Clarissa v. Reinhardt zum Thema "Sprühhalsbänder"

  • Marion
Köpfchen statt Knöpfchen...

...das gilt auch für die viel gepriesenen Sprühhalsbänder, die in verschiedenen Ausführungen den Markt erobert haben. Spätestens seit uns Hundenanny Katja Geb-Mann allwöchentlich im deutschen Fernsehen vorführt, wie jeder Hund, ganz gleich welches Problem er seinen Haltern vermeintlich oder tatsächlich bereitet, mit Einsatz einer Fernbedienung in das Verhalten gepresst werden kann, das Herrchen oder Frauchen beliebt, finden die Halsbänder, die einen angeblich völlig harmlosen Spraystoß von sich geben, steigenden Absatz.

Doch schon der gesunde Menschenverstand lässt einen aufhorchen, wenn Hersteller und Anwender behaupten, dass der jederzeit auszulösende Sprühstoß für den Hund „gar nicht schlimm“ sei. Da fragt man sich doch selbst nach nur kurzem Nachdenken, wie es denn möglich sein soll, instinktive, genetisch fixierte Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Jagdverhalten durch etwas zu unterdrücken, das dem Hund gar nichts ausmacht?! Dem Hundehalter wird generös angeboten, das Gerät doch selbst mal in die Hand zu nehmen oder um den Hals zu legen, während der Trainer den Auslöser betätigt... und tatsächlich, so schlimm war das doch gar nicht. Ein kurzes „Zischhhh“ mit etwas feucht-kalter Luft. „Ja“, bestätigt der überzeugte Hundehalter, „das war gar nicht schlimm.“ Was Hersteller und Trainer jedoch geflissentlich verschweigen (aus Unwissenheit oder in betrügerischer Absicht?!), ist die Tatsache, dass plötzlich auftretende, nicht eindeutig zuzuordnende Zischlaute beim Hund als Angst auslösende, sogar lebensbedrohliche Laute abgespeichert sind, bei denen sofort die Flucht ergriffen werden muss. Jeder kennt den Anblick eines Hundes, der sich selbst im Körbchen `zig mal um die eigene Achse dreht, bevor er sich schließlich gemütlich niederlegt. Es handelt sich bei dieser Verhaltensweise um ein Erbe aus den Zeiten, in denen der Hund noch weitgehend draußen in Freiheit lebte. Bevor er sich hinlegte, drehte er sich mehrfach im Gras oder Laub, um die ausgesuchte Liegestelle als ungefährlich abzusichern. Sollte beim Drehen ein Zischlaut (zum Beispiel von einer Schlange) zu hören sein, würde er sich durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen. Biologisch sinnvoll... und diesen genetisch fixierten, Angst auslösenden Zischlaut bringen wir Menschen nun in den unmittelbaren Kopfbereich des Hundes! Und drücken vielleicht gleich mehrfach das Auslöseknöpfchen, worauf der Hund ganz leicht nicht nur in Angst, sondern sogar in Panik versetzt werden kann – ohne die Möglichkeit, sich durch die Flucht zur retten!

Eigentlich ist dieser Umstand allein schon Grund genug, niemals zu erlauben, dass einem uns anvertrauten Lebewesen ein solches Gerät angetan (im wahrsten Sinne des Wortes!) wird. Es gibt aber noch mehr Probleme:

