Das wilde Dorfleben - von der Stadt aufs Land :-)

:( , bist du bereit jederzeit aufzubrechen und rüber zu fahren?
Ich freue, oder sehe es als Wink des Schicksals, dass Chris nicht arbeiten muss❤️.
Und Gottseidank sind jetzt Christian und Maria vor Ort und kümmern sich und vor allen Dingen, gibt es nun: ungefilterte Informationen.
Drück euch ❤️❤️❤️
 
  • 9. Dezember 2025
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Hi Grinschy ... hast du hier schon mal geguckt?
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Bisher wissen wir, dass eine Wundrose um die Metastasen vermutet wird. Mein Vater wird stationär aufgenommen und ein Dermatologe wird es sich gleich ansehen.
Wir warten ab, was wir von Maria und Christian erfahren, wenn sie ausführlich und offen berichten können. Dann entscheiden wir, wie es weitergeht.

@Grinschy
Bereit? Nein.
Am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen und so tun, als gäbe es kein Problem.
 
Bereit? Nein.
Am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen und so tun, als gäbe es kein Problem.
Dazu ist man nie "bereit"...
Und macht es trotzdem...
Man funktioniert halt..
Das mit der Decke hätte ich so gerne so oft gemacht...
Am allerliebsten an dem Tag als ich mich von meiner sterbenden Mutter verabschiedet habe...
Und war trotzdem da...
Im Nachhinein...
Hab ich es gerne gemacht...nein
Hätte ich es bereut es nicht gemacht zu haben...definitiv ja

Ich wünsche Euch viel Kraft und Nerven in den nöchsten Tagen...
 
Bisher wissen wir, dass eine Wundrose um die Metastasen vermutet wird. Mein Vater wird stationär aufgenommen und ein Dermatologe wird es sich gleich ansehen.
Wir warten ab, was wir von Maria und Christian erfahren, wenn sie ausführlich und offen berichten können. Dann entscheiden wir, wie es weitergeht.

@Grinschy
Bereit? Nein.
Am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen und so tun, als gäbe es kein Problem.
Ist wahrscheinlich das letzte Mal um sich auszusprechen.

Selbst wenn es vergeblich ist, ist die Frage, warum es nicht ein letztes Mal versucht zu haben , vom Tisch .

Das wäre jetzt meine Reaktion, wobei halt Jeder anders mit solchen Problemen umgeht

Ich wünsche Euch viel Kraft für diese Zeit , und Kopf hoch , es kommen wieder bessere Zeiten . :trost1:
 
Klar werden bessere Zeiten kommen...
Dürfte aber dauern, auch wenn das jetzt "brutal" klingt.
Denn wie ich auch damals, hat Britt noch ihre Mutter.
Was ja erstmal schön ist, oder zimindest sein sollte...
Heißt, zu dem eigenen "Wie komme ich jetzt damit zurecht", kommt noch jemand dazu, der jetzt quasi "hilflos" ist.
Meine war (wenigstens) schon im Seniorenheim, so das mir ggf Umzug und tägl. Betreuung schon mal abgenommen waren.
Ich fürchte, das du, Britt, da etwas "mehr" vor dir hast.

Wie gesagt, ganz viel Kraft und gute Nerven, von ganzem Herzen... :trost1: :herzen:
 
Alles erdenklich Gute und sei froh dass du beide Chris an der Seite hast und es nicht alleine durchstehen musst, der Schritt in die erste Reihe ist immer schwer.
 
Ich hoffe, dass du das alles gut durchstehst. Man kann auch seinen Frieden machen, wenn man keine klärenden Gespräche mehr führen konnte. Habe ich mit meiner Mutter gemacht. Alles andere hätte nichts gebracht und nur weiteren Unfrieden in ihre Sterbephase gebracht. Was hätte ich auch innerhalb von 14 Tagen machen sollen? Also verzeihen und zusehen, dass man selbst klar kommt. Du schaffst das.
Falls dein Vater sich doch wieder berappelt, könnt ihr ihn ja wirklich noch besuchen, aber ob klärende Gespräch dann Sinn machen? Jeder muss mit seinen Gedanken und seinem Gewissen irgendwann gehen. Wenn ihr auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, ist das auch nur Stress für euch beide.
 
