auf der Suche nach dem kriminellen Gen

  • alphatierchen
freie "kleine" Zusammenfassung eines Abschnitts aus dem Buch "aus Sicht des Gehirns" von , der auf neurobioligischer Ebene erklärt, wie Menschen zu Verbrechern werden. (übrigens nur bedingt zu empfeheln als Lektüre, nicht weil es kompliziert ist, sondern weil das Buch zu philosophisch geraten ist)

für die die sich schon immer gefragt haben: "Wie ist ein Mensch zu so etwas in der Lage?!" und die wirklich eine Antwort suchen.


Hier in der KSG, und natürlich nicht nur hier, unterscheidet man ja schonmal gerne zwischen den normalen Menschen und jenen die durch kriminelle Taten aufgefallen sind. zu gern geben wir uns der illusion hin, daß Verbrecher sich vom rest der gesellschaft unterscheiden MÜSSEN, daß man selbst nie dazu fähig wäre.

Dazu ist erst einmal zu sagen, daß die meisten Menschen, die straffällig wurden, dies nur einmal taten, nach der Entlassung aus dem Gefängnis tauchen sie nie wieder dort auf. Das liegt wahrscheinlich weniger an der erzieherischen Wirkung als an der gesellschaftlichen Schmach, an der sozialen Ächtung die man erfährt. Die Gründe für die Delikte solcher Menschen sind vielfältig, Dummheit, Leichtsinn, Gelegenheit oder auch Not, jedenfalls haben sie keine schweren charakterlichen Defizite, die sie von andren Menschen unterscheiden.

Wir reden hier übrigens von gut 90% der Straftäter. Dem gegenüber stehen weniger als 8% die doch sehr zur Rückfälligkeit neigen. Übrigens ist dieser "harte Kern" für 2/3 aller Straftaten verantwortlich und dabei fallen vor allem Gewaltverbrechen auf.
2/3 der Fälle von Tötungsdelikten und schweren Körperverletzungen gehen auf ihr Konto und gar 3/4 der Raubüberfälle und Vergewaltigungen. Diese Personen lassen sich kaum durch Strafen oder durch Erziehungsmaßnahmen rehalibierten, es sind die bekannten Vielfachtäter, die kaum draußen, wieder kriminell werden.

Was treibt diese Menschen? im gegensatz zur ersten Gruppe ist es bei ihnen weder Not noch Unvorsichtigkeit, ihre Neigung zur Gewalt muß erklärbar sein.

Untersucht man den Lebenslauf von Vielfachtätern, so zeigt sich schon in früher Jugend eine neigung zu Gewalttaten und zwar unabhängig vom Milieu in dem sie aufwachsen. dies zeigt sich bereits im alter von drei bis vier jahren in Rüpeleien, Schikanieren von Schwächeren, häufigem Lügen und Tierquälerei. Es sind übrigens 5% der männlichen Jugendlichen, die ein solch sozial auffälliges, von der Norm abweichendes verhalten zeigen. (Frauen neigen sehr viel weniger zu körperlicher Gewalt als Männer, was das verhältnis zu Männern angeht, kommt man zu folgendem Resultat:

Gewaltdelikte: 4:1
schwere Gewaltdelikte (Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung:( 10:1
Vergewaltigung/S.exueller Mißbrauch: 100:1)

Bei genauerer psychologischer und neurowissenschaftlicher Untersuchung dieser auffälligen Kinder findet man eine charakteristische Kombination von Auffälligkeiten:

-motorische Hyperaktivität (die Kinder sind ständig in Bewegung)
-verringerte Affekt- und Impulskontrolle (die Kinder regen sich schnell auf und können schlecht warten)
-starkes Gefühl der Bedrohtheit (was diese Kinder dazu bringt, sofern sie sich körperlich überlegen fühlen, schnell zuzuschlagen)
-kognitiv-emotionale Defizite im Erkennen von Gestik und Mimik und damit verbunden Mitleid- und Empathiefähigkeit (Empathie bezeichnet die Fähigkeit sich in einen andren Menschen hineinzuversetzen)
der wichtigste Punkt ist aber:
-mangelndes Selbstvertrauen

Diese Kinder kann man durchaus therapieren, tut man das allerdings nicht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß sie später gewaltkriminell werden.

