Die Argumentation, dass das Recht zum selbstbestimmten Sterben ins Gegenteil verkehrt werden kann, indem Menschen quasi dazu gedrängt würden, "freiwillig" aus dem Leben zu scheiden, widerstrebt mir zutiefst. Ich kannte sie bisher nur von der Seite der Gegner und habe sie immer als vorgeschoben empfunden.
Ich weiß nicht... im Grunde hat man genau das gleiche im Fall der Pränataldiagnostik für familiäre Erkrankungen gesehen und sieht es noch.
Ich bin ja gern auf Katastrophen vorbereitet und fand das, als es vor 30 Jahren groß raus kam, gerade für Familien, in denen Erbkrankheiten schon vorgekommen sind, eine super Sache, ich war also diesbezüglich sehr enthusiastisch. Und mein damaliger Chef (Professor für Humangenetik) meinte dazu, man könne das nicht wieder abschaffen, aber es würde dazu führen, dass praktisch keine behinderten Kinder mehr geboren werden (er hatte Recht), und man enormen sozialen Druck auf Eltern ausüben würde, die das doch tun würden.
Ich hatte ja in der zweiten Schwangerschaft (das war vor 13 Jahren) eine falsch-positive Diagnose für das Down-Syndrom für das kleine Ü - und ich kann bestätigen, ja, das ist mittlerweile so.
"Man muss heute diese Kinder nicht mehr bekommen!" - "Eigentlich unverantwortlich, ein Kind mit Behinderung zu bekommen, da gibt es doch extra diese Tests für." - "Gibt ja immer noch Leute, die testen nicht, aber wenn man es schon weiß..." - Das waren nicht die einzigen Meinungen, die ich dazu zu hören gekriegt habe, aber erschreckend viele. - Und über Leute, die behinderte Kinder haben, wird zu Dritten noch deutlicher gesprochen.
So ein Paradigmenwechsel geht schneller, als man vielleicht glauben würde.