Verstehen... ja
Damit klar kommen...def. ja
Verzeihen... alles...nein
Trotz des wirklich guten Verhältnisses zu meinen Eltern gab und gibt es die eine Sache, die ich niemals vergessen habe.
Ich habe es Jahre später sogar mal angesprochen, es wurde als "Nichtigkeit" abgetan, es war ja garnicht so gemeint, ich solle mich doch nicht so anstellen und es wäre ja auch schon sooo lange her...
Mir hätte ein "Tut uns leid, wir haben es doch garnicht so gemeint und wollten dir doch damit nicht weh tun..." völlig gereicht.
Sie haben es aber garnicht verstanden, wollten es vielleicht auch nicht... keine Ahnung.
Gut, abgehakt...
Aber vergessen habe ich das nie und werde es auch nicht.
Und verzeihen...never ever, im Leben nicht, auch wenn beide Verursacher nicht mehr da sind... :nee:
 
Mein Vater wurde natürlich stationär aufgenommen. Es wurde noch eine Sonographie gemacht, allerdings hat es gedauert, bis das möglich war. In der Wartezeit hat mein Vater Maria und Christian gebeten, nach Hause zu fahren, was sie auch getan haben. Heute haben wir erfahren, dass er bis 23 Uhr in der Notaufnahme gewartet hat, bis er ein Bett in der Dermatologie bekommen hat.
Heutiger Stand: Die Therapie mit Unterspritzung der Metastasen, die mein Vater bisher ein Mal hatte, wurde wegen Wirkungslosigkeit abgesetzt. Stattdessen wird nun über Bestrahlung nachgedacht.

Als Christian und Maria gestern Abend heimfuhren, haben wir telefoniert und Christian meinte, dass wir jetzt zumindest einen Fuß in der Tür hätten, was Hilfe betrifft.

Eine Diagnose gibt es nicht, die Wundrose wurde weder bestätigt noch verworfen. Ich vermute, dass der Krebs das Bein von meinem Vater immer mehr zerfrisst. Wann er (hoffentlich) entlassen wird und nach Hause kann, ist bisher nicht klar.

Meine Mutter hat uns heute morgen angerufen und uns über den neuen Stand berichtet. Dabei erwähnte sie, dass Papa nur sein uraltes Handy mit hat (mit Aldi-Sim) und sie ihn schlecht hören kann. Wir haben angeboten, dass wir ihm morgen ein besseres Handy bringen und darüber haben beide sich gefreut. Außerdem hat mein Vater das Ladegerät vom Rasierer vergessen. Ob wir das abholen und mitnehmen könnten? Ja klar. Das Ende vom Lied war, dass Mam nach einigen Bedenken mit ins Krankenhaus fahren wird.

Es tat mir sehr leid, als sie erzählte, wie sie die letzten Tage mit Papa erlebt hat. Es ist für sie schwer, zuzusehen, dass er weder essen noch trinken kann. Sie kocht ihm seine Lieblingsspeisen. Er kann sie nicht essen, auch wenn er es versucht.

Was mich morgen (datumsmäßig schon heute) im Krankenhaus erwartet, weiß ich nicht. Ob es das Ende einläutet oder ob es doch noch eine Chance auf ein bisschen mehr Leben gibt? Zumindest scheint meine Mutter mittlerweile auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass nicht alles wieder gut wird :(
 
Es war schwierig und wesentlich klüger sind wir auch nicht, wie der Ist-Zustand bei meinem Vater wirklich ist. Die Atmosphäre auf der Station in der Uniklinik ist deprimierend. Das Besucherzimmer ist ein kahler Raum mit einem abgewrackten Zweisitzersitzersofa, einem Dreisitzersofa im gleichen Zustand und einem Couchtisch, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Ansonsten wurde dort das Leergut gelagert. Keine Pflanze, kein Bild. Und viel zu kalt, ich musste meinen Mantel anlassen, weil ich fror.

Mein Vater liegt in einem Zweibettzimmer, weil kein Einzelzimmer verfügbar ist. Sein Mitpatient ist ein an malignem Melanom Sterbender. Mein Vater ist ein Kriegskind und er ist immer dankbar, wenn es um Essen geht. Eine Erbsensuppe von Mama macht ihn selig. Er mäkelt nie. Der große Hunger als Kind im zerbombten Hamburg hat ihn demütig gemacht, was Nahrung betrifft. Er hat sowieso Probleme mit dem Essen, aber die Kost im Krankenhaus ist so unangenehm, dass er es noch nicht mal versuchen mag. Wie er meinte, sah das Kartoffelpüree aus, als wäre es Kartoffelsuppe. Es ist das erste Mal, dass ich höre, dass mein Vater Essen kritisiert.

