Herdenschutzhunde

Emma_Fechenheim

Hallo,

mit äußerstem Misstrauen beobachte ich, dass die so genannten Herdenschutzhunde langsam aber sich in Mode kommen.
Ich habe, auf der Suche nach einem 5. Familienmitglied bei XXX in der Rubrik Tiervermittlung gesehen. Dabei habe ich viele Anzeigen von Züchtern entdeckt, die HSH anbieten. Ich habe mit manchen gesprochen und mich als "dummer" Ersthundinteressent gezeigt. Mich erschreckt welche Auskünfte ich da teilweise erhalten habe. Mich wundert also nicht, dass so viele von den Kerlen im Tierheim sitzen.

Ein Züchter, informationsmäßige Unterversorgung, interessierte mich besonders. Er erzählte mir, dass er Centralasiatische Owtscharka züchtet (eine noch sehr seltene Rasse hier in Deutschland), die Elterntiere aus Usbekistan importiert hat. Er selbst ist Russe und hat sich mit der russischen Armee in Usbekistan aufgehalten und dort diese Hunderasse kennen gelernt und drei Hunde importiert. Es waren zwei Hündinnen und ein Rüde. Die hat er verpaart und plötzlich (oh Schreck) fast 20 Welpen gehabt. Diese Welpen und die Elterntiere hielt er auf einem 40m² Grundstück mit zwei Ziegen auf Schlammboden.
Die beiden übriggebliebenen Rüden fetzten sich 8 monatig immer und immer wieder. (wie kommt denn sowas? :unsicher:)
Ich habe mich entschloßen den Herren zu besuchen. Dort angekommen stellte ich dann oben erwähntes fest.
Ihr könnt es euch sicher denken..... ich habe einen Rüden mitgenommen. Ein Fall für sich aber wir kriegen das in den Griff. Ich hänge mal ein Foto von dem Schönen an. (9 Monate alt, 76 cm und knapp 40 kg). Einige Probleme haben wir bereits abgemildert andere bestehen noch und werden noch eine Weile dauern bis wir das in den Griff bekommen werden. Er ist eine schwarze, unsichere Granate. :sauer:

Er wird nie ein Ersatz für Emma werden aber er ist ein Hund, der gleichfalls kein so schönes bisheriges Leben hatte und somit die gleiche Chance verdient hat.... naja wie eigentlich jeder andere Hund auch.

Liebe Grüße

Ilo

ups.... Fotos vergessen.

Liebe Grüße

Ilo
 

Anhänge

Ein hübscher Kerl - Ich hoffe, Du bekommst es in den Griff.

Aber wieder einmal wurde jemand unterstützt, den man eigentlich auf seinen Hunden sitzenlassen müßte... :(

Den Link zu der altbekannten Seite habe ich oben gelöscht, der ist hier nicht erwünscht.
 
Emma_Fechenheim schrieb:
Hallo,
mit äußerstem Misstrauen beobachte ich, dass die so genannten Herdenschutzhunde langsam aber sich in Mode kommen.
Mich wundert also nicht, dass so viele von den Kerlen im Tierheim sitzen.
Hallo Ilo,
hier kann ich Dir nur zustimmen.
Es ist wirklich erschreckend!
Nicht, dass ich jeden Halter von Hirtenhunden/HSH kritisieren möchte, doch überlegen viele nicht, auf was sie sich einlassen und ob sie die artgerechten Umgebungsbedingungen bieten können.
Da werden oft diese "kleinen knuddeligen Welpen" angeschafft und wenn man spätestens mit 1-1,5 Jahren feststellt, welche Probleme damit einhergehen können, landen diese dann bestenfalls in einem Tierheim.
Meine Einstellung zu diesen sog. Züchtern:
Es ist absolut nicht erforderlich solche Hunde hier bei uns in Deutschland in großem Stil nachzuzüchten!
Grüße Klaus
 
Hi Marion,

das ist wohl war mit der Unterstützung, aber ich hätte es schwer übers Herz gebracht keinen mitzunehmen.
Ich habe den Hund für einen Appel und ein Ei bekommen. Wobei es mir nicht
darum ging Geld zu sparen, sondern ich habe ihm so wenig wie möglich geboten, er war froh den Hund los zu werden. Außerden habe ich die Amtsveterinärin informiert.