Der Hund weiß nie, wann und vor allem warum der Sprühstop ausgelöst wird, befindet sich also in ständiger Erwartungsunsicherheit. Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, dem empfehle ich folgendes Eigenexperiment, das nicht in Anwesenheit eines Hundes durchgeführt werden sollte, damit dieser nicht unnötig verunsichert wird: Bitten Sie ein Familienmitglied oder einen Freund, Sie wirklich stark zu erschrecken, zum Beispiel durch einen lauten Schrei oder dadurch, dass er plötzlich die Stereoanlage zu voller Lautstärke aufdreht oder zwei Töpfe aufeinander schlägt, wenn Sie gerade überhaupt nicht damit rechnen, sich zum Beispiel entspannt im Sessel zurücklehnen oder gerade mit Freunden Karten spielen. Das Experiment sollte mindestens mehrere Stunden, am besten ein oder zwei Tage dauern und der Schreckreiz sollte in dieser Zeit mehrfach ausgelöst werden – ohne dass Sie wissen, wann dies sein wird. Sie werden merken, dass der eigentliche Reiz, wenn er dann endlich auftritt, bei weitem nicht so schlimm zu ertragen ist, wie die zermürbende Warterei auf ihn. Obwohl man ihn fürchtet, wünscht man ihn schon beinahe herbei in der Hoffnung, dann wieder eine Weile Ruhe zu haben, was aber nicht so ist, da er kurz nach dem Auftreten ein zweites oder drittes Mal ausgelöst wird und dann wieder stundenlang gar nicht, ganz wie es Ihrem Helfer beliebt. Keine angenehme Vorstellung, nicht wahr?!

Aber es gibt noch weitere Probleme. Gleich mehrere ergeben sich aus der Tatsache, dass Hunde über gedankliche Verknüpfung lernen. Trägt der Hund das Halsband und erhält den Sprühstoß, wenn er zum Beispiel auf mehrfachen Zuruf nicht kommt, so möchte der Mensch ihm damit zeigen, dass er dafür mit Schreckreiz bestraft wird, dass er ungehorsam ist. Es kann aber gut sein, dass er in genau diesem Moment zu einem kleinen Kind, einem Jogger oder einem anderen Hund schaut – und den Strafreiz damit verbindet. Das Ergebnis ist dann ein Hund, der noch immer nicht besser auf Abruf reagiert, dafür aber Ängste, evtl. sogar durch die Angst ausgelöste Aggressionen, gegen das entwickelt, was er gerade sah. Die Hundehalter sind dann ratlos, weil ihr Hund „plötzlich“ kleine Kinder meidet oder Jogger anknurrt, mit denen er doch bisher bestens auskam. Viele solcher Beispiele finden sich in meiner Hundeschule ein, erst kürzlich ein Rodesian Ridgeback Rüde, dessen Sprühhalsband immer ausgelöst wurde, wenn er zum Wildern durchbrennen wollte. Bei diesen Spaziergängen war allerdings auch immer seine Gefährtin, der Zweithund der Familie, anwesend. Die Halter kamen nun nicht wegen des unerwünschten Jagdverhaltens zu mir in die Hundeschule, mit dem sie sich inzwischen abgefunden hatten, sondern weil der Rüde seit Wochen die Nähe der Hündin mied. Immer wenn diese den Raum betrat oder sich, so wie früher, zu ihm kuscheln wollte, verließ er mit ängstlichem Gesichtsausdruck das Zimmer und das konnte man sich nicht erklären... Was hatte man diesen beiden Hunden angetan! Welche Gefühle wurden in den Tieren ausgelöst?! Der Rüde hatte nun Angst vor seiner Gefährtin, die er früher heiß und innig liebte, während diese nicht verstehen konnte, weshalb er, der vorher immer leidenschaftlich mit ihr spielte und tobte, sie jetzt mied. Die gleiche Trainerin, die den Einsatz des Sprühhalsbandes empfohlen hatte, empfahl jetzt übrigens, einen der Hunde abzugeben, weil die Tiere sich unterschiedlich entwickelt hätten und einfach nicht mehr gut zueinander passen würden. Die Ängste des Rüden erklärte sie über die angeblich dominante Ausstrahlung der Hündin. Man könnte weinen, wenn Hunden mit einem solchen Schicksal gegenüber steht – oder es packt einen einfach nur die Wut.