Er sah sehr müde aus und konnte nur humpelnd laufen. Sein verkrebstes Bein ist bandagiert, ebenso wie seine Hand, in der er einen Zugang für die Infusionen hat. Die Ärzte überlegen folgende Optionen: Zuerst Bestrahlung der Leiste, zwei Wochen an jeweils fünf Tagen. Danach Bestrahlung vom Bein, diesmal vier Wochen an jeweils fünf Tagen. Nach der Bestrahlung der Leiste zusätzlich auch Unterspritzen der Metastasen mit Herpesviren.

Meine Mutter macht ihm Druck, dass er alles machen soll, was möglich ist. Mein Vater will auf jeden Fall die Bestrahlung der Leiste machen und die Unterspritzungen, zweifelt aber, ob er die Bestrahlung des Beins möchte oder nicht. Zu Christian meinte er, dass er ohne meine Mutter am liebsten einschlafen und nicht mehr aufwachen möchte. Er möchte aber kämpfen, um für meine Mutter so lange wie möglich da sein zu können.
Meine Mutter meinte zu mir, dass sie die Hoffnung nicht aufgibt und nichts anderes hören möchte.
 
@Paulemaus

Ich hab grad wo gehört, dass das Budget für Essen pro Patient und Tag nur 6 Euro beträgt - für alle Mahlzeiten und Getränke. So sieht es dann teils auch aus. :(

Eine meiner zwei besten Freundinnen hatte Lungenkrebs (und lebt mittlerweile nicht mehr). Die war in Essen in der Uniklinik im Lungenkrebszentrum (meine ich), und überall da lagen Broschüren darüber herum, wie wichtig gutes, ausgewogenes Essen für die Genesung war. Nur dass das dortige Essen alles andere war als das. Als sie am Ende ihres ersten staionären Aufenthalts dort gefragt wurde, wie zufrieden sie sei, sagte sie direkt, dass sie diese Broschüren angesichts der miesen Qualität und Auswahl beim Essen als blanken Hohn empfände - die würden sehr effektiv den Eindruck erwecken, das Krankenhaus wolle seine Patienten nicht heilen, sondern möglichst schnell unter die Erde bringen. Es wäre schon schön, und hätte sie sich besser fühlen lassen, wenn das Essen wenigstens ein bisschen diesen Grundsätzen entsprochen hätte. Dass man eben mit Chemo oder Immuntherapie oft gar keinen Hunger hat, wurde durch das teils sehr unappetitlich verkochte und verpampte Essen nicht besser.

Als sie das nächste Mal da war, war das Essen gewohnt mies - aber die Broschüren waren nicht mehr da. :uhh:

(Die wurden einem dann zur Entlassung ausgehändigt.)

Zum Thema Bestrahlung: Da gibt's heute ganz tolle Sachen: Mein Vater hat so metallische Marker injziert bekommen, und wurde dann genau in diesem Bereich bestrahlt, nicht davor oder daneben. Oder es wird ein Stoff injiziert oder in den Tumor eingebracht, der sich dort anreichert und erst mit Bestrahlung zu wirken beginnt, oder... jedenfalls wird alles getan, um das bestrahlte Areal so klein wie möglich zu halten.

Ich hoffe, er verträgt die erste schon gut und sie wirkt - dann fällt es leichter, sich für die zweite zu entscheiden!

Alles Liebe. :hallo:
 
Es gibt aber auch Krankenhäuser, da klappt das mit dem Essen, trotz des Bugets.
Ich habe ja im letzten Jahr meiner Mutter einige kennenlernen "dürfen" und in den meisten konnte man das Essen absolut essen.
Was selbst meine, als ehemals sehr gute Köchin, ansich recht mäkelige Person zugegeben hat.
Man könnte also wenn man wollte...
 
