Jack Russel bringt mich an den Rand der Verzweiflung, Hilfe

Juli1984

Hallo, ich bin ganz neu im Forum und würde mich über ein paar Tipps, Erfahrungen und aufmunternde Worte von euch freuen.
Wir haben ein komplexes Problem mit unserem JRT. Er ist 9 Jahre, lebte die ersten 5 Jahre als Junggesellen Hund mit meinem Partner zusammen und genoss alle Freiheiten. Mein Partner ist in seinem Auftreten sehr konsequent und spricht mit einer tiefen Stimme. Auch bremst er seinen JRT mit körperlicher Unterwerfung aus, wenn der JRT einmal pro Woche seine Grenzen bei ihm austesten muss. Wenn dies passiert ist "läuft er wieder in der Spur" .
Nun bin ich seit 4 Jahren Teil des Rudels und seit 7 Monaten auch unser gemeinsames Baby.
Das der JRT mich von Anfang an nicht für voll nimmt ist leider gegeben und ich habe etwas gegen Unterwerfung und Unterdrückung.
Unser JRT zittert mit den Hinterbeinen nonstop. Winselt den ganzen Tag, wenn sein Herrchen auf Arbeit ist und kommentiert durch knurren und bellen jede meiner Bewegungen. Egal ob er in der obersten Etage des Hauses ist und ich unten im Wohnzimmer in die Küche gehe. Alles stört ihn.
Ich bin diejenige die mit ihm immer die langen (45 Minuten bis 1,5 Stunden) gassi-Runden gegangen ist und danach erst richtig von ihm attackiert wird (inklusive Nackenhaare aufstellen, Zähne flätschen, in den Fuß / Hand beißen (ohne schütteln)).
Mittlerweile gehe ich nicht mehr mit ihm raus und werde nun neuerdings auch dann attackiert.
Meiner Meinung nach bin ich die absolut falsche Halterin. Mir ist sein Wesen unverständlich. Ich kann nicht verstehen, warum er jetzt gerade friedlich neben mir liegt und in ein paar Minuten, wenn ich aufstehe um mein Kind hoch zu nehmen weil es meckert, sofort anfängt zu knurren und zu bellen.
Inzwischen trägt er zum Schutz unseres Kindes einen Maulkorb und ich bin dazu über gegangen ihn auch zu unterdrücken, wenn er mir und meinem Kind zu nahe kommt und mein Sohn wegen des bellens anfängt zu schreien.
Dieser Hund ist mit Sicherheit unfassbar unglücklich und mir bricht es das Herz wenn ich ihn so sehe und auf der anderen Seite fühle ich mich nur noch erschöpft, weil ich es nicht mehr ertrage diese aggressiven Verhaltensweisen.
Mein Partner hängt an seinem Hund und ich bin soweit das ich sage: der Hund muss weg, weil er immer mehr zu einer Gefahr wird.
Habt ihr eine Idee wie ich trotz Baby (ich kann nicht stundenlang mit dem Hund Ball werfen und ihn jeden Tag auspowern, dafür ist das Baby zu klein und in den wenigen Schlafpausen muss auch ich mich erholen).
Mein Partner geht im übrigen maximal 30 Minuten morgens und abends mit ihm raus und ist zu faul etwas daran zu ändern.
Danke fürs lesen des langen Textes
Ich habe versucht es auf den Punkt zu bringen. Ach so, einen hundetrainer hatten wir in der schwangerschaft hinzugezogen. Seine Tipps waren :fressen weg stellen- damit er das nicht verteidigt / Maulkorb - damit ich keine Angst vor bissen haben muss und konsequenter auftreten kann und etliche andere Tipps die wir in der Praxis zugegebenermaßen nicht 100% umsetzen konnten.
Ihr seht - ich bin ratlos :(
 
Ich bin kein JRT-Experte, aber wenn es sich tatsächlich so darstellt, wie du es beschreibst, und der Hund derzeit den größten Teil des Tages im Haus Maulkorb trägt, würde ich euch raten, den Hund abzugeben.
Auch im Interesse des Hundes.
 
und der Hund derzeit den größten Teil des Tages im Haus Maulkorb trägt, würde ich euch raten, den Hund abzugeben.
Kommt halt drauf an, ob man noch bereit ist, wirklich etwas zu ändern.
Die Strukturen sind nach 4 Jahren sicher sehr festgefahren und müssten aufgebrochen werden. Das muss nicht sehr aufwendig sein, aber man muss bereit sein an sich zu arbeiten. Der Hund braucht sicher am allerwenigsten ewig lange Spaziergänge und Beutespiele, oder Schmusestunden. ;) Viel mehr Nerven, Ruhe und einen anderen Rahmen im Umgang. Zeit braucht man im Alltag für diese Änderungen meistens nicht opfern, aber sich selbst zu ändern erfordert Kraft.
 