Die Probleme gehen noch weiter, denn nichts generalisiert sich bei Hunden so schnell, wie Geräuschangst. Nicht nur dieser Rüde, sondern auch zahlreiche andere Hunde entwickeln nach Einsatz des Sprühhalsbandes Ängste vor allen möglichen Geräuschen. Das Öffnen einer kohlsäurehaltigen Getränkeflasche, das Zischen von heißem Fett in der Pfanne, Knall- und Schussgeräusche, die dem Hund vorher egal waren, versetzen ihn jetzt in Angst und Schrecken. Der oben erwähnte Ridgeback Rüde zum Beispiel verzog sich mit eingezogener Rute unter den Tisch des Besprechungsraums, als ich eine Wasserflasche öffnete. Dies tat ich nicht, weil ich Durst hatte – trauriger Weise gehört es inzwischen schon fast zum Standardprogramm beim ersten Kennenlernen und Analysieren eines mir vorgestellten Hundes auszutesten, ob er schon mit Sprühhalsband gearbeitet wurde und welche Wunden dies an seiner Seele hinterlassen hat. Die Halterin war auch sehr erstaunt, als ich ihr nach dem „Flaschentest“ auf den Kopf zusagte, dass an ihrem Hund sicher schon mit Sprühhalsband gearbeitet worden war. Das wollte sie mir eigentlich gar nicht erzählen, weil sie schon gehört hatte, dass ich gegen den Einsatz dieser Geräte bin. Nachdem ich sie auf die Reaktion ihres Hundes hingewiesen hatte, war sie sehr betroffen. Und wütend, nachdem ich ihr erklärte, weshalb ihr Rüde jetzt Angst vor der Hündin und vor allen möglichen Geräuschen hatte. Wütend auf die Trainerin, die sie auf diese „unerwünschten Nebenwirkungen“ nicht aufmerksam gemacht, sondern immer erklärt hatte, wie harmlos der Einsatz des Gerätes sei. Für mich stellt sich die Frage, ob Kollegen, die es einsetzen, um diese Nebenwirkungen nicht wissen, oder ob sie diese bewusst verschweigen, weil kaum jemand bereit wäre, den Einsatz zu erlauben, wenn sie bekannt wären. Und ich stelle mir die Frage, was von beiden eigentlich schlimmer ist...

Last not least gibt es Probleme mit der Technik. Es soll schon vorgekommen sein, dass das Gerät durch andere Funkfrequenzen oder sogar die Fernbedienung eines in der Nähe befindlichen Halsbandes an einem anderen Hund ausgelöst wurde. Der Strafreiz wird dann also einem Hund verabreicht, der einfach nur herumsteht oder gerade spielt oder sonst etwas tut. Das steigert die Erwartungsunsicherheit natürlich noch mehr und erhöht die Trefferquote auf Fehlverknüpfungen immens. Zusätzlich löst es nicht immer zuverlässig aus, kann zum Beispiel durch Wetterlagen mit feuchter Luft (Nebel, Regen) verzögert oder gar nicht reagieren. Schließlich zeigt es auch nicht an, wann die Batterie leer ist, wodurch es passieren kann, dass der Auslöser gedrückt wird und nichts geschieht. Dann käme man durch das Ausbleiben des Strafreizes (wenn der Hund denn überhaupt verstanden hätte, wofür er eigentlich bestraft werden soll) in den Bereich der variablen Bestätigung, was das unerwünschte Verhalten sogar noch verstärkt. Der Hund würde nämlich lernen, dass er das Verhalten nur immer wieder zeigen muss, bis er schließlich wieder zum Erfolg (in diesem Fall das Ausbleiben des Strafreizes und die erfolgreiche Durchführung des Verhaltens) kommt.