Meine Sorge ist, dass meine Mutter meinen Vater zu sehr drängt. Ich habe ja vorher gesagt, dass wir sie unterstützen, wo wir können, egal, was sie möchten. Dabei bin ich aber davon ausgegangen, dass Beide das Gleiche möchten. Meine Mutter hat vor zwei nach dem Krebstod einer Freundin gesagt, dass sie nicht versteht, wieso krebskranke Menschen mit einer schlechten Prognose sich noch so vielen quälenden Therapien unterziehen (müssen), mit so viel Hoffnung, die dann doch enttäuscht wird und die die Zeit der erfolglosen Behandlungen sehr qualvoll macht. Warum die Ärzte alles probieren, obwohl klar ist, dass das nur das Leiden verlängert. Ich meinte damals, dass es um die Hoffnung auf ein Wunder geht. Die es ja tatsächlich ganz selten mal gibt. Im Pankreas-Forum, in dem ich immer noch bin, seitdem Christine mit Pankreaskrebs diagnostiziert wurde, gibt es eine Frau, die diesen Krebs nun zehn Jahre überlebt hat. Wobei ihr Leben extrem eingeschränkt ist. Dem stehen aber Dutzende von Neuanmeldungen von Betroffenen gegenüber, die ich im Forum kennengelernt habe und die wie Christine den "üblichen" Weg gehen mussten und deren Lebenserwartung nur zwischen drei Monaten und 18 Monaten lag.

Meine Mutter hat die Hoffnung, dass mein Vater der seltene "Wunderfall" ist. Wie sie meinte, können Menschen auch von Krebs geheilt werden. Ich hingegen befürchte, dass dem nicht so sein wird. Sie verdrängt halt meisterhaft. Mich macht das sauer und es fällt mir schwer, die Klappe zu halten. Ich empfinde sie als sehr egoistisch. Die Ärzte haben meinen Vater angeboten, entweder stationär die Bestrahlungen zu machen oder täglich den Taxischein zu nutzen. Meine Mutter erzählte mir das per Sprachnachricht und meinte, dass das gar nicht geht. Sie käme allein nicht zurecht. Im Haus ist das kein Problem, aber sie kann nicht einkaufen und kommt nirgendwo hin. Das hat sie meinem Vater auch so gesagt und ihm quasi "untersagt", das stationär zu machen.

Ich habe ihr geantwortet, dass wir an Ann gesehen haben, wie anstrengend die Bestrahlungen sind und dass die weite Taxifahrt (pro Strecke eine Stunde) eine zusätzliche Belastung sei. Ich habe ihr auch versichert, dass wir uns in der Zeit um sie kümmern, sie mit Einkäufen versorgen etc. An dem Punkt ging es noch um die Variante 2 Wochen Lymphdrüsenbestrahlung, vier Wochen Beinbestrahlung, Unterspritzung. Das gab ihr immerhin zu denken, denn sie antwortete, dass sie vielleicht in eine Seniorenresidenz ziehen könnte, während Papa im Krankenhaus ist. Sie und Papa wollten sowieso mal in einer wirklich sehr schönen Seniorenresidenz Probewohnen. Seniorenresidenz hatte sie übrigens ein paar Tage vorher vehement abgelehnt.
Danach hat sie noch mal mit Papa telefoniert und er sagte, dass er sich die Bestrahlung vom Bein überlegt, das andere aber machen wird. Und dass er keinesfalls stationär behandelt werden möchte, sondern täglich nach Bonn fahren möchte.

Als wir meinen Vater besuchten, hatte ich ziemliches Gefühlschaos. Große Traurigkeit, als ich ihn so bandagiert sah. Es gab aber Momente, da war ich richtig sauer. Es ging grob um die Behandlungen und ich merkte an, dass ich es unsäglich fände, dass wir in keiner Weise informiert werden. Ich fügte hinzu, dass ich über diese Krebsform sehr gut informiert bin und es in dem Forum auch Spezialisten und eine Fülle von Infos gibt. Vielleicht hätte ich sogar mit meinem angelesenen Wissen helfen können oder Fragen im Forum klären lassen können.

Meine Mutter antwortete, dass wir jetzt aber nun alles wissen. Meine böse Bemerkung: "Ja, jetzt, wo das Kind im Brunnen liegt" Dann musste ich aus dem ungemütlichen Besucherzimmer flüchten und habe den kleinen Blumenstrauß, den wir mitgebracht hatten und der noch trocken auf dem Bett von meinem Vater lag, in eine Vase gestellt und dabei dem sterbenden Mitpatienten zugelächelt.