Welchen Link... ahso.... meine Anzeigenquelle, dieser Link.... sorry.

Liebe Grüße

Ilo

Hi Klaus,

ich hab gesehen, du hast ja auch solche Kandidaten momentan..... oh mann, nicht zu fassen.

Liebe Grüße

Ilo
 
Marion schrieb:
Aber wieder einmal wurde jemand unterstützt, den man eigentlich auf seinen Hunden sitzenlassen müßte... :(

Und was geschieht dann mit den Hunden? Entweder werden sie "entsorgt" oder werden ausgesetzt. Mit etwas Glück landen sie in einem guten Tierheim, wo sie dann Chancen auf Vermittlung haben. Ist ein umstrittenes Thema, Hunde von Vermehrern und "Hobbyzüchtern" zu kaufen. Die Gefahr, daß ein Hund getötet wird, der nicht verkauft werden konnte, besteht leider oft :(.
 
Hi Scotty,

eben das ging mir auch durch den Kopf. Nach dieser "robusten" Haltung und dem Zustand der Hunde, die ich dort gesehen habe, nach einige Erklärungen über die "Haltungsformalitäten" des Mannes aus seinem Heimatland, lag die Vermutung mehr als nah, dass die Hunde bald "den Bach herunter gehen" bzw. "Holz kennen lernen" wie man das wohl in Russland sagt.
Und trotzdem hat Marion Recht. Ich hätte auch ohne einen Hund mitnehmen zu können die Veterinärin einschalten können und dann wäre dem so genannten Züchter noch weniger geblieben. Aber ich konnte nicht anders. Ich war mal wieder sehr emotional. Jedem der mich gefragt hätte, hätte ich genau das gleiche erzählt was Marion da jetzt bemerkt hat. Seis drum ich war das letzte viertel Jahr arg gebeutelt.
Erst sterben meine 12 jährige Mischlingshündin und meine 9 jährige Jack Russel Dame an Rattengift, dann nehme ich Emma zu mir und die muss ich einschläfern lassen undas alles innerhalb von 12 Wochen. Ich verzeih mir jedenfalls mein emotionales Handeln momentan, auch wenns nicht vernünftig war.

Liebe Grüße

Ilo
 
Das ist leider wahr :(

Marion hat 100%ig Recht und dennoch kann ich Ilo gut verstehen.

Meine Nora ist ja auch so eine Todeskandidatin gewesen, als ich dort war und die Leute gesehen habe, habe ich keinen Moment daran gezweifelt, daß sie sie tatsächlich ertränkt hätten :(

BTT: Das Problem ist, daß die meisten HSH so wunderschöne Teddybären sind und die wenigsten Menschen sich Gedanken machen, bevor sie sich einen Hund anschaffen, was der Hund für Eigenheiten (rassespezifisch) und auch Bedürfnisse hat.
 
Jo, genau das ist es. Diese Hunde sind so unglaublich interessant, hübsch...was auch immer aber können auch richtige Probleme machen, wenn sie falsch behandelt werden.

Liebe Grüße

Ilo
 
Scotty schrieb:
Ist ein umstrittenes Thema, Hunde von Vermehrern und "Hobbyzüchtern" zu kaufen.
Eigentlich nicht. Meine persönliche Überzeugung:
Gewerbliche Vermehrer kann man nur dadurch stoppen, indem man ihnen ihre Geschäftsgrundlage entzieht.
Das funktioniert nicht mit Verboten, oder Meldungen an ein Vet.-Amt. Sie werden, solange sie noch ein Geschäft wittern, immer wieder Ausweichmöglichkeiten finden.
Abhilfe ist nur zu bekommen, wenn sie keine Welpen mehr verkaufen können. Das dies den Tod einiger Welpengenerationen bedeutet, ist mir dabei schon bewußt.

"Hobbyzüchter" sind etwas differenzierter zu betrachten. Es gibt da durchaus viele, die nur alle zwei oder drei Jahre einen Wurf zulassen, die Elterntiere sorgfältig untersuchen lassen und auch eine sorgfältige Auswahl bei den Abnehmern treffen.
Mir persönlich sind manche davon lieber, als einige VDH-Züchter, die ausschließlich nach Rassestandardkriterien und Aussichten auf gute Plazierungen bei irgendwelchen Ausstellungen züchten. Da bleibt dann oft die "Persönlichkeit Hund" auf der Strecke.

