Kiel, 6.2.02
BOBTAILS IM SCHUTZDIENST?
Anmerkung zu einem künstlich geschaffenen Problem
Von Dorit Urd Feddersen-Petersen
Die Idee, Bobtails zur Zuchtzulassung beziehungsweise „sportlich“ im Rahmen des
Abschnitts Schutzdienst zu konditionieren, erscheint mir geradezu abstrus. Die Old
English Sheepdogs, leider zunehmend nicht allein in England in Mode gekommen, was
diesen vorzüglichen Hüte- und Treibhunden doch nur schaden kann, verfügen über die
außerordentliche Vielseitigkeit und eine enorme Anpassungsfähigkeit. Dies sind
Eigenschaften, die für zotthaarige Schäfer- und Hirtenhunde ja allgemein Legende sind.
Sie waren Arbeitshunde, wurden nach Kriterien ihrer Gebrauchstüchtigkeit gezüchtet,
bestachen durch enorme Eigenständigkeit und verfügten über ein differenziertes
Sozialverhalten, ausgeprägte Lernfähigkeit sowie exzellente Gedächtnisleistungen. Das ist
prinzipiell auch heute noch der Fall.
Streng zu vermeiden ist die zunehmende Zuchtauswahl in Hinblick auf das Äußere - es
sollte keine Sektion von „Show“-Bobtails geben! Zu vermeiden ist nach meiner
Überzeugung auch die Ausübung des Schutzdienstes mit Bobtails. Sie sind weder Hunde
der Polizei noch der Armee oder des Zolls – wozu soll die Schutzdienstausbildung also
gut für sie sein? Um ein ausgewogenes Verhalten von Tieren einer Rasse zu erhalten,
werden zukunftsweisend Verhaltensüberprüfungen als Kriterium der Zuchtauswahl
dienen müssen. Diese Verhaltenstests sollten so objektiv wie möglich und in Hinblick auf
ihr erklärtes Ziel sinnvoll, wenn überhaupt aussagekräftig, sein und überprüft gültige
Aussagen erlauben (Validität). Solche Tests in Hinblick auf die Prüfung des hundlichen
Verhaltens zu erarbeiten ist deshalb so schwierig, weil das sichtbare, meßbare Verhalten
sich so außerordentlich vielursächlich entwickelt.
Das Sozialverhalten der Bobtails, ihre soziale Verträglichkeit - resultierend aus ihren
möglichen, soziale Strategien der Konfliktlösung zu entwickeln und zu kooperieren - sind
wichtige Kriterien, die es zu erhalten beziehungsweise zu fördern gilt. Zudem ist auf die
den belastbaren wie sozial anpassungsfähigen Hunden eigenen Hüteeigenschaften Wert
zu legen. Bobtails sind ja sehr sensible Hunde mit besonderen Fähigkeiten (Hüten auf
begrenzter Fläche und Treiben von Pflanzenfressern oder anderen Tieren über Wege und
Plätze). Will man diese Eigenschaften erhalten, müssen diese auch in heute
sinnbringender Weise ausgelebt werden. Zu fordern sind also Verhaltens- und
Arbeitstests zur Zuchtauswahl für Bobtails. Zudem wäre, wie auch für andere Rassen,
eine Zuchtwertschätzung für bestimmte Verhaltensmerkmale in Erwägung zu ziehen.
Bobtails sind aufmerksam und agil - der ungetrübte Blick sollte durch Abschneiden der
Augengardine ermöglicht werden! Sie vermögen andere Lebewesen exakt und schnell
einzuschätzen, arbeiten ruhig und selbständig.
Was aber sollen sie heute hüten? Es gilt in vielen Fällen, modifiziert mit ihnen zu arbeiten.
Die Hüteanlagen sind hilfreich dabei. Bobtails leisten als Partnerhunde für behinderte
Menschen beste Dienste, können Blinden- und Rettungshunde sein. Und die
Herausforderung der Arbeit brauchen sie; der geistigen, psychischen wie physischen
Forderung bedürfen sie, um ausgeglichene Begleithunde zu sein. Auch in verschiedenen
hundesportlichen Aktivitäten wie Agility, Breitensport, Flyball oder Gehorsamsübungen
und Fährtenarbeit stechen Bobtails immer wieder durch besondere Leistungen hervor.
Wenn diese Übungen auch das Hüten und die Anforderungen daran nicht vollständig
ersetzen können, sind sie zum Ausgleich für Hunde zu empfehlen, die als Begleithunde
gehalten werden. Und warum kein Schutzdienst? Warum sollen Probleme für die Bobtails
geschaffen werden, die es bis dato nicht gibt?