Es gab eine zweite Situation, aus der ich geflüchtet bin. Mein Vater hat sehr übel über das Krankenhaus, die Ärztinnen und dem Pflegepersonal abgezogen. Bei offener Tür, das Pflegepersonalzimmer war nebenan. Ich fand das unsäglich und bin auf Toilette gegangen, während Chris beschwichtigte. Er ist der Diplomat unter uns.

Als wir gingen und mein Vater uns zum Aufzug brachte, kamen wir an einer Fotocollage vorbei. Darauf waren alle Pfleger und Pflegerinnen. Ich blieb stehen, schaute mir das Bild an und meinte, dass sie alle sehr sympathisch aussehen. Gleichzeitig öffnete sich die Tür zum Pflegezimmer gegenüber und ein Pfleger kam heraus. Offensichtlich hatte er meine Bemerkung gehört, denn er lächelte mich an. Ich fügte hinzu: "Ah, Sie sind einer der sympathischen Menschen auf dem Bild?" War er. Ich hoffe, ich konnte das schroffe Verhalten meines Vaters damit ein bisschen entschärfen. Btw, ich kenne meinen Vater so nicht. Normalerweise ist er in solchen Situationen extrem höflich.

Wir haben nach dem Besuch meine Mam nach Hause gefahren und haben zwischendurch bei dem ihr bekannten Netto gehalten, weil sie noch einkaufen wollte. Ich habe sie begleitet, während Chris die Gelegenheit nutzte, eine Zigarette zu rauchen. Mam fand sich im Laden gut super zurecht und war mit dem Einkaufswagen völlig sicher unterwegs. Sie kaufte Toastbrot und 4.5 Liter Wein in drei Tetrapacks. Mit der Bemerkung, dass sie nicht an den Vorrat geht, weil sie keinen Korken aus den Flaschen herausbekommt und ein Tetrapack einfach zu öffnen ist. Normalerweise zieht Papa die Weinkorken, weil sie nach ihrem Schlaganfall nicht mehr so feinmotorisch ist.

Nachdem wir uns von meiner Mam verabschiedet haben, war ich wie im Nebel. Chris und ich aßen auf dem Weg zu Christian, der uns in seiner Wohnung erwartete. Ich fragte ihn nach einer warmen Fleecejacke, weil ich entsetzlich fror. Christian meinte. er hätte es extra warm in der Wohnung gemacht. Ich erwiderte, dass die Kälte von innen kommt. Er brachte mir die dickste Jacke, die er hatte. Wir saßen noch ein bisschen auf dem Küchensofa und plauderten bei einem Flens über alles, nur nicht über meine Eltern.

Ich konnte lange nicht einschlafen und als ich schlief, hatte ich Alpträume. Chris und ich hatten schon vorab geplant, auf dem Rückweg nach Vigy in eine Saunawelt zu gehen, um uns ein bisschen zu entspannen und hatten alles Nötige dabei. Als ich total übermüdet aufwachte, fragte Chris, ob ich wirklich in die Sauna möchte oder doch lieber sofort nach Hause. Er liebt Sauna und ich wollte, dass er sich wohl fühlt nach all dem Stress, also bestand ich auf Sauna. Dort angekommen, installierten wir uns auf zwei Liegen im Ruheraum. Ich wollte erst mal ein bisschen liegen, während Chris es in die Sauna zog. Als er zurück kam, lag ich eingemummelt in Bademantel und zwei großen Saunatüchern und schlief tief und fest. Chris ließ mich schlafen, genoss derweil die Saunawelt und sah zwischendurch immer wieder mal nach mir. Nach vier Stunden weckte er mich vorsichtig und wir tranken erst mal einen Kaffee. Danach war ich etwas klarer und schaffte immerhin noch ein paar Minuten im Dampfbad.

Ich war so so froh, als wir wieder Zuhause waren. Hier bin ich heil. Mit Chris, mit den Tieren, in unserem schönen Dorf und der unglaublich schönen Landschaft. In unserem Haus, das so schön ist. Mein Zuhause, meine Burg, mein Schloss. Mit den Hunden über die Felder streifen und mich über sie freuen. Die Miezen verwöhnen. Mit Chris lecker kochen.