Natürlich gibt es da auch schwarze Schafe.
Einer unserer Kangale stamt aus einer solchen "Hobbyzucht". Er sollte wohl einmal ein "Kampfhund" werden. Eingekreuzt wurde deshalb die Rasse Mastino Napoletano, um mehr Masse zu bekommen. Es hat allerdings nicht so recht funktioniert (er ist zu friedlich). Die Folge: 4 Jahre lebte er in einem kleinen Hinterhoferschlag ohne Auslauf an einer Kette, ehe er befreit werden konnte.
Unrechtbewußtsein des Züchters - Null!
Grüße Klaus
 
kangalklaus schrieb:
Eigentlich nicht. Meine persönliche Überzeugung:
Gewerbliche Vermehrer kann man nur dadurch stoppen, indem man ihnen ihre Geschäftsgrundlage entzieht.
Das funktioniert nicht mit Verboten, oder Meldungen an ein Vet.-Amt. Sie werden, solange sie noch ein Geschäft wittern, immer wieder Ausweichmöglichkeiten finden.
Abhilfe ist nur zu bekommen, wenn sie keine Welpen mehr verkaufen können.

Ja, das klingt gut aber wie ist so etwas realisierbar? Willst du alles WEge kontrollieren auf denen er seine Hunde anbietet? Willst du jeden, den diese Menschen "an Land ziehen" von ihrem falschen Handeln überzeugen? Ich schätze das funktioniert nicht.

Ich habs gemacht und ich hätte es einen Tag später auch noch gemacht. Ich bin wohl nicht die geeignete Person um zu solchen Leuten zu gehen und dann kalten Verstandes wieder zu verschwinden ohne mit der Wimper zu zucken. Ich darf einfach nicht zu solchen Leuten gehen. Das wäre die Lösung gewesen, ich gebs zu. Aber wie gesagt, die Entscheidung war getroffen und ich hab mich nun genug gerechtfertigt ;)

Liebe Grüße

Ilo
 
Natürlich haben diejenigen, die sagen "Kauft nicht" leicht reden...

Es wäre die richtige Handlungsweise.

Ich weiß das, aber ich weiß nicht, wie ich selber in so einer Situation reagieren würde... :(
 
Emma_Fechenheim schrieb:
Ja, das klingt gut aber wie ist so etwas realisierbar? Willst du alles WEge kontrollieren auf denen er seine Hunde anbietet? Willst du jeden, den diese Menschen "an Land ziehen" von ihrem falschen Handeln überzeugen? Ich schätze das funktioniert nicht.
Ich weiß es auch nicht...........
Es wird einfach nicht möglich sein, alle potentiellen Käufer zu überzeugen, bei solchen Leuten nicht mehr zu kaufen.

Die Menschheit in ihrer Masse ist einfach zu dumm und zu träge!

Pardon, das soll nun nicht überheblich klingen, sondern nur meine Verzweifelung zum Ausdruck bringen. Ich sehe einfach keine Perspektive.
Genauso wie es immer wieder Menschen gibt, die auf "Reumadeckenverkäufer" hereinfallen, wird es auch immer welche geben, die an der Haustür aus einem Kofferraum heraus Welpen kaufen.
Grüße Klaus

Marion schrieb:
...... aber ich weiß nicht, wie ich selber in so einer Situation reagieren würde... :(
Das ist ja das Problem. Ich würde wohl ähnlich wie Ilo handeln, wohl wissend, dass dieser Züchter weitermacht.
Grüße Klaus
 
kangalklaus schrieb:
Das ist ja das Problem. Ich würde wohl ähnlich wie Ilo handeln, wohl wissend, dass dieser Züchter weitermacht.
Grüße Klaus

weißt du, ich weiß auch nicht wo man da anfangen soll und wo man da aufhört. Ich für meine Wenigkeit weiß, dass es ein Fehler war und ich weiß auch, dass es immer wieder Menschen geben wird, die diesen Fehler machen.
Die einzige Hoffnung, die ich habe ist, dass die HSH irgendwann aus der Mode kommen möglichst bevor sie in Mode gekommen sind, weil man merkt welche ernsthafte Problematik sich hinter solch einem Herdenschutzhund verbergen kann.
DAs würde aber das Problem bei anderen Rassen nicht lösen, das stimmt auch aber ich glaube man wird damit leben müssen, dass mannicht alles Unrecht auf der Welt verhindern kann.
Ich würde auch zukünftig den Amtstierartz informieren und den Tierschutz. Denn zumindest steht der Herr unter Beobachtung und so "leicht" wie es beim ersten Mal war, wird es bestimmt nicht wieder.