Man kann es also drehen und wenden, wie man will: Sprühhalsbänder sind ganz und gar nicht harmlos, im Gegenteil sogar sehr gefährlich. Manche Hunde werden durch sie so verunsichert, dass sie in die so genannte erlernte Hilflosigkeit fallen, was zur Folge hat, dass sie kaum noch Aktionen zeigen oder Handlungen anbieten, weil sie in ständiger Angst vor dem für sie unkalkulierbaren Strafreiz leben. Um diesen Tieren – und ihren verzweifelten Haltern – zu helfen, braucht es ein meist lang angelegtes, gut durchdachtes Training, das den Hund aus dieser erlernten Hilflosigkeit und seinen vielfältigen Ängsten wieder herausholt.

Sprühhalsbänder gaukeln dem Hundehalter vor, mal eben schnell per Fernbedienung eine Lösung für vermeintliche oder tatsächlich entstandene Probleme zu haben. Aber so einfach ist das nicht. Hunde sind uns anvertraute, fühlende und denkende Lebewesen, die nicht beliebig manipulierbar sind und deren Lernverhalten sich von dem unseren ganz erheblich unterscheidet. Ich kann deshalb nur dringend empfehlen, jeden Ausrüstungsgegenstand und jede Methode, der/ die durch Hersteller oder Trainer empfohlen wird, vor Anwendung am Hund genau zu prüfen, sich gut zu informieren und im Zweifelsfall nach dem guten alten Motto zu entscheiden, das auch für unsere Hunde gelten sollte: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

© Clarissa v. Reinhardt
animal learn


P.S.: Hiermit lade ich alle Hundefreunde ein, bei der Verbreitung dieses Textes zu helfen. Ich erlaube als Autorin ausdrücklich, ihn (vollständig und unverändert und unter Nennung der Quelle) auf anderen Homepages zu veröffentlichen, auszudrucken und zu verteilen oder auf ihn hinzuweisen. Je mehr Menschen um die Tücken und Gefahren des Sprühhalsbandes wissen, je mehr Hunden bleibt dessen Anwendung – hoffentlich – erspart. Ein herzliches DANKE an jeden, der diesen Text weiter gibt.
 
  • SaSa22
  • #Anzeige
Hi Marion :hallo:... hast du hier schon mal geguckt?
  • bones
Der Hund weiß nie, wann und vor allem warum der Sprühstop ausgelöst wird, befindet sich also in ständiger Erwartungsunsicherheit.

Bis dahin habe ich's gelesen und war positiv überrascht. Dann kam der übliche Blödsinn wieder.:rolleyes: Der gleiche Quatsch wie beim E-Gerät, menschliche Totalausfälle werden dem Gerät in die Schuhe geschoben. Die Logik ist die gleiche, als würde ich verbreiten, dass man Töpfe verbieten müsste, weil so ein Topf wehtut, wenn der einem Dackel auf den Fuß fällt. Sollte man dann auch mal im Selbstversuch testen: Siehste, tut weh...also hab' ich Recht :wand:.

So sehr ich mich auch anstrenge, derartigen Unsinn kann ich einfach nicht ernstnehmen.

LG
Mareike
 
  • MeikeMitBenny
  • #Anzeige
Mein Benny ist auch so ein echter Chaoshund... 



Habt ihr es schon mit einer Hundeschule probiert? In zwei Hundeschulen haben wir seine Macken nicht in den Griff bekommen. Wir haben es dann letztlich mit einem Online Hundetraining von einer Hundetrainerin geschafft. Deutlich günstiger als die Hundeschule vor Ort ist es auch noch gewesen!

Hier der Link zu ihrer Seite! 
Möchte ich jedem Hundehalter ans Herz legen, der sich offen eingestehen kann, dass er seinen liebsten Vierbeiner eben doch nicht immer wie gewünscht im Griff hat.

Melde dich doch mal zurück, ob sie dir auch helfen konnte! 

LG Meike mit Benny
  • Christy
Mir fällt dazu eigentlich nur ein, dass Animal-Learn Hunde echt für völlig doof halten muss... :eg:.
Die dabei "möglichen" Probleme finde ich sowas von an den Haaren herbeigezogen.... :unsicher:
 
  • bones
Mir fällt dazu eigentlich nur ein, dass Animal-Learn Hunde echt für völlig doof halten muss... :eg:.