Das Aggressionsverhalten ist für viele Hundehalter und Ausbilder immer noch ein wenig
verstandener Verhaltensbereich, in dem mit „Aggressionstrieb“, „Beutetrieb“ und
„Wehrtrieb“ jongliert wird. Ich vertrete die Hypothese, daß die Auslösemechanismen des
Beutefangverhaltens, dessen Sequenzen von Hunden in beliebiger Reihenfolge gezeigt
werden können, mit Situationen, Bewegungen, Handlungen assoziiert werden können, die
dem Ausbilder in aller Regel gar nicht einmal bewusst sind, vielleicht auch gar nicht sein
können. Gerade im Bereich Aggression/Angst gibt es etliche höchst problematische,
unerwünschte Generalisierungen und Assoziationen. Aus diesen Lernprozessen können
sich sehr ernsthafte Probleme in der Beziehung zum Menschen entwickeln. Zudem wird
leider immer wieder mit sog. Starkzwang (Stachelhalsband, Schläge, Elektroreizgeräte)
nachgeholfen, wenn Hunde nicht beißen wollen. Dann beginnt ein nach meiner
Auffassung hochgefährlicher Prozess. Die Instanz Mensch versagt immer wieder,
benötigt Projektionen und instrumentalisiert.
Und dieser Bereich ist diesbezüglich sehr sensibel. Zumal das sog. E-Gerät wieder „voll
rehabilitiert“ ist. Wehe dem, der ein Statement gegen diese Möglichkeit zur
„Elektrokommunikation“ zu sagen wagt. Da mag er noch so sauber recherieren. Er wird
spüren, daß er gegen eine Mauer läuft, die sehr schmerzt. Und er wird sehr allein sein.
Hilfe gibt es von keiner Seite.
Zurück zu den Bobtails: Wozu wollen wir ihnen und uns diese Probelme schaffen? Im
Rahmen der Schutzhundeausbildung und Schutzhundezucht werden wir uns damit
auseinanderzusetzen haben. Unsere Forschungsgruppe an der Universität Kiel erarbeitet
seit Jahren hierzu ein Testverfahren.
Bobtails sollten Old English Sheepdogs bleiben!
Dorit Urd Feddersen-Petersen
oder
BOBTAILS IM SCHUTZDIENST?
Anmerkung zu einem künstlich geschaffenen Problem
Von Dorit Urd Feddersen-Petersen
Die Idee, Bobtails zur Zuchtzulassung beziehungsweise „sportlich“ im Rahmen des
Abschnitts Schutzdienst zu konditionieren, erscheint mir geradezu abstrus. Die Old
English Sheepdogs, leider zunehmend nicht allein in England in Mode gekommen, was
diesen vorzüglichen Hüte- und Treibhunden doch nur schaden kann, verfügen über die
außerordentliche Vielseitigkeit und eine enorme Anpassungsfähigkeit. Dies sind
Eigenschaften, die für zotthaarige Schäfer- und Hirtenhunde ja allgemein Legende sind.
Sie waren Arbeitshunde, wurden nach Kriterien ihrer Gebrauchstüchtigkeit gezüchtet,
bestachen durch enorme Eigenständigkeit und verfügten über ein differenziertes
Sozialverhalten, ausgeprägte Lernfähigkeit sowie exzellente Gedächtnisleistungen. Das ist
prinzipiell auch heute noch der Fall.
Streng zu vermeiden ist die zunehmende Zuchtauswahl in Hinblick auf das Äußere - es
sollte keine Sektion von „Show“-Bobtails geben! Zu vermeiden ist nach meiner
Überzeugung auch die Ausübung des Schutzdienstes mit Bobtails. Sie sind weder Hunde
der Polizei noch der Armee oder des Zolls – wozu soll die Schutzdienstausbildung also
gut für sie sein? Um ein ausgewogenes Verhalten von Tieren einer Rasse zu erhalten,
werden zukunftsweisend Verhaltensüberprüfungen als Kriterium der Zuchtauswahl
dienen müssen. Diese Verhaltenstests sollten so objektiv wie möglich und in Hinblick auf
ihr erklärtes Ziel sinnvoll, wenn überhaupt aussagekräftig, sein und überprüft gültige
Aussagen erlauben (Validität). Solche Tests in Hinblick auf die Prüfung des hundlichen
Verhaltens zu erarbeiten ist deshalb so schwierig, weil das sichtbare, meßbare Verhalten
sich so außerordentlich vielursächlich entwickelt.