Liebe Grüße

Ilo
 
Hmmm... und leider wieder eine Hunderasse oder besser eine Hundeart, die in Mode kommen wird...
Der kleine ist ja wunderschön und das erste Foto ist einfach traumhaft schön aufgenommen!!!!! Das würde bei nem Fotowettbewerb bestimmt gewinnen :)
Kannst es ja bei schuldig-geboren reinsetzen... :)
 
Emma_Fechenheim schrieb:
Ein Züchter, informationsmäßige Unterversorgung, interessierte mich besonders. Er erzählte mir, dass er Centralasiatische Owtscharka züchtet (eine noch sehr seltene Rasse hier in Deutschland), die Elterntiere aus Usbekistan importiert hat. Er selbst ist Russe und hat sich mit der russischen Armee in Usbekistan aufgehalten und dort diese Hunderasse kennen gelernt und drei Hunde importiert.
Hallo Ilo,
Deine angehängten Fotos haben mir keine Ruhe gelassen und ich habe mich noch einmal nach Centralasiatischen Owtscharkas umgeschaut. Z.B. hier:
Mir scheint, "Dein" Russe hat etwas "seltsam" gezüchtet.
Das soll natürlich der Freude an Deinem Hund keinen Abbruch tun, sondern ist mehr ein Gedanke, inwiefern man solchen "Züchtern" auch vertrauen kann.
Grüße Klaus
 
kangalklaus schrieb:
Hallo Ilo,
Deine angehängten Fotos haben mir keine Ruhe gelassen und ich habe mich noch einmal nach Centralasiatischen Owtscharkas umgeschaut.

Das schoss mir beim Betrachten der Fotos auch gleich durch den Kopf. Niemals hätte ich anhand dieser Bilder auf einen Zentralasiaten getippt!
Aber ein wunderschöner Kerl ist er auf jeden Fall!
Wie sahen denn die anderen aus?

LG
Dani
 
Hi Klaus,

ich weiß, dass er eine ungewöhnliche Farbe hat aber es ist definitv ein reinrassiger Centralasiat. Du darfst nicht vergessen, dass er momentan erst 9 Monate alt ist und momentan aussieht wie ein junges Pferd, hinten höher als vorn und ziemlich schlaksig. Er hat Papiere und ich hab die Papiere der Eltern gesehen. Ich war auch schon auf einem Treffen für Centralasiaten und habe ihn vorgestellt. Er verkörpert den Tadschikischen Typ, die mögen übrigens auch schwarz/weiße und schwarze Hund lieber als die anderen Fan's dieser Rasse, die eher ins Beige gehen. Bei den CAO ist es noch sehr unregelmäßig dieses Erscheinungsbild, was wir hier von Deutschland bzw. europäisierten Rassen doch eher gewöhnt sind.

Bei den Centralasiaten gibt es wie gesagt unterschiedliche Typen aus den unterschiedlichen Regionen. Wir kennen nur einen kleinen Teil dessen was wir uns unter einem CAO vorstellen. Erst seit ganz kurzer Zeit, seit wenigen Jahren wurden die CAO's von den Russen nach einem sepziellen, favorisierten Erscheinungsbild gezüchtet, das wesentlich schwerer ist als das was die Bauern in den Bergen oder den Steppen zum tatsächlichen Arbeiten haben.
Dafür ist er auch sehr klar in seinen Wesensanlagen mit allen Nachteilen.
Ich habe übrigens in Sachen Tierschutz und der Neugründung eines CAO-Vereins der mir in seinen Erziehungsmethoden sehr supekt erscheint, mit Herrn Deckert (der Eigentümer derr von dir genannten Seite telefoniert, wir sind dabei uns diesen Verein mal näher anzusehen.

Liebe Grüße

Ilo

Spatzi79 schrieb:
Das schoss mir beim Betrachten der Fotos auch gleich durch den Kopf. Niemals hätte ich anhand dieser Bilder auf einen Zentralasiaten getippt!
Aber ein wunderschöner Kerl ist er auf jeden Fall!
Wie sahen denn die anderen aus?

