Ach Britt, ich denke, deine Mutter fühlt sich einfach besch.eiden und hilflos und kann beides ganz schlecht haben, und dieses Gekeife ist der (klägliche) Versuch, die Kontrolle zu behalten und sich "Respekt zu verschaffen.
Ich glaube, du bist nicht die erste und nicht die letzte, die das erlebt. Ich glaube, der eine oder andere hier im Forum mit älteren Eltern könnte dir da solidarisch zunicken.
Und ich bin sehr sicher, das Krankenhauspersonal weiß das auch. Biestige alte Leute sind gerade im Krankenhaus nicht so selten... - und dass eine Alkoholikerin im Entzug emotional total entgleist, ist tatsächlich auch nicht selten.
Und einer muss dann dran glauben, auf dem sie ihren Unmut abladen kann.
Bei meiner Oma war das meine Mutter (die zum Glück nur ihre Schwiegertochter war und daher alles mit etwas mehr Abstand sehen konnte) - das lag auch daran, dass meine Mutter ihr Contra gegeben hat oder einfach bestimmt hat, dass sie diese oder jenes nicht machen durfte oder jetzt machen musste. (Z.B. hat sie bei jedem längeren Besuch bei uns die Oma konsequent auf Entzug gesetzt - nicht auf Null, aber doch auf sehr reduzierte Alkohollevel, und sich den Stress gern angetan, weil so wenigstens die zweite Hälfte des Aufenthaltes halbwegs erträglich war.)
Wobei meine Oma eigentlich genau wusste, dass meine Mutter sich sehr gut um sie gekümmert hat... das hat sie
uns auch gern mal erzählt, aber
ihr gegenüber hätte sie das nie zugegeben!
Ich persönlich glaube, du darfst deine Mutter gerade nicht mehr als rational denkende, geistig voll da seiende, voll verantwortliche Person sehen, denn das ist sie nicht. Sie ist emotional ein verwöhntes, etwas boshaftes Kleinkind, dem seine Bezugsperson und seine Regeln abhanden gekommen ist und das jetzt komplett entgleist und nur noch brüllt. Nur mit mehr Worten.
Du musst dir überlegen, wie du sie sehen willst. Als die ätzende, über dir drohende, schlimme Mutter deiner Kindheit, die dich mit Worten immer noch verletzen kann - oder als die hilflose Person, die sie bei aller Ätzerei eigentlich ist.
Ersteres ist für dich in gewisser Weise bequemer - sie will dich ja nicht sehen und beschimpft dich und will nichts mehr von dir geregelt kriegen, und "du entsprichst ja nur ihrem Wunsch", indem du dich zurückziehst. - Und deinem.
Wenn man allerdings bedenkt, dass sie alle diese Meltdowns nur veranstaltet, weil sie findet, dass du di
ch nicht gut genug um sie gekümmert hast, ist meine Vermutung, dass sie das alles nur veranstaltet, um dich irgendwie dazu zu bewegen, dich reumütig dann bitte, bitte doch um sie zu kümmern, und zwar zu
ihren Bedingungen.
Das würde ich - wie du - an deiner Stelle auf keinen Fall machen. Aber ich würde sie glaube ich auch nicht einfach hängenlassen, weil sie das "verlangt" hat, weil ich vermuten würde, dass sie eigentlich das Gegenteil will.
Also würde ich mich weiter kümmern. Ich sage nicht, dass du das machen sollst, denn du bist nicht ich. Ich schreibe einfach, wie ich es machen würde. Vielleicht hilft es dir ja bei deiner Entscheidung.
Also, ich würde mit dem Krankenhaus in Kontakt bleiben, aber erstmal ohne direkten Kontakt zu
ihr. Ich denke, es gibt sicherlich Sachen, die sie auch mit der Hilfe der Bundeswehr ohne euch nicht geregelt bekommt, oder?
Mit ihr würde ich tatsächlich nicht sprechen, und sie auch mindestens einmal abblitzen lassen, wenn sie es versucht. Oder wenn sie es mit Vorwürfen versuchen würde, wie, dass es dir nicht schnell genug gehen konnte, gar nicht mehr zu erscheinen, würde ich ihr freundlich sagen, dass du das natrürlich alles nur getan hast, weil sie es so gewünscht hat. Ihr hattet ja die Koffer schon gepackt, aber leider... (Ja, ich kann auch freundlich fies sein).
Also, ich würde sie zappeln lassen, aber nicht hängen, und mich hinter den Kulissen weiter mit kümmern,
Und dann würde ich mal abwarten, wie sie sich so verhält, wenn es ihr wieder besser geht. Ich habe keinerlei Ahnung, wie so ein Entzug sich anfühlt, aber ich kann immerhin bestätigen, dass er übellaunig, garstig und unfair macht... und dass das irgendwann nachlässt und die Leute wieder erträglich werden.
Und dann... Gut möglich, dass deine Mutter in drei Tagen anruft und tut, als sei das alles nie passiert...
Der Typ, der sich entschuldigt, ist sie ja ganz sicher nicht, also wird sie es wegschweigen - oder sogar selbst verdrängen. Und auf einmal bist du wieder ihre Tochter und sie will was von dir!
Ist super nervig und verletzend... ich hoffe, ich selbst ende nie so.
Aber sie kann halt jetzt nicht mehr anders. Wenn sie es denn je konnte.