Das Sozialverhalten der Bobtails, ihre soziale Verträglichkeit - resultierend aus ihren
möglichen, soziale Strategien der Konfliktlösung zu entwickeln und zu kooperieren - sind
wichtige Kriterien, die es zu erhalten beziehungsweise zu fördern gilt. Zudem ist auf die
den belastbaren wie sozial anpassungsfähigen Hunden eigenen Hüteeigenschaften Wert
zu legen. Bobtails sind ja sehr sensible Hunde mit besonderen Fähigkeiten (Hüten auf
begrenzter Fläche und Treiben von Pflanzenfressern oder anderen Tieren über Wege und
Plätze). Will man diese Eigenschaften erhalten, müssen diese auch in heute
sinnbringender Weise ausgelebt werden. Zu fordern sind also Verhaltens- und
Arbeitstests zur Zuchtauswahl für Bobtails. Zudem wäre, wie auch für andere Rassen,
eine Zuchtwertschätzung für bestimmte Verhaltensmerkmale in Erwägung zu ziehen.
Bobtails sind aufmerksam und agil - der ungetrübte Blick sollte durch Abschneiden der
Augengardine ermöglicht werden! Sie vermögen andere Lebewesen exakt und schnell
einzuschätzen, arbeiten ruhig und selbständig.
Was aber sollen sie heute hüten? Es gilt in vielen Fällen, modifiziert mit ihnen zu arbeiten.
Die Hüteanlagen sind hilfreich dabei. Bobtails leisten als Partnerhunde für behinderte
Menschen beste Dienste, können Blinden- und Rettungshunde sein. Und die
Herausforderung der Arbeit brauchen sie; der geistigen, psychischen wie physischen
Forderung bedürfen sie, um ausgeglichene Begleithunde zu sein. Auch in verschiedenen
hundesportlichen Aktivitäten wie Agility, Breitensport, Flyball oder Gehorsamsübungen
und Fährtenarbeit stechen Bobtails immer wieder durch besondere Leistungen hervor.
Wenn diese Übungen auch das Hüten und die Anforderungen daran nicht vollständig
ersetzen können, sind sie zum Ausgleich für Hunde zu empfehlen, die als Begleithunde
gehalten werden. Und warum kein Schutzdienst? Warum sollen Probleme für die Bobtails
geschaffen werden, die es bis dato nicht gibt?
Das Aggressionsverhalten ist für viele Hundehalter und Ausbilder immer noch ein wenig
verstandener Verhaltensbereich, in dem mit „Aggressionstrieb“, „Beutetrieb“ und
„Wehrtrieb“ jongliert wird. Ich vertrete die Hypothese, daß die Auslösemechanismen des
Beutefangverhaltens, dessen Sequenzen von Hunden in beliebiger Reihenfolge gezeigt
werden können, mit Situationen, Bewegungen, Handlungen assoziiert werden können, die
dem Ausbilder in aller Regel gar nicht einmal bewusst sind, vielleicht auch gar nicht sein
können. Gerade im Bereich Aggression/Angst gibt es etliche höchst problematische,
unerwünschte Generalisierungen und Assoziationen. Aus diesen Lernprozessen können
sich sehr ernsthafte Probleme in der Beziehung zum Menschen entwickeln. Zudem wird
leider immer wieder mit sog. Starkzwang (Stachelhalsband, Schläge, Elektroreizgeräte)
nachgeholfen, wenn Hunde nicht beißen wollen. Dann beginnt ein nach meiner
Auffassung hochgefährlicher Prozess. Die Instanz Mensch versagt immer wieder,
benötigt Projektionen und instrumentalisiert.
Und dieser Bereich ist diesbezüglich sehr sensibel. Zumal das sog. E-Gerät wieder „voll
rehabilitiert“ ist. Wehe dem, der ein Statement gegen diese Möglichkeit zur
„Elektrokommunikation“ zu sagen wagt. Da mag er noch so sauber recherieren. Er wird
spüren, daß er gegen eine Mauer läuft, die sehr schmerzt. Und er wird sehr allein sein.
Hilfe gibt es von keiner Seite.
Zurück zu den Bobtails: Wozu wollen wir ihnen und uns diese Probelme schaffen? Im
Rahmen der Schutzhundeausbildung und Schutzhundezucht werden wir uns damit
auseinanderzusetzen haben. Unsere Forschungsgruppe an der Universität Kiel erarbeitet
seit Jahren hierzu ein Testverfahren.
Bobtails sollten Old English Sheepdogs bleiben!
Dorit Urd Feddersen-Petersen
oder