Und ganz ehrlich? - Die allermeisten Leute haben die gerade dann nicht, wenn sie wegen des ersten Kindes sowieso gerade allerhand an sich ändern müssen.
 
Andererseits ist man dann ja grade eh schon dabei und auch zuhause. Und dem Kind kommt das später auch noch zu gute ;)
Ja, ich weiß, diese Kraft haben viele nichtmal wenn sie eine normale Nachtruhe haben. Dennoch, das Problem war jahrelang! bekannt und wurde ausgesessen, weil der Leidensdruck offensichtlich nicht groß genug war. Das ist jetzt die Quittung. Kann man in Raten bezahlen, oder in Insolvenz gehen...
 
Danke für eure Rückmeldung.
@lektoratte das ist auch mein Gedanke, dem Hund zu liebe. Aber mein Partner fühlt sich dann natürlich wie ein Verräter, da unser JRT ihm vertraut und er ihn im Stich lässt. Und natürlich ist es uns nicht möglich ihn einfach in das TH zu bringen. Wir würden ihn schon lieber ein schönes neues zu Hause suchen. Aber wo finden ???? Im Bekanntenkreis will ihn niemand. Er hat sie alle schon ausreichend angeknurrt.

@Crabat du triffst es auf den Punkt. Ich habe nur keine Kraft mehr. Jedes Mal, wenn ich einen Schritt auf ihn zu gehe, etwas neues versuche, habe ich das Gefühl er reagiert doppelt feindselig. Als würde ich in seinen Augen Schwäche zeigen. Kann ein Hund sich an die sehr harte Hand gewöhnen (im Nacken packen, klapps auf den Po) und alles andere als zu weich betrachten ??? Ich kann mir das nicht vorstellen, dass die Auseinandersetzung mit uns ihm Spaß macht. (Der hundetrainer hatte so etwas gesagt, es wurde ein Hormon in seinem Gehirn ausgeschüttet das süchtig machen kann).
 
Kann ein Hund sich an die sehr harte Hand gewöhnen (im Nacken packen, klapps auf den Po) und alles andere als zu weich betrachten ???
Ja, er kann sich daran gewöhnen, aber nicht weil er alles andere als zu weich betrachtet. Die meisten Hunde gewöhnen sich daran, wenn sie nicht VERSTEHEN wie sie sich verhalten sollen, oder anders verhalten können, und keinen Ausweg sehen den Strafen zu entgehen. Dann tritt eine Gewöhnung ein, da der Hund resigniert. Damit IHR versteht, fallen seine Reaktion immer heftiger und deutlicher aus. Ein Teufelskreis.
 
Andererseits ist man dann ja grade eh schon dabei und auch zuhause. Und dem Kind kommt das später auch noch zu gute ;)
Ja, ich weiß, diese Kraft haben viele nichtmal wenn sie eine normale Nachtruhe haben. Dennoch, das Problem war jahrelang! bekannt und wurde ausgesessen, weil der Leidensdruck offensichtlich nicht groß genug war. Das ist jetzt die Quittung. Kann man in Raten bezahlen, oder in Insolvenz gehen...

Das mag den Anschein haben, dass wir das erdulden und nun an den Punkt kommen, dass es wegen dem Baby nicht mehr geht. Das stimmt so nicht. Wir haben viel versucht aber es war nichts dabei, dass Besserung gebracht hat. Nun bin ich den ganzen Tag zu Hause und habe das Problem 24/7 vor Augen - ohne Pause. Und gerade wegen unseren immer mobiler werdenden Sohn muss eine Lösung her die funktioniert. Deswegen frage ich euch :)
PS die Maßnahmen waren auspowern mit Radtouren, langen Spaziergängen, in der Wohnung Leckerlie verstecken und suchen lassen (er ist zugegebenermaßen echt schlecht darin), Spielen mit Ball werfen, im Fluss schwimmen lassen usw.
 
@Juli1984

Ich seh es durchaus nicht so, dass der Hund einen Grund hat, deinem Partner zu vertrauen - der lässt ihn mE gerade genauso hängen, wie dich.

Er hat‘s ja auch leicht - ihn lässt der Hund in Ruhe und er ist den Tag über nicht da.

Edit: Zum Programm - ich denke, alles, was das bewirkt hat, ist, den Hund noch mehr zu pushen. Und es war nicht alltagstauglich, weil im Grunde klar war, dass so ein Programm von dir allein mit Baby und Hund nicht durchzuhalten wäre.

Außerdem hat es an eurer Familienkonstellation anscheinend ja gar nichts geändert. Die war wie vorher, nur mit noch mehr Aufmerksamkeit für den Hund und seine Marotten.
 