Genau das ist mir auch schon mehrfach in den Sinn gekommen. Habe hier das Aggressions-Buch, da musste ich auch schon nach den ersten Seiten kämpfen - ganz bis zum Ende habe ich's dann aber doch nicht geschafft...
Aber es verkauft sich super, AL sind ja schon seit Jahren ein ganz heller Stern am Hunde-Experten-Himmel:p.

LG
Mareike
 
  • Christy
Mir fällt dazu eigentlich nur ein, dass Animal-Learn Hunde echt für völlig doof halten muss... :eg:.

Genau das ist mir auch schon mehrfach in den Sinn gekommen. Habe hier das Aggressions-Buch, da musste ich auch schon nach den ersten Seiten kämpfen - ganz bis zum Ende habe ich's dann aber doch nicht geschafft...
Aber es verkauft sich super, AL sind ja schon seit Jahren ein ganz heller Stern am Hunde-Experten-Himmel:p.

LG
Mareike

;)
Lustig ist auch die CS-Geschichte... anscheinend sind Hunde ja heutzutage auch nur noch 24 Std. am beschwichtigen... :verwirrt:
Wie hiess die gleich, die ihre DA beim Bloch darüber geschrieben hat? ;)
 
  • SaSa22
  • #Anzeige
  • kangalklaus
Dann kam der übliche Blödsinn wieder.:rolleyes: Der gleiche Quatsch wie beim E-Gerät, menschliche Totalausfälle werden dem Gerät in die Schuhe geschoben. Die Logik ist die gleiche, als würde ich verbreiten, dass man Töpfe verbieten müsste, weil so ein Topf wehtut, wenn der einem Dackel auf den Fuß fällt.

Da kann man sicher geteilter Meinung sein. Wichtig und richtig finde ich jedoch den Satz
Sprühhalsbänder gaukeln dem Hundehalter vor, mal eben schnell per Fernbedienung eine Lösung für vermeintliche oder tatsächlich entstandene Probleme zu haben. Aber so einfach ist das nicht. Hunde sind uns anvertraute, fühlende und denkende Lebewesen, die nicht beliebig manipulierbar sind und deren Lernverhalten sich von dem unseren ganz erheblich unterscheidet.
Technische Geräte können nie eine vernünftige Bindung Hund-Halter ersetzen.
Egal, ob es früher Stachel- und Elektrohalsbänder waren, oder heute die "tollen" Sprühhalsbänder.
Grüße Klaus
 
  • Kaze
Hallo Christy,
das Problem an diesen "Hilfsmitteln" ist aber, dass sie so dargestellt werden, als würde durch wundersame Heilung der schlimmsten Verhaltensstörung zwischen Hund und Herrchen alles wieder gut.
Das Beispiel "Hunde-Nanny" wird im Text ja auch genannt,
die Leute kriegen meiner Meinung nach häufig einen leichtfertigen Umgang mit solchen Geräten auf dem goldenen Tablett serviert.

Deshalb find ich den Text als solchen ganz vernünftig,
lg,
Kaze
 
  • bones
@Klaus: Wer redet von Ersetzen? Wie definierst du "technisch" (Stichwort lein, Spielzeug etc.)?
Und vor allem: Soll das heißen, Bindung löst alle Probleme...?

Für mich ist das alles eine 08/15-Masche, die ein völlig verkehrtes Bild vom Wesen "Hund" verbreitet, und zu unglaublichsten Auswüchsen führt (...und natürlich in der heutigen zeit sehr viel Geld bringt, weil ziemlich "in";)).

Selbstverständlich ist ein Sprühhalsband kein Allheilmittel, genausowenig wie ein Stachel, ein Geschirr oder Leckerchen.
Selbstverständlich sind Negativeinwirkungen kein Allheilmittel, genausowenig wie Liebe.