Intressant ist natürlich die Frage, wie es zu solchen auffälligkeiten kommt. Es gibt genetische Dispositionen, vorgeburtliche, geburtliche und nachgeburtliche anatomische und physiologische Gehinschädigungen und einen niedrigen Serotoninhaushalt (Serotoinin ist der Stoff, den man gern mal Glückshormon nennt) Ausserdem findet man fast durchweg traumatisierende psychische Belastungen in der Kindheit, die erfahrung von Gewaltaus bung in der Familie und im engeren Lebensbereich. Diese Faktoren wirken zusammen und nicht unabhängig voneinander.

Was die genetische Dispostion angeht, handelt sich nicht um Verbrechergene, es sind genetische Abweichungen, Gen-Polymorphismen genannt. (vereinfacht gesagt unterscheid sich der Polymorphismus von der Mutation durch die Häufigkeit des Auftretens. Es ist zwar wissenschaftlich nicht ganz richtig, aber man könnte sagen, daß ein Polymorphismus eine Mutation ist, die häufiger auftritt).

Für sich allein zeigen diese Polymorphismen (die übrigens recht selten sind und etwas mehr als einen Prozent der Bevölkerung betreffen) keine auffallende Wirkung, es braucht mehr Faktoren um zu kriminellem Verhalten zu führen.

was bewirken diese Gen-Polymorpismen überhaupt? Sie haben fast immer, direkt oder indriekt mit dem Auf- und Abbau von Serotonin zu tun mit dem Resultat eines zu niedrigen Serotoninspiegels. Es wird zuwenig Serotonin produziert oder zu schnell abgebaut. Serotonin wirkt beruhigt, es gibt einem ein Gefühl von Sicherheit. Ein zu niedriger Serotoninspiegel führt zu einem ständigen Gefühl der bedrohung gepaart mit inneren Unruhe. (Als reaktives Verhalten neigen frauen übrigens zur Selbstverletzung während Männer häufig zu gewalttätigem Verhalten tendieren. Gewalt nach innen und Gewalt nach aussen)

Nun könnte man denken, der Serotoninhaushalt ist vor allem genetisch bedingt, aber das ist keineswegs der Fall. Viel wichtiger sind hier negative Umwelteinflüsse.
-starker vor- und nachgeburtlicher Stress
-starke Vernachlässigung durch die Mutter (führt zu negativen Bindungserfahrungen)
-S.exueller Mißbrauch in Kindheit und Jugend
-andre psyschische und physische Gewalterfahrung

Auch hier gilt, solche erfahrungen allein wirken nicht automatisch traumatisierend, sie tuen es allerdings bei Menschen die die oben erwähnten Polymorphsimen den serotoninspiegel betreffend aufweisen. so hat die Dunedin-Studie nachgewiesen, daß Kinder ohne psychische Belastung auch mit einem Polymorphismus eine nur gering erhöhte Gewaltbereitschaft zeigen und umgedreht psychische Belastung ohne Serotonin-Polymorphismus ebenfalls kaum Auswirkungen zeigen. Wenn aber beides zusammen kommt, erhöht sich die Gewaltbereitschaft um mehr als das Doppelte.

Eine gestörte Serotoninproduktion macht anfälliger für psychische belastungen.

Hier kann eine therapie nur wirken, wenn sie früh genug einsetzt, der beste Schutz ist allerdings Vorsorge und Vorbeugung, wenn es nicht zu traumatischen Erlebnissen kommt, kann man auch mit Serotonin-Polymorphismen ein normales Leben führen ohne besonders gewaltbereit zu werden.

soviel zur gruppe der "reaktiv-impulsiven Gewalttäter" , die sich wie der name schon sagt, insbesondere durch mangelnde Impulshemmung auszeichnen, aber es gibt auch eine kleine Gruppe von kriminellen die keine solche Störung aufweisen.

