idR lesen die Leute letztlich gern mal das, was sie lesen wollen.

Beispiel derzeit die Debatte um den Fall in Hamburg.

Am Anfang, als noch keine Nationalität genannt wurde:

“Ah, typisch, es wird kein Name genannt. Die wollen mal wieder was verschleiern.“

Nachdem klar war, der Täter ist Deutscher:

a) “Ach ja, bei den Deutschen wird auf einmal die Nationalität genannt, sonst nie.”

(Fakt ist: das stimmt so nicht)

bzw.

b) “Bestimmt nur ein Passdeutscher, wenn sie den Namen nicht dazu sagen, kennt man ja.”

Wäre er Ausländer und spezifisch Muslim gewesen, hätte es, wie in Mannheim oder Womirstedt, geheißen:

„Wie oft wollt denn noch? Aber der ist natürlich ein armer Flüchtling. Danke, Merkel!“ :wand:

Und bei allen dreien, hämisch:

„Ach nee, der Täter hatte natürlich “psychische Probleme… der wird mit Dutzi Dutzi wieder entlassen“ gemischt mit dem gelegentlichen: „Rübe ab“ oder „Da wünsch ich mir dann ein bisschen mehr USA! Armes Deutschland!“

Fazit: Egal was veröffentlicht wird, die Leute glauben es nur dann, wenn es ihnen grad in den Kram passt, und mutmaßen Bösartiges, wenn nicht. :kp:

—-

Grundsätzlich zum Thema:

Ich halte Einzeltäter mit einer Waffe oder selbst gebauter Bombe für deutlich wahrscheinlicher psychisch belastet, als Teilnehmer an organisierten Anschlägen.

Ein Thema, was in der Betrachtung solcher Fälle mE vernachlässigt wird, ist der Umstand, dass Selbstmord im Islam sehr negativ gesehen wird - es sei denn, (und das auch nur unter Umständen), man opfert sich aus religiösen Gründen und stirbt als Märtyrer für den wahren Glauben.

Sodass mE durchaus eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass es Muslime gibt, die sich nicht erst radikalisieren und dann deswegen andere umbringen und den eigenen Tod in Kauf nehmen - sondern umgekehrt.

Hierfür ist noch interessant, dass es Belege dafür gibt, dass Amoktaten oft (nicht immer) spektakulär inszenierte Selbstmordversuche sind, bei denen der Täter mit größtmöglichem Effekt aus dem Leben scheiden will.

Ein Muslim mit dieser Persönlichkeitskonfiguration kriegt (in einigen Auslegungen des Korans) evtl. noch den Segen Allahs dazu (oder glaubt das zumindest), wenn er seine Aktion als Dschihad bezeichnet

Damit meine ich, dass evtl. gewalttäig-suizidale Tendenzen bei Muslimen häufiger religiös verkleidet daherkommen, weil das die einzige Form ist, in der sie in ihrem Kulturkreis nicht negativ behaftet sondern quasi “entschuldigt” sind.

Wahnhafte Tendenzen wären dann bei muslimischen wie nicht muslimischen Tätern dieser Art häufig vorhanden, aber nur bei letzteren könnte man den Wahn als „religiös“ bezeichnen.
 

Sein Urgroßvater Walter Granzow war Brigadeführer der SS und ein enger Vertrauter von Propagandaminister Joseph Goebbels, wie die "Bunte" schreibt. Auch sein Großvater Kurt Granzow war als Obersturmführer der SA aktiv im Dritten Reich beteiligt. Dem Bericht zufolge starben beide im Jahr 1952 – Habeck kam 1969 zur Welt.
 
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