Wir sind heute im Schneesturm spazieren gegangen. Es fielen richtig dicke Flocken und es war ziemlich kalt. Dina war völlig aus dem Häuschen, es wirkte so, als hätte sie das erste Mal in ihrem Leben Schnee gesehen. Was nicht ausgeschlossen ist, weil sie aus Andalusien kommt. Auf jeden Fall fand sie das weiße Zeug toll, toll, toll. Sie tobte wild herum, raste durch den Schnee, sprang hin und her über den Graben, schmiss sich auf den Boden, um sich im Schnee zu wälzen und wusste kaum wohin mit sich vor lauter Begeisterung. Lotta, Milli und Tano fanden es auch genial und tobten sich im Schnee gründlich aus. Als wir nach einer Stunde zum Auto zurück kamen, waren sie platt und legten Zuhause zusammen eine zufriedene Siesta ein.
Ich lese gelegentlich in Reddit und verfolge dort zwei Stränge. Einer ist für Nannys, die Kinder in allen möglichen Varianten betreuen, von stundenweise bis Vollzeit. Der andere richtet sich an Tiersitter bzw. Tierhalter, die auf der Plattform "Rover" Tiersitting buchen oder anbieten. Beides in den USA.
Omg, da merke ich deutlich die unterschiedlichen Mentalitäten, in beiden Strängen. Alles läuft nach "Protokollen" und "Routinen" und mit ausgefuchsten Verträgen. Und immer wieder der Punkt, wenn ein Petsitter durch einen Hund verletzt wurde. Da ist eine Schramme auf der Haut vom "Biss" oder "Kratzen" des Hundes, weil er zu grob gespielt hat oder weil der Petsitter ihn zu sehr bedrängt hat (wie deutlich auf einem Foto zu sehen ist). Natürlich muss der Petsitter sofort, aber auch sofort in die Notaufnahme und braucht AB und Tetanus. Es werden Bilder von den "Verletzungen" eingestellt, oft ist die Haut nicht mal verletzt oder es gibt nur eine oberflächliche Schramme. Ich würde, wenn ich überhaupt daran denken würde, ein Desinfektionsspray draufsprühen und dann zusehen, wie es heilt. Aber, wie ich gelernt habe, können durch diese Kratzer die boshaftesten Bakterien in die unteren Schichten der Haut und dann in die Blutbahn eindringen und dann bist Du sofort mausetot. Natürlich muss in dem Fall wegen Lebensgefahr der Vertrag außerordentlich gekündigt werden und der HH muss umgehend aus dem
Urlaub zurück kommen. Wtf.
Blöd dabei ist, dass, wenn der Sitter in ein Krankenhaus geht und einen Hundebiss meldet, die Behörden aktiv werden.
Keine Frage, ich weiß, dass Katzenbisse hochgradig gefährlich sind, ebenso wie tiefe Hundebisse, aber da geht es um oberflächliche Kratzer oder blaue Flecken. Aber so, wie das dort geregelt wird, würde ich never ever meine Tiere in den USA fremdbetreuen lassen.
Ähnlich bei den Nannys für Kinder: Da wird diskutiert, ob die Nanny den vollen Mülleimer rausbringen soll, wenn das nicht im Vertrag aufgeführt wurde. Je nachdem, wo sie leben, bekommen sie zwischen 25 und 70 Dollar pro Stunde. Bei den Diskussionen sehe ich, dass meine Nannyfamily mit mir ganz zufrieden sein kann. Müll war nie ein Problem, aber ich habe tatsächlich trockene Wäsche vom Wäscheständer im Garten abgehängt und zusammengelegt, wenn sich Regen androhte, auch wenn das nicht in meinem Vertrag stand. Auf der anderen Seite gab es eine Arbeitgeberin einer Nanny, die einen GH Vertrag hatte. Das bedeutet, dass die Nanny 40 Stunden pro Woche bezahlt wird, auch wenn die Familie sie nicht braucht. Diese Familie hat ihrer Nanny ursprünglich gesagt, dass sie bis zum 5. Januar nicht in der Stadt sind. Sie sind dann doch früher zurück gekommen und haben die Nanny 12 Stunden vorher für den 1. Januar angefordert. Die Nanny war aber zu ihrer Familie geflogen und konnte nicht so schnell zurück kommen. Die haben ihr tatsächlich die Bezahlung der Tage gestrichen und meinten, sie solle froh sein, dass sie nicht gefeuert wird. Ich schätze, dass ich angesichts dessen richtig richtig Glück mit den Eltern meiner Nannykinder hatte. Die spinnen, die Amis.
Ich habe heute meinen luxemburgischen Rentenantrag eingetütet und werde ihn Montag abschicken. Wenn alles so läuft, wie ich es hoffe, sollte ich ab Juni eine kleine Rente aus Luxemburg bekommen. Die wird vernachlässigbar gering sein angesichts meiner sehr geringen Einzahlungen. Ich arbeite seit 2017 in der Familie, allerdings mit wenigen Stunden. Ich habe mit 13 Stunden wöchentlich über das ganze Jahr angefangen. Danach wurden es 10 Stunden, weil der kurze Tag weg fiel. Irgendwann waren die Kids alt genug, um eigene Ferienpläne zu haben und ab da habe ich nur noch in den Schulzeiten gearbeitet. Das war 2021 und ich habe seitdem nur noch 9 Monate pro Jahr in die Rentenversicherung eingezahlt.
Seit Oktober arbeite ich nur noch alle zwei Wochen drei Stunden und auch das nur in den Schulzeiten. Meinte Rente wird sich also im sehr niedrigen zweistelligem Bereich befinden. Das ist aber egal, denn durch die Rente habe ich die Möglichkeit, der deutschen Krankenversicherung zu entgehen. Hätte ich nur meine Rente aus D, wäre ich verpflichtet, mich nach meinem Job wieder in D zu versichern. Dadurch, dass ich nun zwei Renten habe, ist das Land, in dem ich lebe, für meine Krankenversicherung zuständig. Ich werde also weiterhin in Frankreich krankenversichert sein, was wesentlich besser ist. Beide Regelungen sind EU-Recht. Ich hätte das selbst nie herausgefunden und mich in Deutschland weiter versichert, weil ich nicht wusste, dass Renteneinzahlungen im EU Raum und inklusive der Schweiz ein Abkommen haben, dass die Renteneinzahlungen zusammengerechnet werden. Im Prinzip ist das auch sehr sinnvoll. Wenn jemand in vielen Ländern der EU (samt Schweiz) immer nur kurze Zeit arbeitet, hätte er ansonsten keinen Anspruch auf Rente, weil er die jeweiligen landestypischen Mindesteinzahlungen nicht erarbeitet hat. Hätte Chris die Gesetze nicht nachgelesen, wäre ich nie auf die Idee gekommen. Allerdings ist er es beruflich gewohnt, mit EU-Regeln zu arbeiten.
Dass Chris noch mal einen Job findet, ist eher unwahrscheinlich. Erstens ist selbst der Arbeitsmarkt von Luxemburg teilweise eingebrochen, zudem ist er selbst als sehr spezialisierter Angestellter mittlerweile zu alt. Er ist zwei Jahre jünger als ich und wird im August 63 Jahre alt. Er trägt es mit Fassung gg