Ihre Störung, die Psychopathie oder auch Soziapathie genannt, weckt oftmals besonderen Abscheu. Ihre grausamen Taten sind sorgfältig geplant und vorbereitet. Sie zeigen starke Defizite ihr der Fähigkeit die Gefühle ihrer Mitmenschen richtig einzuschätzen. Sie können die Mimik, Gestik, emotionale Tönung in der stimme ihres Gegenübers nicht lesen, die Motive andrer menschen sind ihnen unverständlich und zeigen auch starke Störungen des eignen Gefühlsleben, sie sind emotional tot. So zeigen sie nicht nur eine große Gefühlskälte bei ihrem Verbrechen, sondern es fehlt ihnen auch jegliche Reue. da ihnen jegliche Einsicht in ihr verbrecherisches Tuen fehlt, sind sie auch (weitestgehend) immun gegen Erziehungsmaßnahmen.

Auf neurobiologischer Ebene zeigen sich schwere fehlfunktionen der Amygdala (auch Mandelkern genannt, spielt ua eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung und gilt als Sitz der Angst) und es orbitofrontalen Cortex (ebenfalls an der Regulation emotionaler Prozessee beteiligt). Dieses bewirkt,

a) daß diese Menschen emotional wichtige besonders negative und gefährliche Dinge gar nicht erkennen können und

b) sie auch nicht aus den negativen Konsequenzen ihres verhaltens lernen können.

Es gibt deutliche Zusammenhänge zwischen antisozialen Persönlichkeiten und traumatischen, frükindlichen Erfahrungen wie:

-schwerer psychischer vernachlässigung
-Isolation
-körperliche Mißhandlung
-S.exueller Mißbrauch

Ablehnung durch die Mutter, die Erfahrung brutaler Gewalt oder Vernachlässigung könnten bereits in früher Kindheit zu einer solch extremen psychischen Erniedrigung führen, daß die Psyche sich dann ein Leben lang zu rächen versucht.

Abschließend kann man wohl festhalten, daß wir Menschen uns nicht einfach in gut und böse unterteilen können, daß unsere Verhaltensweise, ob prosozial oder asozial, erklärbar sind. wir werden weder allein von unsren genen bestimmt noch allein von Umwelteinflüssen.

Imdem die Neurobiologen eben kein "Verbrechergen" fanden, sie aber viel komplexere Wechselwirkungen aufdeckten, sollten diese Erkenntnisse auf jeden Fall unser Rechtsystem beeinflussen und unseren Umgang mit Straffälligen. Und es sollte helfen die biblischen Ansichten von "Auge um Auge, Zahn und Zahn" entgültig aus den Köpfen zu verdrängen. Und im besten Fall hilft das Verständnis dieser Prozess auch gegen den Schrecken des Unerklärlichen. "wie kann jemand so etwas tun...?"
 
  • SaSa22
  • #Anzeige
Hi alphatierchen :hallo: ... hast du hier schon mal geguckt?
  • guglhupf
..sehr interessant..aber wie du dir denken kannst, fehlen mir einige aspekte jenseits der wissenschaft..

deshalb wäre das buch für mich evtl. interessant, wenn du es als "zu philosophisch" einschätzt.. ;)
 
  • Lana
Wie es dazu kommt, dass ein Mensch kriminell wird, ist nicht klar.
Insofern sind auch solche Darstellungen immer nur ein Erklärungsversuch, oder besser gesagt, eine Theorie unter vielen.
Hier mal ein kleiner Überblick an Kriminalitätstheorien:
 
  • Podifan
Wie es dazu kommt, dass ein Mensch kriminell wird, ist nicht klar.
Insofern sind auch solche Darstellungen immer nur ein Erklärungsversuch, oder besser gesagt, eine Theorie unter vielen.
Hier mal ein kleiner Überblick an Kriminalitätstheorien:

Hab´s jetzt nur schnell überflogen.

Toll finde ich die Sache mit den christlichen und konservativen Werten!:unsicher::albern:
 
  • trini
Hier mal ein Bericht über eine interessante Studie zum Thema
 
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