Aber selbstverständlich haben alle diese Dinge ihren Platz in der Hunde (Säugetier-)Ausbildung, denn sie alle sind in irgendeiner Situation bei irgendeinem Hund und irgendeinem Problem perfekt.

Ich verstehe nicht, warum sich die Massen immer noch so bereitwillig auf's Kreuz legen lassen:unsicher:.

LG
Mareike
 
  • Dingo
...
Ich verstehe nicht, warum sich die Massen immer noch so bereitwillig auf's Kreuz legen lassen:unsicher:...

So ist das nunmal, da darfst Du nicht von Dir und Deinem eigenen Anspruch ausgehen.

In einem anderen Forum z.B. gibt es nach Veröffentlichung dieses Beitrages etliche Beiträge derart: "Wollte das Animier-Bellen meines Hundes unterbinden, meine Trainerin hat es mir empfohlen. Ich hab's ausprobiert, es hat nichts gebracht.":( Oder: "Wenn der natürliche Jagdtrieb mit meinem Hund durchgeht, bringt es eh nichts mehr." Man glaubt nicht, wofür der Einsatz eines Sprühhalsbandes alles so empfohlen wird.

Im Prinzip dasselbe, was die Katja-Gebmann-Sendung suggeriert. Wenn diese Leute zum Nachdenken bewegt werden, das Sprühhalsband einmotten und das Geld lieber in eine gute Hundeschule investieren oder den Rat eines Hundetrainers zum Sprühhalsband von vornherein überdenken, dann fände ich das begrüssenswert. Insofern bin ich froh über jeden kritischen Beitrag zum Thema Sprühhalsbänder.

LG von
Dingo
 
  • bones
@Kaze: Völlig richtig. Genau regt es mich aber auch auf, wenn permanent verbreitet wird, alle Hunde und alle Probleme sind mit Geduld und "Liebe" in den Griff zu bekommen. Das ist mindestens genauso schwachsinnig und verursacht entgegen der landläufigen Meinung sehr wohl massive Schäden für Hunde (eingeschläfert, nicht vermittelbar, sediert, Beißunfälle, überfahren etcetcetc).

LG
Mareike
 
  • Marion
Ich denke, ihr habt beide recht (bones & Kaze).

Nur ist dieser Text wohl für die üblichen 08/15-Hundehalter geschrieben und eben nicht diejenigen wie Dich, Mareike, die sich ausführlich mit dieser Automatik auseinandersetzen.

Und wenn dann solche Leute durch so einen Text davon abgehalten werden bzw. den Einsatz so eines Halsbandes zumindest vorher genau überdenken, ob es für das eigene Tier das richtige ist

=> Dann gut so.
 
  • Kaze
@Kaze: Völlig richtig. Genau regt es mich aber auch auf, wenn permanent verbreitet wird, alle Hunde und alle Probleme sind mit Geduld und "Liebe" in den Griff zu bekommen. Das ist mindestens genauso schwachsinnig und verursacht entgegen der landläufigen Meinung sehr wohl massive Schäden für Hunde (eingeschläfert, nicht vermittelbar, sediert, Beißunfälle, überfahren etcetcetc).

Nein, mit Liebe ist sicher nicht alles in den Griff zu kriegen. Trotzdem bin ich kein Freund von Sprühhalsband, Leinenruck & Co.
Ich meine, es gibt ja eine Linie dazwischen und der durchschnittliche Familienhund ohne schwerwiegende Verhaltensstörung sollte schon "gewaltfrei" erzogen werden können.

Bei echten Problemhunden oder Diensthunden, die quasi "funktionieren" müssen mag das alles ein bisschen anders aussehen. Aber auch da bin ich mir sicher, dass Strom- und Sprühhalsbänder nicht das Allheilmittel sind (um mal bei dem Beispiel zu bleiben).