LG
Dani

Der "Züchter" hatte wie gesagt zwei Würfe von zwei verschiedenen Hündinnen. Es gab einen dunklen Wurf von einer sehr leichten, schwarzen HÜndin (schwarze und sogar gestromte Welpen) und einen hellen Wurf, mit einer etwas kräftigeren schwarz/weißen HÜndin (beige/weiße Welpen), der Rüde ist beige mit weißen Abzeichen.
Ich habe mich im Übrigen, weil ich die Fotos von meinen Interenet-REcherchen zu der Rasse auch nicht unbedingt deckungsgleich fand sehr genau informiert. Mir ist es aber im Prinzip pupsegal auch wenn er nicht reinrassig in unserem Sinne wäre. Die Anlagen dieses Hundes reichen mir auch ohne Rassebezeichung aus,... zu wissen, dass es da viel ARbeit zu bewältigen gibt.

Liebe Grüße

Ilo
 
Also ersteinmal muss ich unumwunden eingestehen, dass der "Kleine" wirklich ein wunderschöner Kerl ist! Ilo, ich wünsche Euch beide alles erdenklich Gute!

Über die üble Vermehrerei von Hunden im Allgemeinen und HSH's im Besonderen müssen wir nicht diskutieren - die Meinungen sind da einhellig.

Ich hätte allerdings eine - vielleicht etwas OT - Frage an Klaus (den Kangal ;) :(

Ich habe gsd sehr selten HSH-Mixe in der Vermittlung. Bisher tatsächlich nur drei bzw. zwei (die dritte war ein Welpe, Eltern unbekannt, die ich aufgrund der damaligen Größe vorsichtshalber mal den HSH's zugeordnet hatte - hat sich aber nicht bestätigt; besser so als andersrum). Ich habe bei allen Hunden den Interessenten gegenüber böse drauf rumgehackt, dass sie den Hund nicht unterschätzen dürfen, dass HSH's nicht einfach zu erziehen sind, dass sie ihr eigenes Naturell haben, etc. pp.

Die beiden "echten" HSH's waren ein Pyrenäenberghund (Giga) und ein Pyrenäenberghund-Leonberger-Mix (Tana). Beides kastrierte Hündinnen, beide aus Spanien (weiss der Teufel, wo sie in Spanien einen Leonberger hergenommen haben), beide erwachen (Giga 2 Jahre, Tana ca. 6 Jahre). Was mich doch sehr verblüfft hat war, dass diese beiden Hündinnen sich offenbar rasseuntypisch verhalten - oder um es besser auszudrücken: Sie haben nicht die rassetypischen Ecken und Kanten. Laufhunde sind beide nicht (Giga versteckt sich wenn der Sohn der Familie die Joggingschuhe anzieht, er könnte ja auf die Idee kommen, sie mitzunehmen; und Tana fühlt sich auf dem Reiterhof, wohin Frauchen sie jeden Nachmittag mitnimmt, sauwohl - da kann sie in aller Ruhe alles inspizieren und nach dem Rechten schauen). Aber beide sind alles andere als eigensinnig im klassischen Sinne. Tana sowieso nicht, bei Giga begrenzt sich die Eigensinnigkeit auf das Durchwühlen von Komposthaufen und die Abneigung, gemachte Beute (McDonald-Tüten, alte Socken oder 2 kg tiefgefrorenen Rinderbraten) wieder herzugeben. Die damals 4- und 12-jährigen Töchter in Gigas Haushalt waren nie ein Problem. Beide Hündinnen sind absolut familientauglich. Beide Hündinnen sind offenbar perfekt sozialisiert worden, haben kein Problem mit anderen Hunden beiderlei Geschlechts. Giga kommt mit Katzen klar, Tana hält Pferde für etwas größere Hunde.

Klaus, was ist das? Zufall? Eine besondere Prägung? "Degeneration"? Ein Glücksfall (bzw. zwei)?
Diese Frage bewegt mich schon lange, und ich bin sehr gespannt auf Deine Antwort.