Chris meinte heute Abend, als die schlimmen Ereignisse von früher in mir hochstiegen und ich sie ihm erzählten musste, weil ich sonst geplatzt wäre: "Sie waren grausam und Du bist ihnen zu nichts verpflichtet. Ich verstehe aber, dass Du helfen möchtest". Ich weiß aber gar nicht, ob oder wie weit ich das wirklich will. Es blubbert gerade so viel an die Oberfläche, was ich als erledigt betrachtet hatte.

Hinzu kommt, dass, wenn ich gerade verletzlich bin, auch ganz viele anderes an die Oberfläche blubbert. Zum Beispiel viele Bilder von viel Tierleid, die ich vor vielen Jahren gesehen habe. Emotional habe ich also gerade einiges an Arbeit.
 
Mach und hilf was du kannst und was du willst.
Kinder sind ihren Eltern, egal was sie für eine Beziehung haben/hatten, zu nichts, aber auch garnichts verpflichtet !!
Denn wir wurden nicht gefragt, ob wir geboten werden wollen...

Nachdem mir das eine der Seelsorgerinnen damals im KH meines Vaters so erklärt hatte, konnte ich mit der Situation und auch danach mit meiner Mutter deutlich besser umgehen.
Denn auch wir "Kinder" haben nur dieses eine Leben.

Alles Gute Euch Beiden...

PS
Und sei bitte nicht sauer auf Dich, weil Du auf Deine Eltern sauer bist/warst.
Das hilft Dir selber die Nerven und die Übersicht über die Situation zu behalten.
 
@Paulemaus

Fühl dich erstmal vorsichtig gedrückt, das war ja viel starker Tobak auf einmal.

:trost1:

In Kürze - muss gleich nach Kind 1 schauen:

1) Deine Mutter ist noch in der klassischen Verweigerungsphase - das ging alles ja doch recht schnell und sie klammert sich dran, dass bestimmt alles nicht so schlimm ist.
Machste erst Mal nichts dran.
Bei den meisten Leuten folgt irgendwann die Erkenntnis, aber beschleunigen lässt dich da glaube ich leider nicht viel.
Zumal sie ja sehr auf deinen Vater angewiesen ist (mindestens emotional), und entsprechend größere Panik schieben dürfte.

2) Dein Vater fühlt sich hilflos und machtlos, alles entgleitet ihm. Er hat Angst. Und er ist nicht der Erste und nicht der Letzte, der sich in so einer Situation so verhält. Das Personal kennt das mit Sicherheit schon.
(Ich gehöre auch dazu, zumindest, wenn ich selbst Patientin bin :verlegen: - ich muss ganz hart an mich halten, um das nicht rauszulassen)
Ich glaube, die freuen sich schon, wenn Angehörige das Gezeter nicht für bare Münze nehmen. :)
Männern - vor allem älteren - wird das meiner Beobachtung nach übrigens eher nachgesehen… wie gesagt, das ist nicht selten.

Evtl. wären eine Kurzzeitpflege für deine Mutter tatsächlich eine gute Lösung.
Dann muss dein Vater sich nicht auch noch um sie sorgen.
Aber das ist mal wieder eine Option , die vermutlich auf dem Papier besser funktioniert als in echt… :(
 
Ach Britt ich weiß gar nicht was ich sagen soll...ich kenne dieses zwiespältige Gefühl so gut. Einerseits möchte man helfen und man sorgt sich und auf der anderen Seite ist man wütend, das verletzte Kind kommt wieder zum Vorschein und das macht einen noch wütender (zumindest bei mir war es so) Pflichtgefühl den Eltern gegenüber und gleichzeitiges "ich will mich damit nicht auseinandersetzen, das bringt Sachen hoch die ich längst vergraben glaubte"
Mir ging es mit meiner Mutter so..die letzten 3Wochen im Hospiz waren im Grunde genauso wie es immer war...mit einem Unterschied: Noch mehr Stille und Sprachlosigkeit. Die Zeit war vertan und ich hätte mir so gewünscht das wir sie nutzen für uns, aber das geht nur im Fernsehen so, die Realität ist eine andere.
Fühl dich mal umärmelt und stell deine Person in den Vordergrund, das bist du wert. Hör auf deine Gefühle und handele danach, niemand gibt dir die vergebene Lebenszeit zurück. Deine Eltern machen es ganz genauso :) Bleib tapfer.
 
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