PS die Maßnahmen waren auspowern mit Radtouren, langen Spaziergängen, in der Wohnung Leckerlie verstecken und suchen lassen (er ist zugegebenermaßen echt schlecht darin), Spielen mit Ball werfen, im Fluss schwimmen lassen usw.
Das ist alles schön und gut, aber außer den Hund an eine hohe Aktivität zu gewöhnen, ändert all das leider gar nichts an Eurem Verhältnis zu einander. Und dort habt Ihr das Problem. ;)
 
Ich möchte nur kurz in die Runde werfen, dass das Zittern der Hinterbeine eine Alterserscheinung oder auch ein gesundheitliches Problem sein kann, das man ggf. mal beim TA abchecken lassen sollte.

Zum Rest würde ich sagen: Ich meine, es läuft doch eh darauf hinaus, dass der Hund weg soll. Dann macht euch bitte direkt daran, nach einem guten Zuhause zu suchen, jetzt wo ihr meint, noch ein bisschen Zeit zu haben. Vielleicht mal entsprehende Vereine um Vermittlungshilfe bitten? Dann sind die Chancen vielleicht etwas größer, dass ein geeigneter Halter gefunden wird und das Tier nicht irgendwann in einer Hau-Ruck-Aktion im TH landet und dort als bissig sein künftiges Dasein fristen muss.
 
@helki

Meines Wissens haben das Zittern tatsächlich ‚viele‘ oder zumindest einige Russel ohne weitere organische Ursache - es spricht aber nicht dafür, dass es dem Hund gut geht, da es sich bei Stress bzw. Unruhe/Aufregung verstärkt.

Edit: Ich denke auch, ein Problem hier ist:
Die TE möchte den Hund gern weggeben und ihr Partner sieht das Problem nicht und sieht das nicht ein.
 
Das ist alles schön und gut, aber außer den Hund an eine hohe Aktivität zu gewöhnen, ändert all das leider gar nichts an Eurem Verhältnis zu einander. Und dort habt Ihr das Problem. ;)

Verdammt. Den Spiegel vorgehalten bekommen ist echt nicht einfach. :wand: wie kann ich denn das Verhältnis zu ihm ändern, ohne mich den ganzen Tag für den Hund zu verstellen, was er eh durch schaut. Es muss doch meine tiefe Überzeugung sein und im Augenblick fühle ich mich veralbert , wenn unser JRT das Schmusetier bei meinem Partner ist und wenn er mit mir alleine ist wird er zur Bestie die mich einfach weg haben will.
Unterm Strich mach ich den Hund glücklich, wenn er mit seinem Herrchen wieder alleine lebt, den ganzen Tag seine Ruhe hat und morgens und abends seine Gassi Runde.

@lektoratte da ist etwas Wahres dran. Das Herrchen macht es sich einfach, er kann ja nichts machen, wenn der Hund bei ihm lieb ist. :rotwerd:
 
Meines Wissens haben das Zittern tatsächlich ‚viele‘ oder zumindest einige Russel ohne weitere organische Ursache - es spricht aber nicht dafür, dass es dem Hund gut geht, da es sich bei Stress bzw. Unruhe/Aufregung verstärkt.

Das ist richtig. Meine Hündin (allerdings kein Terrier) hat das auch. Man nennt es, wenn ich micht richtig erinnere, auch Terrierzittern.
 
wenn er mit seinem Herrchen wieder alleine lebt, den ganzen Tag seine Ruhe hat und morgens und abends seine Gassi Runde.
Im Prinzip kann es gut sein, dass das schon der Schlüssel ist. ;) Nur muss er dafür nicht getrennt von Dir leben.
Beziehungsarbeit im Hundetraining ist komplexer als Sitz und Platz. Vorallem nach so vielen Jahren. Dafür bräuchtet Ihr mit Sicherheit noch einmal einen Trainer der Euch auch längere Zeit begleitet und unterstützt.
 
@Juli1984

Dann soll er den Hund tagsüber mit zur Arbeit nehmen oder zu einem Hundesitter geben, wenn der Hund ihm so wichtig ist. Dann bist du den ständigen Stress zuhause los und er kann sich morgens und abends kümmern.

Das kostet allerdings natürlich...
 
Dann soll er den Hund tagsüber mit zur Arbeit nehmen oder zu einem Hundesitter geben, wenn der Hund ihm so wichtig ist. Dann bist du den ständigen Stress zuhause los und er kann sich morgens und abends kümmern.
Genau. Und wenn der kleine Prinz dann nach einem Tag mit Herrli nach Hause kommt, empfindet er das Zuhause mit lautem Baby und gestresster Mama gleich viel erbaulicher. Schnappzarapp. ;) Das ist Vermeidung, den Hund außer Haus zu schaffen. Und Trotz, mMn. A la...Herrchens Hund, nicht mein Problem. Aber das Problem IST nicht Herrchen.
 
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