Es kommt halt immer auf die Kenntnisse und Fähigkeiten des Hundeführers an und auch auf den Hund. Jeder springt auf andere Methoden besser an, wichtig ist am Ende wohl vor allem, dass der Hund ein zufriedenes Lebewesen ist, dass für sich und seine Umwelt keine Gefahr darstellt, wie du ja schon sagtest,
lg,
Kaze
 
  • bones
@Dino: Ich bin dankbar für alles, was Menschen in Sachen Hundeerziehung zum Nachdenken bringt:).

Dieser Beitrag ist aber genauso schlecht wie eine Pauschalempfehlung, er ist nur eben das Gegenteil. Das ist weder sachlich noch korrekt.

Die Aussage

"Sprühhalsbänder sind immer richtig"

ist genau das gleiche wie die Aussage

"Sprühhalsbänder sind immer falsch" -

nämlich Blödsinn. Es geht um hochkomplexe Lebewesen in unendlich verschiedenen Lebenssituationen. Da darf es kein "immer" und kein "nie" geben.

LG
Mareike
 
  • bones
@Marion & kaze: Ihr habt ja Recht und ich verstehe was ihr meint. Aber wäre es nicht sinnvoller, den Menschen die Vielfalt und die Nötigkeit des Nachdenkens zu vermitteln, statt so zu tun, als gäbe es einfache Rezepte?

LG
Mareike
 
  • Dingo
@bones:

Prinzipiell gebe ich Dir Recht. Ich denke halt, wie Marion, dass sich der Artikel an Normalo-Hundehalter richtet, die u.U. noch nicht einmal eine vernünftige Bindungsarbeit mit ihrem Hund gemacht haben und alternative Wege nicht überdenken, aber zum Sprühhalsband greifen. Insofern finde ich den Text vernünftig.

LG von
Dingo
 
  • The Martin
Ich finde den Text gut, um auf Probleme mit solchen Geräten hinzuweisen (und vielleicht vom unüberlegten Kauf abzubringen). Allerdings halte ich doch einiges an den Haaren herbeigezogen und das finde ich schlecht. Es gibt ja auch genug stichhaltige Argumente gegen ein Sprühhalsband. Für die Hundehalter, die sich so ein Sprühteil ohne nachzudenken schnell besorgen wollen, ist der Text zu lang. Für Hundehalter, die schon Fortgeschritten sind, ist der Text teilweise an den Haaren herbeigezogen und nicht immer stichhaltig.
 
  • matti
Hi

Ich hab den Text nun auch gelesen, kann mir jemand mal die Stellen "zeigen", die an den Haaren herbeigezogen oder nicht stichhaltig sind?

Gruß
Matti
 
  • bones
@The Martin: Du bringst es auf den Punkt:). Vermutlich würden "mal-eben-das-Knöpfchen-Drücker" sich die Mühe des Lesens eh nicht machen - und alle anderen haben die Löcher in der Argumentation schnell entdeckt.

LG
Mareike
 
  • The Martin
Ich hab den Text nun auch gelesen, kann mir jemand mal die Stellen "zeigen", die an den Haaren herbeigezogen oder nicht stichhaltig sind?
-> Z. B. das folgende ist eine reine Vermutung. Es gibt dazu keine "Lehrmeinung" (Edit: Noch dazu wirkt es extra ausgedacht, um auf das Thema Sprühhalsband zu passen:(
Jeder kennt den Anblick eines Hundes, der sich selbst im Körbchen `zig mal um die eigene Achse dreht, bevor er sich schließlich gemütlich niederlegt. Es handelt sich bei dieser Verhaltensweise um ein Erbe aus den Zeiten, in denen der Hund noch weitgehend draußen in Freiheit lebte. Bevor er sich hinlegte, drehte er sich mehrfach im Gras oder Laub, um die ausgesuchte Liegestelle als ungefährlich abzusichern. Sollte beim Drehen ein Zischlaut (zum Beispiel von einer Schlange) zu hören sein, würde er sich durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen.
 
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