Viele Grüße
Petra
 
Petra-Neuss schrieb:
Klaus, was ist das? Zufall? Eine besondere Prägung? "Degeneration"? Ein Glücksfall (bzw. zwei)?
Diese Frage bewegt mich schon lange, und ich bin sehr gespannt auf Deine Antwort.
Nein Petra, kein Zufall. Eher ein Glücksfall, indem die von Dir beschriebenen Hunde recht neutral aufwachsen konnten.
Aus meiner rein persönlichen Sicht (ein sog. Experte bin ich ja auch nicht) und den gemachten Erfahrungen mit bislang ca. 10 Hirtenhunden/HSH bei uns, sehe ich keine besondere Problematik im Umgang mit diesen Rassen, wenn man Rücksicht auf die nun einmal vorhandenen Eigenarten nimmt.
- sie brauchen Platz (Grundstück sollte vorhanden sein)
- sie sind nicht dressierbar (Hundeschulen mit Methoden für einen Schäferhund scheitern)
- sie benötigen Rudel(Familien)kontakt
- sie brauchen Ruhepausen, die sie selber bestimmen
- sie benötigen eine Aufgabe (da wir hier keine Tierherden zum bewachen haben, bewachen sie halt das Grundstück und ihr Familienrudel. Auch recht lautstark)

Ist das gegeben, sind es einfach tolle und unkomplizierte Hunde.
Und natürlich lassen sie sich auch erziehen. Nur geht das etwas gemächlicher vor sich, als bei manch anderem Hund. Letztendlich "gewinnt" immer der, der die größere Ausdauer/Langmut hat.
Ein Problem eines solchen Hundes ist seine Größe und Masse. Gehorcht er nicht und will seinen Willen durchsetzen, um z.B. hinter einem Hasen herzulaufen, oder einen vermeindlichen Eindringling in sein Revier (das durchaus mehrere Straßen umfassen kann) zu vertreiben, hat es eine kleine und leichtgewichtige Hundeführerin "etwas schwer". Doch ähnlich ist es ja auch bei einer Dogge, einem Sennhund oder anderen großen Rassen.

Wirkliche Schwierigkeiten gibt es m.E. nur bei Hunden, die entweder total falsch erzogen wurden (z.B. mit Gewalt und Schlägen), oder bei Hunden, die hier in Deutschland für Hundekämpfe geprägt wurden (auch das gibt es in gewissen Kreisen).

Und zu Deinem Beispiel mit der "Lauffreudigkeit":
Zwei von unseren Kangalen liegen sicher 70% des Tages auf einem ihrer Beobachtungsplätze anscheinend faul herum. Kommt jedoch ein unbekanntes Objekt, sind sie sofort voll da. Optisch und akustisch.
Auch am Fahrrad laufen sie gern mit. Natürlich gemächlich im Dauertrab.

Zum Umgang mit anderen Kleintieren noch eine nette Geschichte:
Einen unserer Pflegewelpen haben wir auf einen Resthof vermittelt. Dort leben auch Hühner frei auf dem Hof. Am Anfang war er etwas sehr neugierig, doch nach 2-3 Tagen waren die Hühner als Hausmitglieder akzeptiert.
Nun bekam eines dieser Hühner Küken. Das Pech: Ein Habicht oder Bussard bemerkte dies auch und holte sich die Henne und die bereits geschlüpften Küken.
Ein Küken war noch nicht geschlüpft, folgte dann kurz darauf. In der Nähe lag der junge Kangalrüde. Er wurde zum ersten Bezugsobjekt von dem Küken und als Mutterersatz angenommen. Heute (ca. 4 Wochen später) läuft dieses Küken immer noch hinterher.
Grüße Klaus
 
Hallo Petra!

Klaus hat zwar schon geantwortet, aber ich geb auch noch meinen Senf dazu :)
Nicht jeder HSH (und auch nicht jeder Not-HSH) ist per se schon ein Problemfall!
Die von Klaus genannten Dinge und eine gewisse Gewöhnung im Jugendalter an unsere Alltagssituationen...

da kann sie in aller Ruhe alles inspizieren und nach dem Rechten schauen
na klar, das ist doch ihre Aufgabe!

Mein kleiner Podhalaner ist auch kein großer Läufer - er zieht es vor, gemächlich neben uns herzutrotten, mit kurzen seltenen Renn-Anfällen :D

Auch kenne ich kaum HSH, die Probleme mit (der eigenen) Familie oder den dazugehörigen Nutz- und Kleintieren haben!

Wobei die beiden Hündinnen bei Dir dies wahrscheinlich alles schon früher kennengelernt haben, denke ich!

LG
Dani
 
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